Wachtturm-Opfer-Gedenktag 2026

Stimmen außerhalb des Wachtturms: Nachfahren verfolgter Bibelforscher berichten

Neuer Beitrag vom 10.08.2026
Ein Mahnmal – verschiedene Perspektiven zur Verfolgung der Bibelforscher im Nationalsozialismus

Neuer Beitrag vom 02.08.2026
„Das Unrecht an meinem Großvater war stets eingebettet in den Kampf zwischen Gut und Böse“ – Nachfahren verfolgter Bibelforscher berichten

Neuer Beitrag vom 30.07.2026
„Ich hatte damit zu leben, ein Angezählter zu sein“ – Nachfahren verfolgter Bibelforscher berichten


26.07.2026

Viele Nachkommen der verfolgten Bibelforscher haben nichts mit der Wachtturm-Organisation zu tun. Dennoch reklamieren die Zeugen Jehovas das Gedenken der Verfolgten für sich. Bei JZ Help kommen Nachfahren der Verfolgten zu Wort, die keine Zeugen Jehovas (mehr) sind. Auftakt dafür ist der Wachtturm-Opfer-Gedenktag, der jährlich am 26. Juli begangen wird und anlässlich dessen der Opfer der Wachtturm-Organisation gedacht wird.

Die Verfolgung der Bibelforscher im Nationalsozialismus hat Familien traumatisiert und über Generationen geprägt. Viele dieser Nachkommen gehören heute nicht (mehr) zur Wachtturm-Organisation, eine Nachfolgeorganisation der Bibelforscher. Das hat damit zu tun, dass nur rund ein Drittel der Kinder von Zeugen Jehovas den Glauben der Eltern übernimmt. Es ist aber auch eine Folge davon, dass sich die Organisation selbst nach dem zweiten Weltkrieg stark verändert hat.

Viele Nachkommen außerhalb der Wachtturm-Organisation

So verließen manche die Zeugen Jehovas in der (späten) Nachkriegszeit, als die Wachtturm-Organisation immer rigider wurde mit dem Bluttransfusionsverbot, der Ächtung von Ausgeschlossenen oder der Ablehnung höherer Bildung. Andere gingen nach 1975, weil der vorausgesagte Weltuntergang nicht eingetroffen war, oder nach 1981, als die Ächtung auch auf Menschen ausgeweitet wurde, welche die Organisation freiwillig verließen. Verschiedene Ehemalige berichten, dass die Mai-Ausgabe 1994 des Erwachet! den Ausschlag für ihren Ausstieg gab: Auf dem Cover prangen die Gesichter von 23 Kindern und Jugendlichen, die infolge des „Blutverbots“ verstorben seien – die Organisation verherrlichte Kinder-Märtyrer.

Zeugen Jehovas - Tode durch Blutverbot für Kinder
Todesopfer unter Kindern durch das Blutverbot –
Mai-Ausgabe 1994 der Zeitschrift Erwachet!

Wieder andere kehrten der Wachtturm-Organisation den Rücken, als nach der Jahrtausendwende immer deutlicher wurde, wie verbreitet sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist und wie systematisch die Organisation diese vertuscht hatte. Häufig verließen und verlassen Menschen die Zeugen Jehovas als junge Erwachsene, weil sie sich in jemand außerhalb des Glaubens verlieben oder es für ihre Lebensentwürfe keinen Platz in der engen Gemeinschaft gibt, s. dazu die Rubrik ÜberLebenswege.

Doppelte Traumatisierung durch Verfolgung und Ausschluss

Ob Nachkommen von Verfolgten die Wachtturm-Organisation verlassen haben oder nicht – die Verfolgung durch die Nazis hatte Auswirkungen auf Kinder und Kindeskinder. Sie ist Teil der Familiengeschichte und der persönlichen Geschichte aller Nachkommen. Für manche dieser Nachfahren kommt jedoch zum familiären Trauma der Verfolgung zusätzlich das Trauma des Ausschlusses hinzu. Dieses hat nicht nur den Verlust von Familie und Freunden und damit sozialer Zugehörigkeit zur Folge, sondern auch den Verlust von kultureller Zugehörigkeit und Kontinuität. Durch Ausschluss verliert eine Zeugin Jehovas die einzige soziale und kulturelle Teilhabe, die ihr erlaubt ist. Jede darüber hinausreichende, weiter gefasste gesellschaftliche Zugehörigkeit sollen Zeugen Jehovas strikt meiden, um kein „Teil der Welt“ zu sein: weder politisch, zivilgesellschaftlich noch beruflich.

