Sexueller Kindesmissbrauch

Medien decken Vertuschung und Unterlassung wirksamer Schutzmaßnahmen auf

Die allgemeine Praxis der Zeugen Jehovas, schwere Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch nicht der Polizei oder den Behörden zu melden, zeigt die schwerwiegende Unterlassung der Organisation, die Sicherheit und den Schutz der Kinder zu gewährleisten. Vielmehr führt das organisationsinterne Disziplinarsystem dazu, dass Täter sexuellen Kindesmissbrauchs kaum sanktioniert werden und meist innerhalb der Gemeinschaft und Gesellschaft verbleiben – mit dem Risiko, dass sie sich weiterhin an Kindern vergehen.

Report Mainz
BR24

Zum Artikel zur Reportage vom 15.12.2021 geht es hier.

Interne Regelungen fördern Vertuschung und schützen die Opfer nicht

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland hat sich des Problems bei Jehovas Zeugen angenommen und die wichtigsten Punkte aus den Anhörungen von Betroffenen im Bilanzbericht 2019 zusammengetragen. Der aktuelle Stand der Untersuchung ist im Bericht vom 4.12.2020 zusammengefasst. Als eine wesentliche Ursache wird die 2-Zeugen-Regel identifiziert. In dem Bericht heißt es dazu:

„Spezifisch für die Zeugen Jehovas ist die Zwei-Zeugen-Regel. Sie besagt, einem Verdacht oder Vorwurf einer Straftat oder Gewalttat soll durch die Ältesten der Glaubensgemeinschaft nur nachgegangen werden, wenn es dafür mindestens zwei Zeugen gibt. Im Fall sexuellen Kindesmissbrauchs muss außer dem Kind also mindestens eine weitere Person bestätigen können, dass sich die sexuelle Gewalt durch den vom Kind benannten Täter oder die Täterin ereignet hat. Wenn das nicht möglich ist, sind die Ältesten angewiesen, die Angelegenheit in Jehovas Hände zu geben. Das bedeutet, sie tun nichts, um der Sache weiter nachzugehen, dem Kind wird nicht geglaubt, es bekommt keine Hilfe und hat nach den Regeln der Zeugen Jehovas ab sofort darüber zu schweigen. Das gilt auch für die Eltern. Wenn sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen wollen und weiter nachfragen, gelten sie als rebellisch und der Familie droht der Ausschluss aus der Gemeinschaft.“

Die Masterarbeit „Sexueller Kindesmissbrauch innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas: Inwieweit begünstigt Organisation, Lehre und deren praktische Umsetzung der Gemeinschaft die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen?“ (Michael Hack, 24. September 2020) kommt zu dem Schluss:

Anhaltspunkte für sexuellen Kindesmissbrauch in der Gemeinschaft wurden festgestellt. Eindrücke und Erfahrungsberichte, die den Medienberichten entnommen werden konnten, stimmten in mehreren Punkten überein. Der Hauptvorwurf, den Opfer und ehemalige Mitglieder der Wachtturm-Gesellschaft äußerten, lag einstimmig im Umgang der Organisation mit sexuellem Missbrauch insbesondere ausgehen von Gemeindemitgliedern in Machtpositionen, wie beispielsweise Älteste einer Versammlung. Die Aufklärung dieser Verbrechen verlief spärlich. Würdenträger, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben, seien nicht an die staatlichen Ermittlungsbehörden vermittelt worden, Anzeigen sollen bewusst nicht aufgegeben worden sein. Ermöglicht habe dies ein internes rechtliches Verfahren, […] der sogenannten Zwei-Zeugen-Regel. Diese Verfahrensweise mache es laut Medienberichten zur Pflicht eines Klägers, mindestens zwei Zeugen zu benennen, die den Missbrauch bestätigen. Sollte das Opfer nicht über die geforderten Zeugen verfügen, so kann der Missbraucher nicht zur Rechenschaft gezogen werden, falls er den Vorwurf abstreitet. In diesem Falle würden Älteste die Straftat nicht den Behörden melden.

Die Abhandlung „Sexueller Missbrauch an Kindern in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas“ (Dr. Regina Spiess, infoSekta, 2017) diskutiert die Ursachen, fasst wichtige Punkte aus der internationalen Berichterstattung vieler Länder zusammen, informiert über wegweisende Urteile, sowie die Ergebnisse der australischen Royal Commission. Schliesslich werden die Richtlinien der Zeugen Jehovas zum Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch analysiert.

