Zeugen Jehovas klagen gegen Vereinsmitglieder von JZ Help

Aktualisierung vom 01.06.2023
Das LG Hamburg wies die Klage der Jehovas Zeugen KdöR mit Urteil vom 28.04.2023 ab. Jehovas Zeugen legten am 30.05.2023 dagegen Berufung ein.


Jehovas Zeugen KdöR klagen gegen Vereinsmitglieder von JZ Help e.V. vor dem Landgericht Hamburg wegen der Inhalte des Berichts der Aufarbeitungskommission vom 4.12.2020 zum Werkstattgespräch und zu angeblichen Äußerungen dieser Vereinsmitglieder in Verbindung mit Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas.

Angeblich hätte sich das Religionsrechts 2019 geändert und Feststellungen im Bericht seien unwahr und deshalb zu unterlassen. Die Beklagten verweisen darauf, dass alle Feststellungen des Berichts im Kontext des behandelten Zeitraums wahr seien und es aufgrund der nicht erfolgten Aufarbeitung bei den Zeugen Jehovas keinen Nachweis gibt, dass sich die gelebte Praxis geändert hätte. Im Verfahren verweigern die Zeugen Jehovas bisher konkrete Angaben zu Anzahl von Fällen von Kindesmissbrauch in den letzten Jahrzehnten, zu ausgeschlossenen Kindesmissbrauchs-Tätern und erfolgten Anzeigen an die Behörden. Andererseits behaupten sie, dass reuelose Täter ausgeschlossen, Anzeigen an die Behörden erfolgt seien und Kinder nachhaltig vor Pädophilen in den eigenen Reihen geschützt würden.

Aktueller Stand und Historie

Jehovas Zeugen KdöR legen am 30.05.2023 Berufung gegen das Urteil beim Oberlandesgericht Hamburg ein.

Urteil vom 28.04.2023

Die Klage der Jehovas Zeugen KdöR wird abgewiesen. Die Kosten sind von der Klägerin zu tragen. Die Begründung deckt sich im Wesentlichen mit dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung.

Ergebnis der mündlichen Verhandlung vom 27.01.2023

Da die beanstandeten Äußerungen einem Bericht der Aufarbeitungskommission entnommen sind, sind die vorgelegten Beweise in den Ausführungen der Klägerin (Jehovas Zeugen KdöR) nicht ausreichend. Die Klägerin bekommt 2 Monate Frist, um die fehlenden Beweise nachzureichen. Dazu müsste sie allerdings ein Auskunftsersuchen an die Aufarbeitungskommission stellen, was sich aufgrund der vereinbarten Vertraulichkeit schwierig gestalten dürfte.

Verhandlung verschoben seitens Beklagtem – neu festgesetzt für den 27.01.2023

Verhandlung verschoben seitens Klägerin – neu festgesetzt für den 21.10.2022

Verhandlung verschoben seitens des Gerichts – neu festgesetzt für den 30.09.2022

Verhandlung festgesetzt für den 06.05.2022

Klage von Jehovas Zeugen KdöR eingereicht beim Landgericht Hamburg am 16.11.2021


Hier finden Sie weitergehende Informationen zu Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen und rechtlichen Verfahren vor Behörden und der Justiz.

weiterlesen

Geheime Datenbank zu Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas

Jehovah’s Witness organisation has secret database of child sex abuse claims against members

UK, The Telegraph, By Investigations team, 30 Juni 2022, deutsche Übersetzung JZ Help e.V.

Die Organisation der Zeugen Jehovas hat eine geheime Datenbank mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Mitglieder

Die religiöse Organisation hat in ihrem Hauptquartier Einzelheiten zu den Missbrauchsvorwürfen der letzten 25 Jahre gespeichert

Lacie Jones, pictured as a child, whose stepfather, a senior Jehovah’s Witness, was recently jailed for abusing her when she was younger
Lacie Jones, abgebildet als Kind, deren Stiefvater, ein hochrangiger Zeuge Jehovas, kürzlich ins Gefängnis kam, weil er sie missbraucht hatte, als sie jünger war

Die Organisation der Zeugen Jehovas hat eine geheime Datenbank mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen ihre Mitglieder angelegt, wie der Telegraph enthüllt.