Ausgeschlossene werden deshalb nicht nur von der eigenen Familie und Gemeinschaft, sondern auch von ihrer Herkunft abgeschnitten. Mit dem Ausschluss aus der Organisation werden sie aus dem kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft und ihrer eigenen Geschichte ausgestanzt. Umgekehrt gibt es auch in der Organisation für die „aus der Gemeinschaft Entfernten“ kein Erinnern, kein kollektives Trauern, es ist, als hätte es sie nie gegeben. Der Umgang mit diesen Verlusten ist eine private, individuelle Aufgabe einer und eines jeden Gläubigen. Die Zeugen Jehovas sind eine Gemeinschaft von Leerstellen, es ist als stünde links und rechts neben jedem Zeugen der Schattenriss eines Ausgeschlossenen.

Verfolgte Bibelforscher im Nationalsozialismus und ihre Repräsentation

Im Nationalsozialismus wurden 4200 Frauen und Männer der Bibelforscher in Konzentrationslagern inhaftiert, bis zu 1800 kamen ums Leben. In einer späten Würdigung dieser Opfer wurde im Juni 2026 ein Mahnmal eingeweiht. Die heutige Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland (RJZiD) erhebt den Anspruch, diese Opfer zu repräsentieren. Allerdings unterscheidet sie sich stark von den damaligen Bibelforschern. Viele der damals Verfolgten riskierten ihr Leben für die Werte unantastbarer Menschenrechte – wogegen Praktiken wie Überwachung, Denunziation, Ausschluss und Kontaktverbot deutlich machen, dass der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen das Konzept uneingeschränkter Menschenwürde fehlt. Dazu kommt, dass viele Nachfahren der Verfolgten nicht Teil der Wachtturm-Organisation sind.

Verfolgungsberichte aus der NS-Zeit als Blaupause für das Weltende

Wie das auch bei anderen sektenhaften und gewaltvollen Organisationen der Fall ist, ist die Wachtturm-Organisation nicht für die Menschen da, sondern umgekehrt. Dabei sind Menschen lediglich Figuren, ihr einziger Zweck ist ihr Einsatz im epischen Kampf zwischen Gut und Böse. So gibt es in der Wachtturm-Literatur zahllose Berichte zu verfolgten Bibelforschern während der Nazi-Diktatur, siehe zum Beispiel das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, Deutschland Teil 2. Kurz vor dem prognostizierten Weltende von 1975 wurden die Gräuel der Verfolgung etwa im Text „Vierkant“ im Detail dargestellt, während die Opfer als reale Menschen aus ihrer eigenen Geschichte gedrängt werden: Sie werden auf die Märtyrer-Rolle reduziert oder als Kollektiv der „standhaften Brüder“ behandelt, nicht einen Moment lang treten sie als Persönlichkeiten in den Blick. Es wird sogar moralisch bewertet, dass der hingerichtete August Dickmann zunächst eine Erklärung (zur Abkehr von seinem Glauben) unterschrieben hatte, die womöglich sein Leben gerettet hätte.

In vielen Berichten über die verfolgten Bibelforscher wird das NS-Regime als eine Art Vorschau auf das Ende der Welt interpretiert. Den Mitgliedern wird vermittelt, dass die Brutalität der Nationalsozialisten ein irdisches Abbild dessen war, was die gesamte Menschheit in der sogenannten „Großen Drangsal“, der Phase unmittelbar vor Armageddon, durch die Hand weltlicher Regierungen erwarten wird. Anstatt der Opfer zu gedenken und sie zu würdigen, anstatt die Wunden der Nachfahren heilen zu lassen, nutzt die Wachtturm-Organisation diese realen Traumata systematisch, um ein System der Angst, der totalen Loyalität und des Gehorsams aufrechtzuerhalten.