Weitere umfangreiche Analysen zum Thema Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen sind auch auf JWinfo.de zu finden.

Die offizielle Reaktion von Jehovas Zeugen

Leugnen, dementieren und Kritiker abmahnen
Stephen Lett von der leitenden Körperschaft behauptet, dass Jehovas Zeugen gegenüber Pedophilen konsequent durchgreifen würden und bezeichnet damit die Vertuschung von Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen als falsche Geschichten und Lügen Abtrünniger (ex-Zeugen Jehovas).
Theodore Jaracz, Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas ist einer der Männer, die für die Kinderschutzregeln verantwortlich sind. Hier sind seine Antworten auf Fragen wie: „Warum halten Sie die Namen von verdächtigen Pädophilen in Ihrer Datenbank geheim?“, „Warum melden Sie nicht alle Missbrauchsvorwürfe der Polizei?“ und „Warum schicken Sie die Kinder zurück in die Arme ihrer Täter?“ – Eine beschämende Reaktion.

Jehovas Zeugen versuchen immer wieder durch Anzeigen und Abmahnungen Personen und Organisationen, die über Missstände berichten, ruhig zu stellen (s.a. Schweizer Urteil vom 09.07.2019). Dabei werden häufig angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen kostenpflichtig abgemahnt oder sogar angezeigt, die jedoch im Religionsrecht von Jehovas Zeugen klar und deutlich festgelegt sind, wie z.B. die 2-Zeugen-Regel, die Anzahl der Vorfälle in Australien und dass Opfer in Gegenwart der Täter im internen Gerichtsverfahren aussagen mussten.

Geheimhaltung & Vernichtung von Unterlagen

Das Ältestenbuch, und damit auch die spezifischen Anweisungen zum Kindesmissbrauch, sind Teil des Religionsrechts. Das Ältestenbuch ist allerdings geheim. Nur Älteste haben Einblick, nicht jedoch die einfachen Mitglieder der Jehovas Zeugen oder die Öffentlichkeit. Wichtige Zitate zum Thema Kindesmissbrauch aus dem Ältestenbuch finden Sie hier.

Darüber hinaus fordert die Leitung von Jehovas Zeugen strikte Geheimhaltung – auch bei Straftaten und polizeilichen Ermittlungen – und die konsequente Vernichtung von Unterlagen und persönlicher Notizen (siehe Verweise zu Ältestenbuch, -briefen und Aussage eines Ältesten unter Eid).

Wie sich Kinder schützen sollen

Zeugen Jehovas empfehlen Kindern züchtige Kleider, damit sie nicht missbraucht werden.
Die Opferberatungsstelle Castagna kritisiert die Empfehlungen scharf: «Solche Aussagen schieben den Kindern die Verantwortung für sexuelle Übergriffe zu – das ist inakzeptabel. Weder die Kleidung noch das Auftreten eines Kindes sind Ursachen sexueller Ausbeutung.» (Watson 05.07.2017)

Siehe dazu auch den Artikel bei infoSekta „Worüber die Wachtturm-Gesellschaft beim Thema ’sexueller Missbrauch‘ tatsächlich aufklärt“ (2015):

Analysen zum neusten Stand der Publikationen von Jehovas Zeugen

Aufgrund des öffentlichen Drucks und der Justiz scheinen Jehovas Zeugen langsam zu verstehen, dass sie sich bewegen müssen. Leider sind die Fortschritte nur graduell und bei weitem nicht ausreichend.

Vor Kurzem hat die Wachtturm-Organisation eine Informationsbroschüre veröffentlicht, die aufzeigen soll, wie Jehovas Zeugen mit Beschuldigungen im Zusammenhang mit Kindesmisshandlung umgehen. Wie zwei ehemalige Zeugen Jehovas berichteten, wurde auf die Veröffentlichung dieser Publikation innerhalb der Versammlungen in der Woche hingewiesen, als die Tagesschau von Missbrauch unter Zeugen Jehovas in den Niederlanden berichtete.
Eine Analyse dieser Informationsbroschüre finden Sie hier.