Die religiöse Gemeinschaft, die in Großbritannien mehr als 140.000 Mitglieder hat, hat in ihrem Hauptquartier, das unter den Anhängern als Bethel oder „Zweig“ bekannt ist, Einzelheiten zu den Missbrauchsvorwürfen der letzten 25 Jahre zusammengetragen.

Aus Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, geht hervor, dass leitende Beamte – so genannte Älteste – in den späten 1990er Jahren aufgefordert wurden, Einzelheiten zu Kindesmissbrauchsvorwürfen zu protokollieren und sie an die Zentrale weiterzuleiten, die sich heute in Chelmsford befindet.

Die Anweisung, Einzelheiten über Missbrauchsfälle zu erfassen und aufzubewahren, wurde seither mehrfach wiederholt.  

Die Existenz einer Datenbank für Missbrauchsvorwürfe wurde bereits in den Vereinigten Staaten und Australien festgestellt, aber dies ist das erste Mal, dass sie in Großbritannien nachgewiesen wurde.

In einer Erklärung erklärte die Christliche Versammlung der Zeugen Jehovas, dass die derzeitigen Richtlinien zum Schutz von Kindern die Leiter anweisen, „der Polizei einen Bericht zu erstatten, wenn ein Kind von Missbrauch bedroht zu sein scheint“. Sie antworteten jedoch nicht auf die Frage, ob die historische Datenbank der Anschuldigungen an die Behörden weitergeleitet worden sei.

Datenbank muss jetzt an die Polizei gehen

Missbrauchsopfer innerhalb der religiösen Gruppe haben nun gefordert, dass jede Sammlung von Anschuldigungen an die Polizei weitergegeben werden muss.

Lacie Jones, deren Stiefvater eine leitende Position bei den Zeugen Jehovas innehatte und kürzlich ins Gefängnis kam, weil er sie als Kind missbraucht hatte, sagte: „Sie müssen die Datenbank sofort an die Polizei weitergeben, um sicherzustellen, dass nicht noch mehr Kinder in Gefahr sind“.

Lacie Jones urged the group to hand the database to the police
Lacie Jones forderte die Gruppe auf, die Datenbank an die Polizei zu übergeben CREDIT: CLARE HEWITT

Die Enthüllung über die Aufbewahrung von Unterlagen wird Fragen darüber aufwerfen, wie die Organisation auf Anschuldigungen von Kindesmissbrauch unter ihren Mitgliedern reagiert.

Bislang stand vor allem die katholische Kirche wegen ihres Umgangs mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs in der Kritik, da sie es versäumt hat, ausreichende Maßnahmen zu ergreifen.   

Der Telegraph begann nach einem Hinweis im vergangenen Jahr mit der Untersuchung von Vorwürfen, dass die Zeugen Jehovas eine geheime Datenbank von Missbrauchstätern unterhalten.

Das Untersuchungsteam hat einen Podcast mit dem Titel „Call Bethel“ aufgenommen, um herauszufinden, ob die Datenbank existiert.      

Im Jahr 2014 leitete die Wohltätigkeitskommission eine Untersuchung gegen die Zeugen Jehovas ein, da sie Bedenken hinsichtlich des Schutzes hatte.

Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, aber aus Gerichtsdokumenten geht hervor, dass die Aufsichtsbehörde versucht hat, Richtlinien über sexuellen Kindesmissbrauch und gespeicherte Daten zu erhalten – was nach Ansicht vieler ein Versuch war, die Datenbank zu erwerben, falls sie existiert.

Älteste sollten angeben, ob der Missbrauch „einmalig oder regelmäßig“ war

Reporter haben Unterlagen erhalten, aus denen hervorgeht, dass 1997 die Ältesten in Großbritannien und Irland aufgefordert wurden, einen „Bericht“ zu erstellen, in dem unter anderem das Alter des Opfers und die Frage, ob es sich um ein „einmaliges Vorkommnis oder eine Praxis“ handelte, vermerkt wurden.

In dem Brief hieß es, dass die leitenden Mitglieder „auf die Aktivitäten von Personen achten sollten, von denen bekannt ist, dass sie in der Vergangenheit Kinder belästigt haben“, warnte das dreiseitige Dokument.