Gedenken als Anerkennung der Menschenrechte und der menschlichen Würde

Das historische Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus hat zum Ziel, an das begangene Unrecht zu erinnern, den Opfern ihre Würde zurückzugeben und durch die Lehren aus der Geschichte Menschenwürde und Demokratie in der Gegenwart zu sichern. Ein glaubwürdiges Gedenken soll den Opfern ihre Individualität, ihre Geschichte und ihre Namen zurückgeben. Dabei ist Gedenkarbeit untrennbar mit historischer Aufrichtigkeit und einer unvoreingenommenen Wahrheitsfindung verbunden. Gedenkarbeit soll auch alle Menschen einschließen, die von einem Unrecht betroffen waren, in diesem Falle alle Nachkommen der verfolgten Bibelforscher. Und immer erfordert ein glaubwürdiges Gedenken für die Opfer einer Diktatur die bedingungslose Anerkennung der Menschenrechte und der menschlichen Würde im Hier und Jetzt.

Heute beansprucht die Wachtturm-Organisation das Erinnern und das Gedenken an die verfolgten Bibelforscher im Nationalsozialismus. Eine Organisation also, welche die Grund- und Menschenrechte ihrer (ehemaligen) Mitglieder verletzt. Eine Organisation, die Kinder-Märtyrer verherrlicht und das Leid der verfolgten Bibelforscher seit Jahrzehnten propagandistisch ausschlachtet. Eine Organisation, die Hunderttausende aus ihrer Mitte und ihrer Erinnerung tilgt, sich ein Jahr nach prognostiziertem Weltende nicht mehr an die eigenen Untergangsprognosen erinnert und ihr eigenes Gedächtnis an Kindesmissbrauch in großem Stil löscht. Eine solche Organisation mit derart vielen Lücken in ihren Reihen und ihrer Erinnerung, hat keine Legitimation, an die verfolgten Bibelforscher zu erinnern oder ihre Nachkommen zu repräsentieren.

Bist du Nachkomme verfolgter Bibelforscher? Melde dich bei aktion(at)jz.help!

JZ Help sammelt Berichte von Nachkommen verfolgter Bibelforscher außerhalb der Wachtturm-Organisation. Wir möchten damit all jene Frauen und Männer, die unter der Nazidiktatur verfolgt wurden, als Menschen ehren und die Einzigartigkeit ihrer Geschichte würdigen. Gleichzeitig möchten wir den vielen Nachfahren außerhalb der Wachtturm-Organisation, die heute kaum gehört werden, eine Stimme geben. Bitte melde dich unter aktion(at)jz.help!


Ich hatte damit zu leben, ein Angezählter zu sein“Bericht von Vereinsmitglied A., Enkel verfolgter Bibelforscher


Übersicht Verfolgung der Bibelforscher im Nationalsozialismus

Kindheit bei den Zeugen Jehovas – Mirjam zu Gast bei Anna

Zu Gast bei Anna: Interview mit Mirjam von JZ Help vom 28. Juni 2026

In diesem packenden Gespräch über ihr Aufwachsen bei den Zeugen Jehovas streift Mirjam jedes der zentralen Konfliktthemen. Sie berichtet von einer durch Harmagedon-Ängste belasteten Kindheit (2:14), dem Vertuschen von psychischen Krankheiten (4:56) und der totalen Kontrolle der Organisation. Als ihre verbotene Liebe zu einem Nicht-Mitglied auffliegt (19:05), muss sie vor ein Rechtskomitee (32:49) und wird ausgeschlossen (41:12). Sie bemüht sich um Wiederaufnahme, in diesem Prozess erlebt sie die Gemeinschaft aber extrem lieblos und kalt (49:22). Sie zieht sich schrittweise zurück, womit der Kontakt zu den Eltern möglich bleibt. Schließlich steigt sie offiziell aus und wird ab da von den Eltern geächtet (1:10:11). Heute berät Mirjam beim Verein JZ Help Menschen, welche die Organisation verlassen wollen sowie Fachpersonen und engagiert sich in der Aufklärungsarbeit (1:16:21) .