Im Abschlussbericht der australischen Royal Commission (Oktober 2016), die sexuelle Gewalt an Kindern innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas umfassend untersucht hat, fordert die Kommission, die Zwei-Zeugen-Regel zumindest in Fällen von Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch in der bisherigen Form nicht weiter anzuwenden:
„The Jehovah’s Witness organisation should revise and modify its application of the two-witness rule, at least in cases involving complaints of child sexual abuse“ (S. 66).
Die Wachtturm-Organisation hält jedoch ausdrücklich an der Zwei-Zeugen-Regel fest: In der November-Sendung 2017 (ab 53:13) des sog. Monthly Programs im eigenen Sender JW Broadcast äussert sich Gary Breaux, Mitglied des sog. Dienstkomitees, zur Zwei-Zeugen-Regel. Er verteidigt die Zwei Zeugen-Regel und hält im Namen der Organisation ausdrücklich daran fest. Breaux spricht die Zwei-Zeugen-Regel im Zusammenhang mit sog. Abtrünnigen an, weil diese die Regel kritisieren würden. Wenn man da nicht aufpasse, so Breaux, könne leicht Verwirrung entstehen. Er stellt fest, dass die Zwei-Zeugen-Regel biblisch fundiert sei und schliesst (55:31): „Aber die Bibel ist eindeutig. Bevor ein Rechtskomitee gebildet wird, braucht es entweder ein Geständnis oder zwei Zeugen. Wir werden unsere biblisch begründete Position also nie ändern.“

Im Wachtturm-Studienartikel Mai 2019 wird die Behandlung von Kindesmissbrauchsvorwürfen bei Jehovas Zeugen so ausgiebig für die Öffentlichkeit behandelt wie noch nie.
Eine ausführliche Analyse des Studienartikels finden Sie hier.

Birgit Kluge kommentiert den Artikel „Liebe und Gerechtigkeit angesichts des Bösen“ in der Studienausgabe des Wachtturms von Mai 2019 zum Umgang der Zeugen Jehovas mit dem Thema Kindesmissbrauch und wie Eltern wirklich ihre Kinder schützen können.

Ungenügendes Verständnis von Motiven und Mechanismen sexuellen Kindesmissbrauchs

Die Organisation der Zeugen Jehovas gibt vor, seit vielen Jahren Informationen zur Prävention sexuellen Missbrauchs bereitzustellen. Trotzdem werden Kinder offensichtlich nicht ausreichend geschützt und viele Betroffene sexueller Gewalt durch die Interaktion mit den Ältesten weiter traumatisiert.

„In einer Abhandlung von Reclaimed Voices (leider nur in automatischer Übersetzung vorliegend) wird erläutert, warum die Wachtturm-Organisation ein völlig ungenügendes Verständnis der Natur sexuellen Kindesmissbrauchs aufweist:

Nach der niederländischen Organisation Movisie zeichnet sich jede Form sexuellen Kindesmissbrauchs im Kern durch die Ungleichheit zwischen Kind und Täter aus. Sexueller Kindesmissbrauch basiert auf einem Machtgefälle, einer Abhängigkeitsbeziehung bzw. psychischer Manipulation. Die Definition sexuellen Kindesmissbrauchs der Wachtturm-Organisation beschränkt sich in einem Brief an die Älstestenschaft vom September 2017 auf die Aufzählung spezifischer sexueller Handlungen. Das Machtgefälle als Hauptmerkmal und Ursache dafür, dass sich ein Kind eben nicht wehren kann (weil es kognitiv unterlegen ist, bedroht wird, emotional abhängig ist etc.), wird nicht erwähnt.

Die Bedingungen sexueller Gewalt ignorierend, fokussiert die Wachtturm-Organisation allein auf sündiges Verhalten. Die Ignoranz der Wachturm-Organisation bzgl. der Natur sexueller Gewalt an Kindern zeigt sich etwa in Erwägungen bezüglich der vermeintlich sündigen Beteiligung älterer Kinder im Teenageralter im Ältestenbrief vom September 2017. Und sie wird in erschreckender Weise deutlich, wenn Opfern sexueller Gewalt – es wird gar das Beispiel eines 10-jährigen Mädchens genannt – von Seiten Ältester vorgeworfen wird, nicht genügend geschrien zu haben.