„Es ist möglich, dass einige, die sich des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben, als Älteste, Dienstamtgehilfen oder reguläre Sonderpioniere dienten oder jetzt dienen.“

Louise Palmer said in 2017 that she had been told not to report being raped by her brother, who was also a Jehovah’s Witness
Louise Palmer sagte 2017, dass ihr gesagt wurde, sie solle die Vergewaltigung durch ihren Bruder, der ebenfalls ein Zeuge Jehovas war, nicht melden. CREDIT: BBC

Ab 1991 wurden die Ältesten angewiesen, Informationen über „Kinderschänder“ aufzuzeichnen, um zu verhindern, dass sie die Gemeinde verlassen, ohne dass eine Warnung ausgesprochen wird, und sie hatten Schritte unternommen, um die Mitglieder über das Thema aufzuklären.

The Telegraph liegen mehrere Dokumente vor, in denen Gemeindeleiter aufgefordert werden, Missbrauchsvorwürfe aufzuzeichnen und sicher zu archivieren.  Die Unterlagen oder die Informationen werden dann oft an die Zentrale weitergeleitet.

The Telegraph hat ein „Kinderschutz“-Dokument gesehen, in dem Informationen über die Opfer, den Missbraucher und die ergriffenen Maßnahmen verlangt werden. Das Dokument, das den Reportern vorliegt, stammt aus einer britischen Gemeinde.

Die Versammlungen bewahren auch Dokumente auf, in denen festgehalten wird, warum eine Person „ausgeschlossen“ wurde, ein Begriff, der verwendet wird, wenn jemand die religiöse Organisation verlassen muss, nachdem er des Fehlverhaltens beschuldigt wurde, wozu auch der Vorwurf des Kindesmissbrauchs gehören kann.

Frau Jones erhielt die Unterlagen ihrer früheren Gemeinde, nachdem sie sich bei der Polizei über ihren Stiefvater beschwert hatte, aber es ist unklar, ob diese Informationen auch an die Zentrale der religiösen Gruppe weitergeleitet wurden.

Älteste sollten Missbrauch in fünfseitigem Fragebogen detailliert beschreiben

Der Telegraph hat auch einen fünfseitigen Fragebogen gesehen, der Ältesten ausgehändigt wurde, die über Missbrauch in ihrer Gemeinde berichtet haben.  

Der Fragebogen enthält oben eine Londoner Telefonnummer und weist die Ältesten an, Einzelheiten über den Missbrauch anzugeben, einschließlich der „Gesamtzahl der mutmaßlichen Opfer“.

Es ist unklar, was mit dem Dokument geschieht, nachdem es zurückgeschickt wurde, aber die aufgeworfenen Fragen geben einen weiteren Einblick in die Art der zentral gesammelten Informationen.

Die Christliche Versammlung der Zeugen Jehovas erklärte, dass ihr „Zweigbüro einen kurzen Vermerk über ein Gemeindemitglied führt, von dem bekannt ist, dass es sexuellen Kindesmissbrauch begangen hat“, und dass diese Informationen „überprüft“ werden, wenn sie eine Beförderung einer Person in ihren Reihen in Erwägung ziehen.

„Dadurch wird sichergestellt, dass eine Person, die Kindesmissbrauch begangen hat, nicht zu einem Ältesten oder einem Ministerialbeamten ernannt wird“, hieß es.

Sie betonen, dass ihre Beibehaltungspolitik in einer kürzlich durchgeführten Untersuchung nicht kritisiert wurde, in der untersucht wurde, wie religiöse Organisationen auf Anschuldigungen von Kindesmissbrauch reagiert und wie sie Maßnahmen zur Aufklärung und zum Schutz von Gemeindemitgliedern ergriffen haben.

In der Erklärung heißt es, dass die Organisation „anerkennt, dass sie gegen das Übel des sexuellen Kindesmissbrauchs nicht immun ist“ und dass sie „bestrebt ist, dieses verderbliche Übel an der Wurzel zu bekämpfen“, indem sie ihren Mitgliedern Anleitung und Aufklärung zu diesem Thema bietet.


Weitere Informationen zu Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas

weiterlesen

Zeugen Jehovas wird in Norwegen Registrierung als Religionsgemeinschaft entzogen

Aktualisierung vom 27.04.2023:
Das Bezirksgericht Oslo hebt die zwischenzeitliche, von Jehovas Zeugen erwirkte, einstweilige Verfügung vom 30.12.2022 auf.
Hier geht es zur aktuellen Übersicht.