Weitere Interviews von Mirjam in den Medien finden Sie hier.

Ich war ein Zeuge

Dokumentarfilm über ehemalige Zeugen Jehovas ist nominiert für die 59. Hofer Filmtage

Aktualisierung vom 22.10.2025: Trailer

„Ich war ein Zeuge“ wurde für die 59sten internationalen Hofer Filmtage nominiert. Die Deutschlandpremiere findet am 23. Oktober 2025 anlässlich der Hofer Filmtage statt, Mitglieder des Vereins JZ Help werden vor Ort sein.

Für ein Fotoprojekt trifft Andreas Reiner Menschen, welche die Zeugen Jehovas verlassen haben. Aussteiger:innen berichten in berührenden Interviews von einer Kindheit im engen Glaubenskorsett, von Formen psychischer und sexualisierter Gewalt sowie den oft traumatischen Erfahrungen durch Ausschluss und Ächtung.

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Dank sichtlichmensch und teamwerkdiefilmproduktion bekommt ein Thema, das Zehntausende Menschen in Deutschland betrifft, Aufmerksamkeit.

Mehr zum Film: www.ichwareinzeuge.de

Hier können Sie Tickets für die Premiere bestellen.

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Re: Inside Zeugen Jehovas

Arte-Doku vom 30. Januar 2025

Neben zwei Zeugen-Jehovas-Paaren kommen auch Ausgestiegene zu Wort. Zum Thema Ächtung äußert sich die junge Frau: „Weil das, was in der Bibel steht, Vorrang für uns hat. Und da ist ganz klar definiert: Wenn eine Person aus der Gemeinschaft entfernt werden muss, dass wir keinen Kontakt mehr mit ihr haben.“

Nürnberg – Standaktion von JZ Help vom Samstag 27. Juli zum Wachtturm-Opfer-Gedenktag 2024

Medienmitteilung vom 23. Juli 2024

Gegen Missachtung von Grund- und Menschenrechten bei den Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas missachten fundamentale Grund- und Menschenrechte, die Folgen sind für Betroffene verheerend. 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Zürich zeigt: Ehemalige Zeugen Jehovas erlebten in der Kindheit dreimal häufiger körperliche und sexuelle Gewalt als die Allgemeinbevölkerung und sechsmal häufiger emotionale Vernachlässigung bzw. emotionale Gewalt. Nach Verlassen der Gruppe sind 77 % der ehemaligen Zeugen Jehovas von verordnetem Kontaktabbruch betroffen. Jede dritte ausgestiegene Person hat nach Verlassen der Gruppe Suizidgedanken, 10 % der Ausgestiegenen unternehmen einen Suizidversuch. Ehemalige Zeugen Jehovas sind 40 % häufiger von chronischen Krankheiten und ein Drittel häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen. 

Der Opferhilfeverein JZ Help e.V. macht anlässlich des jährlich stattfindenden internationalen Wachtturm-Opfer-Gedenktags mit einer Standaktion am 27. Juli in Nürnberg auf die Missstände innerhalb der Zeugen Jehovas aufmerksam.

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Anwesende Vereinsmitglieder geben gerne gegenüber Medienschaffenden Auskunft.

Menschenrechtsverletzungen

Die Zeugen Jehovas missachten fundamentale Menschenrechte ihrer Mitglieder, diese Feststellung ist laut dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Hamburg zulässig (s. Kommentar des IFW zu Urteil). Das Bezirksgericht Zürich urteilte, dass Ächtung als verordnetes Mobbing bezeichnet werden kann, welches die persönliche Integrität sowie implizit die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Betroffenen verletze.
Norwegen entzog den Zeugen Jehovas die staatlichen Beiträge sowie die Registrierung als Religionsgemeinschaft, weil die Jehovas Zeugen das Recht ihrer Mitglieder auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Religionsfreiheit, sowie den Menschenrechtsschutz von Kindern nach der Konvention über die Rechte des Kindes verletzen. Die Verstöße werden offenbar vorsätzlich begangen, gemäß Behördenentscheid.