Eine anderes Problem ist, dass die Bedrohung als etwas von außen Kommendes dargestellt wird, in der Episode 17 „Kinder brauchen unseren Schutz“ der Kinderfilm-Reihe ist es ein „dunkler Geist“. Missbrauch geschieht in den allermeisten Fällen durch Personen, denen das Kind vertraut, sei es der Vater, ein Onkel oder ein angesehener Ältester in der Versammlung. Völlig unzulässig ist auch Verbindung, die in verschiedenen Wachtturm-Beiträgen zwischen Homosexualität und Pädophilie hergestellt wird.“

Wie in destruktiven Kulten Kindesmissbrauch gefördert wird

Das Zitat ist dem Abschiedsbrief eines Missbrauchsopfers entnommen.
Wie fördern scheinbar biblisch begründete Religionsdiktaturen systematisch vertuschten Kindesmissbrauch? Was sind die Mechanismen? Wie können Täter unerkannt ihre Verbrechen ausüben? Einige Antworten finden Sie in diesem Video.
Die Voraussetzung entsteht innerhalb von Machtstrukturen, die es erlauben, die Würde des Menschen zu verletzen.
Wenn Sie selbst psychologische oder rechtliche Hilfe benötigen oder in Vertretung für jemanden aktiv werden möchten, können Sie hier Hilfe finden.
Das Schweigen der Opfer ist die Macht der Täter!

Weitere Berichte zu Kindesmissbrauch aus europäischen Ländern

Belgien

ARD berichtet über Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen in Belgien im Europamagazin und in der Tagesschau (November 2019)

Belgien untersucht das Thema Kindesmissbrauch innerhalb der Zeugen Jehovas – Artikel in „DeMorgen“ vom 20. Dezember 2018, google-übersetzt in reddit-Forum

„‚Pano‘ deckt auf: Sexueller Missbrauch bei den Zeugen Jehovas“ – Artikel in „Grenzecho“ vom 28. März 2019

„Jehovas Zeugen sind ein Paradies für Kinderschänder“ – Pano-Reportage vom 27. März 2019 – deutsche Übersetzung 
Link zur Seite mit weiteren Beiträgen in Flämisch

Vier weitere Artikel im Rahmen der Pano-Berichterstattung über Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas in Belgien vom 27. und 28. März 2019 in deutscher Übersetzung.

Durchsuchung des Zweigbüros in Kraainem, Online-Artikel in l’avenir.net vom 30. April 2019 in deutscher Übersetzung.

Deutschland

Zeuge Null – Missbraucht von den Anhängern Jehovas
Sexueller Missbrauch, das ist auch in der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas ein Thema. Einer Gemeinschaft, in der alle Lebensbereiche religiösen Regeln unterliegen. Einer Gemeinschaft, deren Anhänger unter sich bleiben. Rebecca Reinhard über den aktuellen Umgang der Zeugen Jehovas mit Missbrauchsvorwürfen aus ihren Reihen.
(Bayern 2, 08.01.2021)

Dortmund – Im Missbrauchsprozess (2019) gegen ein 27- Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas hat das Dortmunder Landgericht vier Jahre und zehn Monate Haft verhängt.

Reutlingen – Das Landgericht Tübingen (2019) hat einen 35-jährigen Zeugen Jehovas zu über drei Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte zwei 14-jährige Mädchen mehrfach im Schlaf sexuell missbraucht. (swr.de, 09.08.2019)
Als Folge seiner Taten, wurde der 35-Jährige vom Ältestenrat der Zeugen Jehovas ausgeschlossen – anscheinend ohne dass der genaue Grund erwähnt wurde. „Die anderen Zeugen Jehovas wussten, dass irgendwas vorgefallen war, aber nicht was“ (swp.de, 07.08.2019)

Rottweil – Staatsanwaltschaft ermittelt (2010) gegen einen knapp über 60-jährigen Mann wegen Missbrauchs von zwei Mädchen, derzeit 18 und 16 Jahre alt.

Hanna Busch berichtet, dass sie zum ersten Mal von ihrem Schwager mit 6 Jahren missbraucht wurde und später mit 16 Jahren von ihrem anderen Schwager. Sie schildert, wie mit Missbrauch bei Jehovas Zeugen umgegangen wurde.

