
1. Wie bist du zu den Zeugen Jehovas gekommen?
Ich bin in die Gemeinschaft hineingeboren. Die Familie meines Vaters gehört seit drei Generationen dazu, die Familie meiner Mutter größtenteils nicht.
2. Wie hast du dein Leben, deinen Alltag in dieser Religionsgemeinschaft erlebt? Womit hattest du am meisten zu kämpfen?
Lange Zeit fühlte es sich richtig für mich an. Ich dachte dass ist das beste Leben. Mit der Zeit hatte ich jedoch das Gefühl nicht dazuzugehören und versuchte den Erwartungen zu entsprechen. Ich ging sehr viel in den Predigtdienst nur um gesehen zu werden. Dabei verlor ich mich selbst.
3. Wie kam es, dass du nun kein Mitglied der Zeugen Jehovas mehr bist? Gab es einen ausschlaggebendes Ereignis?
Ich lernte meinen heutigen Partner kennen, der kein Zeuge ist. Das ist ja schon ein absolutes No-Go. Gleichzeitig begann ich die Organisation und die Lehren der Zeugen Jehovas kritisch zu hinterfragen. Das führte schließlich zu meiner Entscheidung die Gemeinschaft zu verlassen.
4. Wie stark warst du im Glauben und in der Gemeinschaft verankert? Wann und warum hast du begonnen zu zweifeln und deinen Glauben in Frage zu stellen?
Ich war regelmäßig im Predigtdienst, beteiligte mich viel in den Zusammenkünften. Ich wollte eine gute Zeugin sein. Mit der Zeit erschienen mir einige Lehren, wie die der 144.000 oder Prophezeiungen nicht mehr nachvollziehbar wodurch meine Zweifel wuchsen. Da war ich 18 Jahre alt.
5. Bist du von Ächtung betroffen?
a) Wenn ja, in welchem Ausmaß?
Ja, ich werde von meiner Familie und vielen früheren Freunden gemieden, weil sie noch Zeugen Jehovas sind. Das belastet mich sehr, besonders von meiner Familie, da ich kein Teil davon mehr sein darf. Viele wichtige Schritte in meinem Leben, wie zum Beispiel das Bestehen meiner Ausbildung, feierte ich alleine mit meinen Freund.
b) Warum ächten dich diese Personen/Zeugen Jehovas?
Ich denke, dass das Ächten von der Organisation vorgegeben wird. Ich finde es problematisch, dass der freie Wille betont wird, Menschen aber geächtet werden, sobald sich die Organisation verlassen.
6. Wie geht es dir heute? Mit welchen Auswirkungen hast du noch zu kämpfen?
Heute geht es mir deutlich besser. Ich lebe mit meinem Freund zusammen und habe mir ein neues Leben aufgebaut. Am meisten belastet mich, dass ich meine Familie vermisse und sie sich wegen der Religion von mir abgewandt hat.
7. Welches Fazit ziehst du aus deiner Vergangenheit?
Der Austritt war für mich die richtige Entscheidung. Heute kann ich mein Leben selbst bestimmen, eigene Entscheidungen treffen und frei sein, ohne Angst vor Verurteilung zu haben.
8. Welchen Rat möchtest du Interessierten der Glaubensgemeinschaft
Hab keine Angst Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen. Jeder sollte sich die Zeit nehmen, sich selbst eine eigene Meinung zu bilden.
