Blutverbot für Kinder

Zeugen Jehovas - Tode durch Blutverbot für Kinder

Jehovas Zeugen verbieten ihren Mitgliedern – auch getauften, minderjährigen Kindern – im Religionsrecht Bluttransfusionen, auch wenn dies den Tod bedeutet. Das Verbot gilt sogar für ungetaufte Kinder, wenn mindestens ein Elternteil Zeuge Jehovas ist.

Blutverbot macht Kinder zu Märtyrern

Die Erwachet!-Ausgabe vom 22.05.1994 auf den Seiten 9 bis 15 (siehe Titelbild) unter der Überschrift „Jugendliche, die Kraft besitzen, die `über das Normale hinausgeht`“ schildert  Minderjährige, die im Zusammenhang mit einer verweigerten Bluttransfusion verstorben sind als heldenhafte Märtyrer.

Klare Forderung an Eltern

In der internen Publikation „Unser Königreichsdienst“ vom September 1992 werden die Eltern angewiesen alles in ihrer Macht stehende zu tun, um eine Bluttransfusion für ihr Kind zu verhindern. Dieser Artikel wurde in der Versammlung in der Woche vom 14. und 21.09.1992 mit allen Anwesenden besprochen.

„… wir müssen, schon bevor ein Notfall eintritt, fest entschlossen sein, Blut für uns und unsere Kinder abzulehnen, da wir unser Verhältnis zu Jehova kostbarer erachten als die Verlängerung des Lebens unter Missachtung des Gesetzes Gottes.“ (Seite 3, Abs. 3)

„Wir müssen jedoch deutlich darlegen, dass wir mit der Erlaubnis für die Behandlung unseres Kindes keine Erlaubnis für eine Bluttransfusion geben.“ (Seite 3, Abs. 6)

Unter der Überschrift „Hilfe von Seiten der Organisation Jehovas“ heißt es:
„In einer kritischen Situation mögen es Älteste für ratsam halten, für eine 24-stündige Wache zu sorgen, die vorzugsweise von einem Ältesten und einem Elternteil des Patienten oder einem anderen nahen Angehörigen gehalten wird. Bluttransfusionen werden oft gegeben, wenn alle Verwandte und Freunde abends nach Hause gegangen sind.“ (Seite 4, Abs. 10)

Für den Fall, dass es zur Einschaltung eines Richters kommt, werden u.a. folgende Anweisungen gegeben:

„In jedem Fall, in dem eine Konfrontation oder eine gerichtliche Auseinandersetzung droht, sollte die Rechtsabteilung der Gesellschaft eingeschaltet werden.“ (Seite 5, Abs. 18)

„Auch wenn wir geneigt sein mögen, zunächst unseren Glauben an die Auferstehung zu erklären und unseren festen Glauben daran zum Ausdruck zu bringen, dass Gott uns unser Kind wiedergeben wird, wenn es stirbt, könnte eine solche Antwort den Richter, dessen Hauptinteresse das körperliche Wohl des Kindes ist, lediglich zu der Überzeugung kommen lassen, dass wir religiöse Fanatiker sind …“ (Seite 6, Abs. 20)

„Allen Beteiliten sollte jedoch klar gemacht werden, dass wir uns als Eltern verpflichtet fühlen, weiterhin alles in unserer Macht stehende zu tun, um eine Transfusion zu verhindern.“ (Seite 6, Abs. 25)

„Geben wir daher niemals auf, selbst wenn ein Gerichtsbeschluss erfolgt ist.“ (Seite 6, Abs. 26)

Gutachten

Nachfolgend aufgeführt sind einige Auszüge aus dem Gutachten „Entspricht die der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas bundesweit verliehene Rechtsstellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts geltendem Recht?“ vom Oktober 2019 – Wesentliche Eckpunkte.

7.1.1 Verhaltensanweisungen zur Verweigerung von Bluttransfusionen bei Kindern

Die Gemeinschaft fordert die Beachtung und Umsetzung des Blutvetos nicht nur von getauften Vollmitgliedern, sondern auch von Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil ein ZJ ist. Eine dahingehende grundlegende Anleitung und Anweisung wurde von der WTG im „Königreichsdienst“ für September 1992 auf den Seiten 3 – 6 unter dem Titel „Unsere Kinder vor einer Bluttransfusion schützen“ veröffentlicht. Breiten Raum nimmt dabei das Thema „Mit der Einschaltung von Gerichten rechnen und damit zurechtkommen“ (Abs. 12 – 28). Dort wird sinngemäß dahingehend argumentiert, dass die Entscheidung für eine blutfreie Behandlung und gegen eine Bluttransfusion auch für das Kindeswohl das Beste sei. (127) Dass Bluttransfusionen unter bestimmten Indikationen lebensrettend sein können, wird hier ganz offen geleugnet, wenn dort u. a. ausgeführt wird: „Trotz der Vorteile einer blutfreien medizinischen Behandlung betrachten viele Ärzte und Fürsorgevertreter eine Transfusionstherapie als medizinisches Standardverfahren, das unter bestimmten Umständen notwendig oder gar lebensrettend sein mag“.128 Der Artikel schließt (in Abs. 28) mit der unmissverständlichen Aufforderung: „Ihr Eltern, trefft rechtzeitig die nötigen Vorbereitungen, um eure Kinder vor einer geistig verunreinigenden Bluttransfusion zu schützen (Spr. 22:3).“