Verordneter Kontaktabbruch – Ächtung

Zu getauften Zeugen Jehovas, welche die Organisation verlassen, dürfen die Mitglieder keinen Kontakt mehr pflegen, sie müssen geächtet werden (siehe dieses Video). Dass auch Kinder von Ächtung betroffen sind, geht sowohl aus dem norwegischen als auch dem Zürcher Gerichtsurteil hervor. Betroffene in diesem Video berichten vom Kontaktabbruch als Minderjährige zu ihren Eltern.

Bluttransfusionsverbot

Ebenso wie beim Thema Ächtung haben die Gläubigen hier keine freie Wahl. Akzeptieren sie nämlich eine Bluttransfusion, gelten sie als „freiwillig“ ausgetreten und werden geächtet. Von den Eltern wird strikt gefordert, die eigenen Kinder vor einer „Bluttransfusion zu schützen“ – siehe auch diesen Betroffenenbericht.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder

Vorgaben der Wachturm-Organisation schützen die TäterInnen auf Kosten der Opfer und begünstigen eine Kultur der Gewalt – siehe dazu die Medienmitteilung von JZ Help e.V. vom 24. Juli 2023.
Die Untersuchung der Royal Commission, die 2015 Missbrauchsfälle bei Zeugen Jehovas in Australien untersuchte, ergab, dass zwischen 1950 und 2014 1006 Mitglieder der Zeugen Jehovas beschuldigt wurden, mutmaßlich 1800 Kinder sexuell missbraucht zu haben. Kein einziger der 1006 mutmaßlichen Täter wurde jedoch durch die Organisation angezeigt.
Die unabhängige deutsche Aufarbeitungskommission führt die Zeugen Jehovas als Schwerpunktthema und bittet Betroffene, sich zu melden.

Verängstigung von Kindern

Bereits früh sind Kinder durch die religiöse Praxis und dem Medienmaterial der Gruppierung mit Gewalt und verstörenden, nicht altersgerechten Inhalten konfrontiert – die Folgen reichen bis ins Erwachsenenalter, wie eine Betroffene hier berichtet.
Ein Video mit einer  Zusammenstellung von gewaltvollen Szenen aus den Wachtturm-Medien für Kinder ist so verstörend, dass es mit einem Warnhinweis versehen werden muss.
Ein schwedisches Gerichtsurteil stufte Material der Zeugen Jehovas, das bei Kongressen gezeigt wurde, als jugendgefährdend ein.
Auch freie Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder bzw. Jugendlichen ist nicht möglich, wie dieser Bericht zeigt.

Diskriminierung von Frauen

Frauen müssen sich hierarchisch unterordnen. Die leitenden Posten innerhalb der Gemeinschaft sind Männern vorbehalten.
Nach Auffassung des Landgerichts Hamburg darf „zulässig davon gesprochen werden, dass eine Frau im Umfeld der Organisation (der Klägerin) lediglich Zubehör (eines Mannes) ist.“ – siehe dazu diesen Kommentar.
Gewalt in der Ehe ist kein Scheidungsgrund – auch hier werden bei Verstoß Sanktionen verhängt, wie dieser Bericht und auch dieser hier zeigen.

Diskriminierung queerer Menschen

Gläubige sind nicht frei, ihre sexuelle Orientierung oder ihre geschlechtliche Identität zu leben. Für Betroffene hat das oft schwere Langzeitfolgen, wie aus dieser Reportage hervorgeht. Die eindeutige Homo- und Transphobie und Diskriminierung dieser Menschen, wird in dieser Materialsammlung von JZ Help e.V. deutlich.

Verbot politischer und gesellschaftlicher Teilhabe

Erfahrungsberichte zeigen im Gegensatz zu öffentlichen Aussagen der Zeugen Jehovas, dass die Teilnahme an politischen Wahlen sanktioniert wird. Auch anderes gesellschaftliches Engagement oder Aktivismus wird sanktioniert, wie dieser Bericht zeigt.

