Theokratie und absoluter Gehorsam

Jehovas Zeugen bezeichnen sich selbst als Volk Gottes, dass unter einer Theokratie lebt. Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas gibt Lehre und die Verhaltensregeln weltweit einheitlich vor. Alle Mitglieder sind durch ihre Taufe absoluten Gehorsam schuldig. Im Konfliktfall zwischen den Anweisungen der Leitenden Körperschaft und den Gesetzen des Staates haben die Anweisungen der Leitenden Körperschaft Vorrang.

Theokratie

Wie in der Gegenüberstellung der Definition von Theokratie aus Wörterbüchern mit der Organisationsstruktur von Jehovas Zeugen zu entnehmen ist, trifft die Beschreibung auf Jehovas Zeugen eindeutig zu. Es wird zwar immer auf den Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen verwiesen, diese werden allerdings ausschließlich durch die Leitende Körperschaft (o.a. treuer und verständiger Sklave) interpretiert und vorgegeben und reichen bis tief in die täglichen und intimen Belange der Mitglieder.

Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas sieht sich als „weltweite Nation“, die zwar in verschiedenen Staatsgebieten lebt, jedoch weltweit einheitlich von ihrer theokratischen Organisation geführt wird. Damit bilden Zeugen Jehovas in gewisser Weise einen Staat im Staate.

Theokratie ist eine Herrschaftsform, bei der die Staatsgewalt allein religiös legitimiert und von einer (in der Sicht der Anhänger der Staatsreligion) göttlich erwählten Person (gottberufener Prophet, gottbegnadeter König usw.), einer Priesterschaft (Klerus) oder sakralen Institution (Hierokratie) auf der Grundlage religiöser Prinzipien ausgeübt wird. […] Es gibt dort weder eine Trennung von Staat und Religion noch von weltlichem Recht und religiösen Vorschriften. Damit widerspricht die Konzeption einer Theokratie dem Ideal eines liberal-demokratischen Rechtsstaats.“ (Wikipedia)

Damit widerspricht auch die Lehre und Organisation der Zeugen Jehovas den Prinzipien des liberal-demokratischen Rechtsstaats.

Wachtturm-Artikel: Was ist wahre Theokratie?

„In der Zwischenzeit ist allerdings schon die wahre Theokratie in Funktion. Wo? Unter denjenigen, die sich freiwillig der Herrschaft Gottes unterwerfen und die zusammenarbeiten, um seinen Willen zu tun. Solche treuen Personen wurden als eine weltweite geistige „Nation“ in ihr geistiges „Land“ eingesammelt. Es handelt sich um die Übriggebliebenen des ‘Israels Gottes’ und ihre mehr als fünfeinhalb Millionen christlichen Gefährten.“ (w98 1. 9. S. 14, Abs. 5)

Wachtturm-Artikel: Eine theokratische Organisation

„Christen anerkennen die Aufsicht des „Sklaven“ und zeigen dadurch, daß sie sich Jesus und damit auch Jesu Haupt, Jehova, unterordnen . Das ist das Ordnungsprinzip der Theokratie.“ (w98 1. 9. S. 15, Abs. 7)

Wachtturm-Artikel: Die theokratische Ansicht über die weltliche Herrschaft

„Wenn Jehovas Zeugen unter der Theokratie oder Gottesherrschaft stehen, wie betrachten sie dann nationale Regierungen? […] Christen sind der Regierung des Landes untertan, in dem sie leben […] Sollte der Staat allerdings etwas verlangen, was im Gegensatz zu Gottes Gesetz steht, würde der Christ „Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“.“ (w98 1. 9. S. 16, Abs. 11)

Wem gehorchen – Gott oder Menschen

Wachtturm-Artikel: Wem gehorchen wir — Gott oder Menschen?

„[…] Doch kein Mensch, ganz gleich wie mächtig, ist befugt, einem anderen zu untersagen, einem Gebot Gottes zu gehorchen … Jede gerichtliche Anordnung, die sich über Gottes Gebot hinwegsetzt, ist von Gottes Standpunkt aus ungültig.“ (w05 15. 12. S. 20, Abs. 5)

„[…] Sie bemühen sich, gute Bürger zu sein. Wo jedoch ein Konflikt zwischen Gottes Gesetz und dem Gesetz von Menschen besteht, müssen sie Gott, dem Herrscher, gehorchen.“ (w05 15.12. S. 24 Abs. 16)

Gott zu gehorchen bedeutet der Organisation zu gehorchen

„[…] Die lebensrettenden Anweisungen, die sie dann von Jehovas Organisation erhalten, mögen vom menschlichen Standpunkt aus unpraktisch erscheinen. Wir alle müssen bereit sein, jede Anweisung zu befolgen, ob sie nun vom strategischen oder menschlichen Standpunkt aus vernünftig erscheint oder nicht […]“ (w13 15. 11. S. 20, Abs. 17)

 Der leitenden Körperschaft gedenken wir natürlich nicht nur mit Worten, sondern auch, indem wir uns eng an ihre Anweisungen halten. Die leitende Körperschaft gibt uns diese Anweisungen durch Veröffentlichungen, in Zusammenkünften und auf Kongressen. Außerdem ernennt sie Kreisaufseher, die wiederum Älteste ernennen. Kreisaufseher und Älteste gedenken der leitenden Körperschaft dadurch, dass sie sich eng an ihre Richtlinien halten. Wir alle zeigen Jesu Führung gegenüber Respekt, wenn wir uns gehorsam denen unterordnen, durch die er uns leitet.“ (w17 Februar S. 28, Abs. 17)


„Dementsprechend hat der treue und verständige Sklave die Verantwortung, den „Haushalt“ der Gläubigen zu verwalten. Das schließt den verantwortlichen Umgang mit den materiellen Mitteln ebenso ein wie die Aufsicht über das Predigtwerk, das Vorbereiten von Kongressprogrammen oder das Herstellen von biblischen Veröffentlichungen für den Predigtdienst, das persönliche Studium und die Zusammenkünfte. Die Hausknechte sind auf alles angewiesen, womit sie dieser kollektive Sklave versorgt.“ (w13 15. 7. S. 24, Abs. 14)

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