Älteste der ZJs haben die Verpflichtung, diese Inhalte mit Eltern zu besprechen. Als Gesprächsgrundlage dient das Formular „Wie Eltern ihre Kinder vor dem schriftwidrigen Gebrauch von Blut schützen können“. (129) Dieses schließt auf Seite 2 mit folgender eindringlicher Ermah- nung: „Einem Vater und einer Mutter sowie jedem Kind möchten wir sagen: `Sei nur fest ent- schlossen, nicht das Blut zu essen, … damit es dir … gut geht ́ und damit du Jehova gefällst und von ihm gesegnet wirst (5. Mo 12:23-25).“ Älteste werden dazu aufgefordert, sicherzustellen, dass schwangere Frauen und alle Eltern minderjähriger Kinder mit den Hinweisen aus diesem Formular vertraut sind. (130)

Die WTG veröffentlichte in der Erwachet!-Ausgabe vom 22.05.1994 auf den Seiten 3 bis 15 unter der Überschrift „Jugendliche, die Gott den Vorrang geben“ und ab Seite 9 unter der Thematik „Jugendliche, die Kraft besitzen, die `über das Normale hinausgeht`“ einen Artikel über Minderjährige, die im Zusammenhang mit einer verweigerten Bluttransfusion verstorben sind und schildert diese als heldenhafte Märtyrer. Dabei wird nicht davor zurückgescheut, Bluttransfusionen mit Verbrechen, Ekel und Abscheu in Verbindung zu bringen, wenn sich „Crystal Moore“, die im „Columbia Presbyterian Medical Center (New York City)“ behandelt wurde, u. a. wie folgt äußert: „…sie würde Zeter und Mordio schreien, sollte man versuchen, ihr Blut zu transfundieren; eine aufgezwungene Bluttransfusion sei für sie als Zeugin Jehovas so widerwärtig wie eine Vergewaltigung“.

Indirekt räumt die Bewegung in dem zuletzt genannten Artikel ein, dass in Folge des Blutvetos eine ganze Reihe minderjähriger Kinder von ZJs verstorben sind und noch versterben werden. (131)

Erfahrungsberichte

Adrian Yeatts

Der 11-jährige Adrian Yeatts hatte Leukämie, lehnte aber Bluttransfusionen ab, durch die sein Leben möglicherweise verlängert worden wäre, „und bewies dadurch, daß er zu den vielen jungen Menschen gehört, die Gott den Vorrang geben.“

Chandra Sharp

Die dreijährige benötigte eine Herztransplantation. Sie hatte nur noch wenige Wochen zu leben. Ihre Eltern stimmten einer Herzverpflanzung zu, lehnten aber Bluttransfusionen ab. Am 29. Oktober pflanzte der Chirurg Chandra ein anderes Herz ein. Einen Monat später wurde berichtet, es gehe ihr gut.

Lenae Martinez

Die 12-jährige litt an Leukämie. Die behandelnden Ärzte beschlossen, ein Erythrozyten- und ein Thrombozytenkonzentrat zu transfundieren und unverzüglich mit einer Chemotherapie zu beginnen. Lemae und ihre Eltern verweigerten eine Bluttransfusion. Am 22. September 1993 um 6.30 Uhr — nach einer langen, schweren Nacht — starb Lenae in den Armen ihrer Mutter.

Crystal Moore

Die 17-jährige litt an einer entzündlichen Darmerkrankung. Am Sonntag, dem 18. Juni, wurde morgens eine Notoperation erforderlich, der Crystal auch zustimmte, doch sie weigerte sich nach wie vor, Blut zu akzeptieren. Am 22. Juni 1989 wurde dem Krankenhaus vorübergehend das Sorgerecht für Crystal zugesprochen, so daß Bluttransfusionen angeordnet werden konnten. Da sie dann doch kein Blut benötigte, wurde ihr auch keines übertragen.

Statt froh zu sein, dass Crystal überlebte, reklamieren Jehovas Zeugen , dass das auf eine Absage an Crystals Rechte hinauslief — das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren, auf körperliche Unversehrtheit, auf Achtung der Privatsphäre und das Recht auf Religionsfreiheit.

Lisa Kosack

In der Nacht nach der Einlieferung in die Kinderklinik, erhielt die 12-jährige eine Bluttransfusion. Erwachtet kommentiert: „Wie herzlos und brutal dieses kranke, verängstigte 12jährige Mädchen mitten in der Nacht in einer fremden Umgebung behandelt wurde! .. wurde Lisa auf gemeinste Weise um Mitternacht eine Bluttransfusion aufgezwungen.“ Ein Gericht lehnte den Antrag des Krankenhauses auf Bluttransfusioen ab. Lisa starb friedlich zu Hause in den Armen ihrer liebevollen Eltern“.

Ernestine Gregory

Ernestine war 17 Jahre alt, als man bei ihr Leukämie feststellte. Sie und ihre Mutter weigerte sich, in die Verwendung von Blutprodukten einzuwilligen, die die Ärzte ihr zur Unterstützung einer Chemotherapie verabreichen wollten. Ernestine erhielt weder eine Chemotherapie noch Bluttransfusionen; sie starb aber dennoch nicht an Leukämie.

Zum Problemfeld Bluttransfuionsverbot geht es hier.