Internes “Rechtssystem” der Zeugen Jehovas

Zeugen Jehovas betreiben sogenannte Komitees (früher „Rechtskomitee“ genannt), eine Art Gerichtsverhandlung, wenn ein Mitglied gegen die Regeln verstößt. Dabei werden einzelne „sündige“ Mitglieder von 3 Ältesten (die Leiter oder „Hirten“ der Ortsversammlung) explizit zu ihrer Sünde befragt – auch zu sehr intimen Details.  Im Anschluss wird darüber entschieden, ob Sanktionen verhängt oder Betroffene aus der Gemeinschaft entfernt werden, wodurch eine enorme Drucksituation entsteht.

Der ehemalige Zeuge Jehovas und Autor Konja Simon Rohde beschreibt solch ein Komitee in diesem Video (ca. ab min 4:00) sehr genau. Viele Betroffene erleben dies als eine traumatische Erfahrung, wie im Schweizer Beobachter und auch hier nachzulesen ist.

Stigmatisierung höherer Bildung

Viele Ehemalige beklagen, dass sie keine höhere Bildung genießen durften (beispielsweise hier). Diese gilt für Zeugen Jehovas nämlich als unerwünscht. So haben Zeugen Jehovas im Vergleich mit anderen religiösen Gruppen in den USA laut Pew-Research ein besonders tiefes Bildungsniveau und EinkommenDaten aus der Schweiz (S. 64-68) weisen in die gleiche Richtung.

Unsere Forderungen an Gesellschaft und Staat

  • Sexuelle Gewalt gegen Kinder muss als Verbrechen anzeigepflichtig werden.
  • Kein Schweigerecht bei sexualisierter Gewalt in Religionsgemeinschaften.
  • Kinderrechte müssen ins Grundgesetz aufgenommen werden.
  • Der Staat ist für den Schutz von Kindern in sektenhaften/religiösen Gruppen verantwortlich.
  • Durchsetzung von Grund- und Menschenrechten auch in sektenhaften Gemeinschaften.
  • Regelmäßige Prüfung der Rechtstreue – bei Verstoß müsste der Status „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ entzogen werden.
  • Das Gesundheitssystem muss angepasst und Fachpersonen müssen geschult werden. Es braucht staatliche Aufklärung und Hilfsangebote.
  • Abschaffung von Art. 91 DSGVO – damit Religionsgemeinschaften unter staatliche Datenschutzbehörden unterstellt werden können.

Unsere Forderungen an die Zeugen Jehovas

  • Achtung von Grund- und Menschenrechten
  • Achtung der Religionsfreiheit
  • Abschaffung der Ächtung und anderen Formen der Nötigung
  • Aufhebung der Zwei-Zeugen-Regel
  • Verzicht auf ein eigenes Rechtssystem
  • Gleichberechtigung von Frauen und queeren Menschen
  • Sofortige Meldung an die Behörden bei Hinweis auf sexualisierte Gewalt
  • Aufarbeitung der Missstände und ein professionelles Konzept von Kinderschutz
  • Entschuldigung und angemessene Entschädigung bei den Opfern

JZ Help e.V.

JZ Help  ist ein Zusammenschluss von religiös und weltanschaulich unabhängigen Menschen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, über Menschenrechtsverstöße bei den Zeugen Jehovas aufzuklären und bieten eine Anlaufstelle für Betroffene und Fachpersonen im deutschen Sprachraum.

Wachtturm-Opfer-Gedenktag

Der internationale Wachtturm-Opfer-Gedenktag wurde von Aktivistinnen und Aktivisten im Jahr 2014 ins Leben gerufen. An diesem Tag bzw. in der Woche rund um den 26. Juli wird weltweit durch verschiedene Aktionen an die Opfer der Wachtturm-Organisation erinnert.

Aktivisten und Aktivistinnen wählten dieses Datum, um einmal im Jahr den Ausgestiegenen eine Stimme zu geben und all jener zu gedenken, deren Leben durch ihre Vergangenheit als Zeugen Jehovas beeinträchtigt ist.

Der Gedenkanlass ist auch allen Menschen außerhalb und innerhalb der Wachtturm-Organisation gewidmet, die infolge des geforderten Kontaktverbots und der Ächtung ihre nächsten und liebsten Menschen verloren haben. Besonders soll auch all jener Menschen gedacht werden, die wegen der religiösen Doktrin starben: Weil sie so verzweifelt waren, dass sie sich das Leben nahmen oder wegen des sogenannten Blutverbots.