Greifswald – 2005 hat ein Zeuge Jehovas einen Jungen mehrfach sexuell missbraucht. Seine Gemeinde soll von den Taten gewusst haben, schwieg aber jahrelang. Der 53-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Esslingen – Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen Angeklagten Nachstellung, sexuellen Missbrauch, Nötigung und Körperverletzung vor. Er soll eine 15-Jährige derart massiv bedrängt, bedroht und verfolgt haben, dass diese zweimal versucht habe, sich umzubringen.

Mit 11 Jahren bekam ich Wind davon, was mit zwei meiner Freundinnen innerhalb der Gemeinde geschah. Der nette Onkel, Bruder W., hatte sich an gleich mehreren Mädchen unserer Gemeinde vergangen. Und auf einmal dämmerte mir das, was mein Vater mit mir tat ,wenn ich ihn jeden Abend ins elterliche Bett begleiten sollte. Es war keineswegs normal. Es war unangenehm. Meine großen Schwester hatte zum damaligen Zeitpunkt längst das Elternhaus, ja, sogar die Stadt verlassen. Sie fragte mich, ob Papa mich komisch berühren würde. Jahre später erzählte sie mir, was auch sie durchmachen musste. (Müttermagazin, 12.05.2020)

Elvira Stagge (35) wird schon mit 13 Jahren von ihrem Vater, einem überzeugten ZJ, missbraucht. Nachdem sie mit 33 endlich den Mut gefunden hat, die Aufseher zu informieren, wir jedoch nichts weiter unternommen, außer, dass sie am Ende selbst geächtet wird, auch von ihrer Familie.

Großbritannien

Vertuschung in Großbritannien – Opfer packen über Missbrauch bei Zeugen Jehovas aus
Missbrauchsopfer wenden sich mit Berichten über sexuelle Gewalt bei den Zeugen Jehovas in Großbritannien an die Öffentlichkeit. Doch die Ältesten der Religionsgemeinschaft machen eine Aufarbeitung unmöglich. Denn die Übergriffe werden laut den Betroffenen systematisch vertuscht.
ntv, 04.09.2021

Zeugen Jehovas weigerte sich, der Polizei zu helfen, nachdem ein pädophiler Ältester ihnen gegenüber seine Taten gestanden hatte. 
(Birmingham Mail, 12.04.2020, deutsche Übersetzung)

Mindestens 20 ehemaligen Zeugen Jehovas im Vereinigten Königreich verklagen die Organisation wegen historisch bedeutsamen sexuellen Missbrauchs
(BBC, 04.02.2020, deutsche Übersetzung)

Britische Parlamentarier verlangen Maßnahmen gegenüber den Zeugen Jehovas angesichts der mehr als 100 Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs
(Guardian 26 Mar 2018)

Die unabhängige Untersuchung von sexuellem Kindesmissbrauch (Independent Investigation into Child Sexual Abuse – IICSA) des Vereinigten Königreichs wird ihre Untersuchungen auf eine Reihe religiöser Organisationen ausweiten, darunter auch auf die Zeugen Jehovas. Auch die Charity Commission führt auch eine Untersuchung zu Fragen des Kinderschutzes in der Watch Tower Bible and Tract Society of Britain, der Hauptzentrale der Zeugen Jehovas in Großbritannien durch.
(Patheos 04.05.2019) 

Angie Rodgers, die als Mädchen von ihrem Vater missbraucht wurde, bat die Zeugen Jehovas um Hilfe – daraufhin verging sich auch der Leiter der Gemeinde an ihr.
(Mirror UK 06.05.2017)

Italien

Nach einem Zeitungsartikel im Mai 2016 mit dem Fall eines ehemaligen Zeugen Jehovas, der von seiner dramatischen Flucht aus einem Alptraum erzählt hatte, meldeten sich Betroffene von Kindesmissbrauch aus ganz Italien. Aus Angst, Scham und unter dem Druck der Ältesten hatten sie nie den Mut eine Anzeige zu machen.