Am 22. Dezember veröffentlichte die Staatsverwalterin die Mitteilung auf der Website. Im Folgenden die Übersetzung durch JZ Help.

Jehovas Zeugen verlieren die Registrierung als Religionsgemeinschaft.

Die Staatsverwalterin von Oslo und Viken hat beschlossen, Jehovas Zeugen die Registrierung als Religionsgemeinschaft nach dem Religionsgemeinschaftsgesetz zu entziehen.

Veröffentlicht am 22.12.2022

Wir haben Jehovas Zeugen am 25. Oktober dieses Jahres eine Mitteilung über den möglichen Verlust der Registrierung geschickt. In der Mitteilung baten wir um Rückmeldung, ob sie die Bedingungen, die zur Ablehnung staatlicher Subventionen führten, korrigieren wollten. Die Gemeinschaft wollte die Bedingungen, die zur Verweigerung staatlicher Zuschüsse im Jahr 2021 geführt haben, nicht korrigieren und bringt zum Ausdruck, dass sie mit der Entscheidung zur Verweigerung von Zuschüssen immer noch nicht einverstanden ist.

Anfang dieses Jahres wurde Jehovas Zeugen wegen des Verstoßes gegen das Religionsgemeinschaftsgesetz die staatliche Förderung für 2021 verweigert. Die Religionsgemeinschaft verletzt unseres Erachtens das Recht der Mitglieder auf freie Meinungsäußerung. Wir glauben, dass dies das Recht der Mitglieder auf Religionsfreiheit verletzt. Wir glauben auch, dass sie die Rechte von Kindern verletzen, indem sie den Ausschluss getaufter Minderjähriger zulassen und Mitglieder dazu ermutigen, Kinder, die sich nicht an die Regeln der Religionsgemeinschaft halten, sozial zu isolieren.

Nach dem Religionsgemeinschaftsgesetz kann einer Gemeinschaft die Registrierung entzogen werden, wenn sie gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Jehovas Zeugen das Recht der Mitglieder auf freie Meinungsäußerung von Religionsgemeinschaften und Kinderrechte verletzen. Vor diesem Hintergrund sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Verein nicht nach dem Religionsgemeinschaftsgesetz registriert werden kann. Dies entspricht unseres Erachtens den Bestimmungen des KKG.

Der Wegfall der Registrierung bedeutet, dass die Gemeinschaft keinen Anspruch mehr auf staatliche Förderungen geltend machen kann. Es bedeutet auch, dass die Gemeinschaft die Autorität verliert, Ehen zu schließen. Dennoch kann sie ihre Religion und ihre Tätigkeit ungeachtet einer öffentlichen Registrierung frei ausüben, da es sich bei dem Religionsgemeinschaftsgesetz im Wesentlichen um ein Subventionsgesetz handelt.

Die Entscheidung finden Sie am rechten Rand dieser Seite.

Die ausführliche Entscheidung liegt in deutscher Übersetzung vor.

Die Zeugen Jehovas haben laut der Zeitung Aftenposten vom 22. Dezember 2022 angekündigt, gegen die staatliche Entscheidung zu klagen. Sie sagen, dass sich Norwegen mit der Rücknahme der Registrierung vom Völkerrecht wegbewege und dies ein Warnsignal sei für Religionsfreiheit und Menschenrechte.  Die Zeugen Jehovas seien seit 130 Jahren Teil der norwegischen Gesellschaft und hätten seit mehr als 30 Jahren Anspruch auf staatliche Unterstützung


Hier geht es zur aktuellen Übersicht.

Gericht urteilt gegen Jehovas Zeugen KdöR im Markenrechtsstreit mit JZ Help

Aktualisierung vom 24.02.2024
Details zum gesamten Prozessverlauf mit wichtigen Schlussfolgerungen zu den Hintergründen finden Sie im Video:

Die Zeugen Jehovas (RZiD) legten am 19.02.2024 Zulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein.

Aktualisierung vom 26.01.2024
Das Oberlandesgericht Frankfurt hat heute die Berufung der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland (RJZiD) abgelehnt. Damit hat der Verein den Markenrechtsstreit auf ganzer Linie gewonnen.
Weitere Details folgen in kürze.