Berichte Betroffener finden Sie hier: Aktion Überlebenswege.

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Zeugen Jehovas verlieren gegen den Staat Norwegen

Grund: „Schwerwiegende Verstöße gegen die Rechte und Freiheiten anderer“!

Die Ächtungspraxis beinhalte "schwerwiegende Verstöße gegen die Rechte und Freiheiten anderer"!
Norwegen
Aktualisierung vom 07.05.2025

Das Berufungsgericht Borgarting hob am 14. März 2025 die Entscheidung des Bezirksgerichts Oslo auf, Jehovas Zeugen in Norwegen die rechtliche Registrierung abzuerkennen und sprach Jehovas Zeugen als Entschädigung für entstandene Prozesskosten 8 500 000 Kronen (rund 750 000 Euro) zu.

Der Staat legt daraufhin Berufung vor dem Obersten Gerichtshof ein. Das Ministerium für Kinder und Familienangelegenheiten ist der Ansicht, dass dies eine Prüfung durch den Obersten Gerichtshof verdient, sagt Staatsanwältin Liv Inger Gjone Gabrielsen, die den Fall für den Staat leitet, in einer Pressemitteilung.
tv2 24.04.2025Nettavisen Nyheter 24.04.2025

Hier geht es zur Übersicht des Verfahrens.

Originalartikel auf der Plattform VG vom 04.03.2024

-> hier
Übersetzt von JZ Help e.V.

Die Zeugen Jehovas werden ihre staatliche Unterstützung nicht zurückerhalten. Die Entscheidungen, der Religionsgemeinschaft die Unterstützung zu verweigern, wurden für gültig erklärt, und der Staat wurde in einem kürzlich ergangenen Urteil des Osloer Bezirksgerichts freigesprochen.

Dem Urteil zufolge beinhaltet die Ausgrenzungspraxis der Zeugen Jehovas „schwerwiegende Verstöße gegen die Rechte und Freiheiten anderer“, schreibt die Zeitung Dagen am Montagnachmittag.

Der Fall wurde im Januar vor dem Bezirksgericht Oslo verhandelt, und das Gericht hat nun zugunsten des Staates entschieden. Die Zeugen Jehovas werden außerdem zur Zahlung von Gerichtskosten in Höhe von knapp über 1,1 Millionen NOK verurteilt.

Die Zeugen Jehovas reichten Klage gegen den norwegischen Staat ein, nachdem ihnen das Recht auf staatliche Subventionen und die Registrierung als Religionsgemeinschaft entzogen worden war, schreibt Vårt Land.

Letztes Jahr wurde bekannt gegeben, dass die Religionsgemeinschaft sowohl die staatlichen Subventionen für 2021 als auch ihre Registrierung als Religionsgemeinschaft verlieren würde. Die Zeugen Jehovas sind mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und haben eine Klage gegen den Staat eingereicht.

Die Entscheidung wurde auch für die Ablehnung der staatlichen Beihilfen in den Jahren 2022 und 2023 aufrechterhalten.

Die Forderung nach einer Nachzahlung der Gesamtsubvention in Höhe von 35 Mio. NOK [3.053.642,91 Euro – Stand 4. Mürz 2024 – Anm. JZ Help e.V.] wurde ebenfalls vom Gericht abgelehnt.

Der Grund für den Widerruf der staatlichen Subvention ist, dass das Ministerium für Kinder und Familien und der staatliche Verwalter der Ansicht sind, dass die Ausschlusspraxis der Zeugen Jehovas eine negative soziale Kontrolle beinhaltet und einen freien Austritt aus der Religionsgemeinschaft verhindert.

„Durch die Richtlinien und die Praxis des Ausschlusses fördern die Zeugen Jehovas Mitglieder, die ausgeschlossen werden oder sich zurückziehen, so dass sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einer sozialen Isolation von den übrigen Mitgliedern der Religionsgemeinschaft ausgesetzt sind“, schließt Richter Ole Kristen Øverberg.


Mehr demnächst!