Niederlande

Nachdem in den Niederlanden die Betroffenen-Organisation Reclaimed Voices im Jahr 2018 276 Berichte über sexuelle Gewalt gegen Kinder innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas gesammelt hatte, wurde die niederländische Regierung aktiv. Sie forderte die Gemeinschaft auf, eine eigene unabhängige Untersuchung einzuleiten, was die Organisation verweigerte. Infolgedessen beauftragte die niederländische Regierung die Universität Utrecht, Vorfälle von sexuellem Kindesmissbrauch sowie den Umgang der Organisation damit zu untersuchen. Mindestens 751 Rückmeldungen wurden von der Universität Utrecht untersucht. Die Zeugen Jehovas versuchten ohne Erfolg, den Bericht zur Untersuchung im Januar 2020 gerichtlich zu verhindern. Er stellt der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ein schlechtes Zeugnis im Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch aus. Im April 2021 wurde bekannt, dass die Organisation der Zeugen Jehovas versuchte, an die Gesprächsprotokolle der von Missbrauch Betroffenen, die gegenüber der Universität Utrecht Auskunft gegeben hatten, heranzukommen.

Niederlande – Jehovas Zeugen verweigern Zusammenarbeit mit Behörden bei Kindesmissbrauch und schützen Täter vor Strafverfolgung

Kindesmissbrauch in den 6 Uhr Nachrichten – Polizei und Vertreter der Justiz durchsuchten das Zweigbüro, zwei Königreichssäle und vier Wohnungen der Zeugen Jehovas in den Niederlanden

Es werden derzeit 9 Fällen von Missbrauch untersucht, in den Zeugen Jehovas oder ex-Zeugen Jehovas verwickelt sind. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem die Justiz zu einem vergleichbaren Vorgehen in einer religiösen Gemeinde oder Kirche gezwungen war. Der Niederländische Justizminister unterstützt das Vorgehen ausdrücklich

… und wie reagieren Jehovas Zeugen? Wie immer mit den gleichen leeren Worthülsen

Bericht zum Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen im Auftrag der Niederländischen Regierung

Gericht urteilt gegen Recht auf Geheimhaltung


Schweiz

Sexueller Missbrauch bei den Zeugen Jehovas – Schrecklicher Verdacht
Ausführlich Abhandlung mit einem erschreckenden Fallbeispiel und Expertenmeinungen
Beobachter vom 14.11.2019

Zeugen Jehovas empfehlen Kindern züchtige Kleider, damit sie nicht missbraucht werden.
Watson 05.07.2017

Missbrauchswelle bei den Zeugen Jehovas Basel: Wachtturmverteiler gar nicht wachsam
barfi.ch 17. Juni 2017

Missbrauch an Minderjährigen von Zeugen Jehovas aus dem Tessin vertuscht?
Deutsche Übersetzung eines Artikels zu Kindesmissbrauch in der italienischsprachigen Schweiz
tio/20minuti vom 21. Januar 2019

Anna Gunkel, Fachberaterin für Psycho-Traumatologie sagt: «Praktisch jede meiner Patientinnen, die bei den Zeugen Jehovas aufwuchs, wurde missbraucht». 
Deshalb wurde sie von den Zeugen Jehovas verklagt, aber die Zeugen Jehovas blitzten ab, weil der Staatsanwalt das Verfahren einstellte.
Watson 23.04.2015


Weitere Berichte zu Kindesmissbrauch aus außer-europäischen Ländern

Australien

Jehovas Zeugen beteiligen sich nicht am Entschädigungsfond für Kindesmissbrauchsopfer

10.09.2021 – Jehovas Zeugen weigerten sich dem australischen Entschädigungsfond (National Redress Scheme) anzuschließen und wurden dafür öffentlich gerügt. Erst nach der Androhung von finanziellen Strafzahlungen haben sie nachgegeben.
Mehr Informationen

Quelle: CNN
Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen in Australien – CNN präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung durch die Royal Commission
– Über 1000 Zeugen Jehovas wurden als Täter identifiziert;
– kein einiger Fall wurde den Behörden angezeigt
– Täter und Opfer wurden in einem Ältestenkomitee gegenübergestellt und mussten die Vorwürfe diskutieren
– nur wenn der Täter gestand oder es einen zweiten Zeugen gab, wurde dem Opfer geglaubt
– die Opfer durften mit niemandem darüber sprechen; es wurde kein angemessene Unterstützung angeboten; Opfer wollten Suizid begehen
– Opfer wurden von Ältesten zurückgehalten die Taten zur Anzeige zu bringen, da sie damit „den Namen Jehovas in den Schutz ziehen würden
– den Opfern wird keine finanzielle Entschädigung oder psychologische Hilfe angeboten