Aktualisierung vom 23.11.2023
In der heutigen Berufungsverhandlung beim Oberlandesgericht Frankfurt unterbreitete das Gericht den folgenden Vergleichsvorschlag: Der Verein JZ Help e.V. läßt die Marke „JZ“ im Markenregister streichen und kann im Gegenzug den Vereinsnamen und die Internet-Domain jz.help weiter verwenden. Der Verein hat bisher allerdings nie „JZ“ in der Alleinstellung verwendet, so dass sich daraus keine Veränderung ergeben würde.

Der Vorstandsvorsitzende von JZ Help e.V. Udo Obermayer stimmte dem Vorschlag des Gerichts zu. Die Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland (RJZiD), u.a. vertreten durch RA Pikl, lehnte ab, was auch nicht verwunderlich ist, da RJZiD damit ihr eigentliches Prozessziel, die Benennung ihrer menschenrechtsverletzenden Organisation im Vereinsname und der Internet-Domain, verfehlt hätte. Das Gericht vertagte daraufhin seine endgültige Entscheidung.

Aktualisierung vom 28.09.2022:
Jehovas Zeugen in Deutschland K.d.ö.R. legen Berufung gegen das Urteil des LG Frankfurt vom 17.08.2022 ein.

17.08.2022
Das Landgericht Frankfurt urteilte am 17.08.2022 gegen Jehovas Zeugen KdöR im Markenrechtsstreit mit JZ Help. Die Klage von Jehovas Zeugen KdöR wurde abgewiesen. Jehovas Zeugen KdöR haben die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Wir danken allen, die uns durch ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden unterstützt haben, damit wir diesen Rechtsstreit erfolgreich führen konnten.

Entscheidungsgründe des Gerichts

Die Klägerin (Jehovas Zeugen KdöR) kann sich auf keine Marke nach § 4 MarkenG berufen. Die Klägerin ist nicht Inhaberin einer eingetragenen Marke. Auch ist sie nicht Inhaberin einer Benutzungsmarke nach § 4 Nr. 2 MarkenG, da Veraussetzung hierfür wäre, dass sie das Zeichen „JZ“ im geschäftlichen Verkehr genutzt hat und das Zeichen innerhalb beteiligter Verkehrskreise als Marke Verkehrsgeltung erworben hat.

[…] Ein Zeichen wird im geschäftlichen Verkehr benutzt, wenn die Benutzung im Zusammenhang mit einer auf einen wirtschaftlichen Vorteil gerichteten kommerziellen Tätigkeit […] dient […] Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Religionsgemeinschaft keine kommerzielle Tätigkeit ausführt […] Die Klägerin hat nicht vorgetragen mit dem Kongress Einnahmen generiert zu haben […]

Darüber hinaus liegt auch keine Verwechslungsgefahr oder Irreführung vor, denn der Verkehr wird nicht davon ausgehen, die von dem Beklagten (JZ Help) angebotenen Dienstleistungen würden von der Klägerin stammen.

[…] Mangels wirtschaftlicher Tätigkeit kommt es auf die Bekanntheit oder Verkehrsgeltung des Zeichens „JZ“ nicht an.

Zum Urteil des LG Frankfurt geht es hier.

Siehe auch Namensänderung in JZ Help,
Denn sie wissen, was sie tun – Wachtturmgesellschaft gegen „JZ.help“ (Richard Dawkins Foundation 15.12.2020) und Watchtower Society attackiert unseren Verein

weiterlesen

ifw: Zeugen Jehovas machten falsche Angaben im Anerkennungsverfahren zur KdöR

Das ifw – Institut für Weltanschauungsrecht stellt in einem Kommentar fest, dass die Zeugen Jehovas im Anerkennungsverfahren zum Körperschaftsstatus (KdöR) falsche oder beschönigende Angaben gemacht haben. Die Verleihung des Körperschaftsstatus an die Zeugen Jehovas in den deutschen Bundesländern muss folglich rückgängig gemacht werden.

Die Giordano Bruno Stiftung hat den Kommentar des ifw in einer Meldung zum Thema «Aggressive Entfremdung von Gesellschaft und Staat» aufgegriffen und weist dort auch auf die Entwicklungen im europäischen Ausland hin.