Sydney – Zeugen Jehovas haben Vertuschung von Missbrauch und die systematische Vernichtung von Dokumenten eingeräumt. Seit 1950 seien den Zeugen Jehovas 1006 Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Alle diese Fälle seien intern behandelt worden, statt sie bei der Polizei anzuzeigen, so Max Horley. (Berliner Morgenpost, 28.07.2015)

Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse

Hier geht es zum offiziellen Bericht der Royal Commission Australia:
REPORT OF CASE STUDY NO. 29 – The response of the Jehovah’s Witnesses and Watchtower Bible and Tract Society of Australia Ltd to allegations of child sexual abuse
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte der Untersuchung im Artikel
Sexueller Missbrauch an Kindern in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas“ (Spiess, 2017)

Neuseeland

In dem Video kommen mehrere betroffene Frauen zu Wort, die als Kind missbraucht wurden. Sie schildern, wie es in ihrem Fall zu den Verbrechen kam und wie Jehovas Zeugen als Institution – vertreten durch die Ältesten – versagt haben.
In fast allen Fällen mussten die Kinder vor den Ältesten und dem Täter die sexuellen Handlungen beschreiben und es wurde auch geprüft, ob es ihnen „Spaß gemacht“ habe. Stritt der Täter den Missbrauch ab, wurde nichts weiter unternommen. Gab der Täter den Missbrauch zu, wurde er zwar vielleicht ausgeschlossen, aber nach einiger Zeit wieder aufgenommen.
In keinem der Fälle wurde die Polizei eingeschaltet und die Versammlung, in der der Täter lebte, informiert, so dass Eltern gewarnt waren.
Das Zweigbüro der Zeugen Jehovas weißt jede Verantwortung zurück und tut so, als ob sie damit nichts zu tun hätten, obwohl bei ALLEN Missbrauchsmeldung die Rechtsabteilung informiert werden musste.

Kanada

Quebec: Sammelklage über 150.000 $ moralischen Schadenersatz und 100.000 $ Strafschadenersatz für jedes betroffene Mitglied.

Sammelklage in Kanada gegen Jehovas Zeugen wegen Kindesmissbrauch vom obersten Gericht in Quebec zugelassen

Anklage gegen einen Ex-Zeugen Jehovas aus Quebec wegen Kindesmissbrauch

Paraguay

Asunción: Ein Ältester von den Zeugen Jehovas erhielt eine Strafanzeige wegen sexuellem Missbrauch. Er übt seine Funktion jedoch angeblich weiter aus, wenn auch in einer anderen Gemeinde.

USA

Barbara Anderson -eine ehemalige Mitarbeiterin in der Hauptzentrale in USA – hat Klage bei der Generalstaatsanwaltschaft von Pennsylvanien eingereicht. Die Organisation der Jehovas Zeugen hätte es versäumt, 775 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch zur Anzeige zu bringen, die sich von 1997 bis 2001 ereignet hätten.

Bericht des Fernsehsenders Kanal 8 WGAL vom 11. Juli 2018, deutsch Untertitelt von Bruderinfo-aktuell.

Ein Gericht in Montana, USA, verurteilte die Zeugen Jehovas zu einer Busse von 35 Millionen Dollar. Sie hätten schwere Straftaten – sexueller Missbrauch von Kindern – verheimlicht und vertuscht.
Artikel bei Watson vom 28. September 2018

„Ältester“ der Zeugen Jehovas in vier Fällen wegen strafbarer sexueller Handlungen an Minderjährigen verhaftet – Strafprozess angesetzt
Artikel von Mark O’Donnell von jwsurvey.org vom 31. Mai 2019 – übersetzt von JZ Help e.V.

Neues Gesetz für Opfer von Kindesmissbrauch in New York gibt Betroffenen Möglichkeit, auch bei verjährten Delikten Klage einzureichen
Artikel vom 9. August 2019 bei www.silive.com – deutsche Übersetzung

Ehemalige Zeugen Jehovas berichten von jahrelangem sexuellem Missbrauch – ein richtungsweisender Fall
Artikel vom 12. August 2019 in der New York Post – deutsche Übersetzung