In seinem Urteil vom 27.11.2020 stellte das Landgericht Hamburg fest, dass innerhalb der deutschen Zeugen Jehovas unstreitig „Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern einschließlich Verwandten vermieden werden soll.“ Für das Landgericht stellen die Praxis des Gemeinschaftsentzugs zusammen mit den weiteren „zahlreichen für die Mitglieder vorgegebenen Verhaltensweisen“, insbesondere der Ablehnung von Bluttransfusionen, die „notwendigen Anknüpfungstatsachen“ für die Einschätzung dar, dass die „aggressive Entfremdung von der Gesellschaft und dem Staat“ charakteristische Merkmale der Zeugen Jehovas seien.

So ist es nach Auffassung des Landgerichts „unstreitig, dass die Klägerin in ihren Schriften äußert, dass eine Frau keine Macht über ihren Körper habe, was gerade auch sexuelle Handlungen ohne bzw. gegen den Willen der Frau zuließe.“ Angesichts der strikten Ablehnung von Bluttransfusionen, Homo- und Transsexualität sowie der Lehren, dass Nicht-Zeugen „das Werk Satans und dem Untergang geweiht seien“ und somit „als grundsätzlich ‚böse‘ klassifiziert und herabgewertet“ werden, und „dass Frauen sich […] ihren Ehemännern unterordnen müssen und innerhalb der Versammlung bestimmte Positionen, wie z.B. die eines Ältesten, nicht bekleiden dürfen“, würden die notwendigen Anknüpfungstatsachen dafür vorliegen, die deutschen Zeugen Jehovas zulässigerweise als eine Bewegung zu bezeichnen, „welche die fundamentalen Menschenrechte missachtet“.

Im Zusammenhang mit den Zeugen Jehovas sind dieses Jahr bereits verschiedene Staaten aktiv geworden. So planen bzw. prüfen SchwedenNorwegen und Island die Streichung staatlicher Beiträge, weil die Religionsgemeinschaft gegen grundlegende Rechte ihrer Mitglieder verstoße. Lettland überprüft, ob die Zeugen Jehovas verfassungskonform sind. In den Niederlanden soll eine Untersuchung zum Thema Ächtung eingeleitet werden. 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen wird untersucht

Pressemitteilung der Aufarbeitungskommission

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ruft Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf, von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu berichten.

Berlin, 19.05.2022 Weltweit sind Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas bekannt geworden. Der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurden ebenfalls Fälle aus der Vergangenheit gemeldet. Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hat bislang keine unabhängige Aufarbeitung gestartet. Darum muss davon ausgegangen werden, dass diese Berichte heute immer noch relevant sind. Die Schilderungen von ehemaligen Mitgliedern lassen zudem darauf schließen, dass es bei den Zeugen Jehovas spezifische Bedingungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen gibt, welche die Aufklärung und auch die Aufarbeitung erschweren. Bisher fehlen Kenntnisse über das Ausmaß sexuellen Kindesmissbrauchs in der Gemeinschaft in Deutschland.

Prof. Dr. Heiner Keupp, Mitglied der Kommission:

„Um mehr Wissen über sexuellen Kindesmissbrauch in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu erhalten, sind die persönlichen Erfahrungen von Betroffenen, aber auch von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen enorm wichtig. Darum möchten wir sie ermutigen, sich bei der Kommission zu melden und sich ihr anzuvertrauen.“

Wie können Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten?

Die Kommission bietet die Möglichkeit, in einer vertraulichen Anhörung in geschützter Atmosphäre über die Erfahrungen zu sprechen oder einen schriftlichen Bericht zu verfassen und ihr zu schicken. Alternativ zur vertraulichen Anhörung vor Ort kann das Gespräch online per Video durchgeführt werden.

Die Kommission geht mit allen Geschichten vertraulich um. Sie werden in pseudonymisierter Form von der Kommission ausgewertet und fließen in ihre Berichte ein.

PRESSEKONTAKT

Kirsti Kriegel Pressesprecherin

Postanschrift:
Glinkastraße 24, 10117 Berlin Dienstsitz:
Kapelle-Ufer 2, 10117 Berlin

T +49 (0)3018 555 – 1571
F +49 (0)3018 555 – 41571 
kirsti.kriegel@ubskm.bund.de

www.aufarbeitungskommission.de
www.geschichten-die-zählen.de 
Twitter: @Aufarbeitung #GeschichtenDieZählen

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kern ihrer Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen und schriftliche Berichte von heute erwachsenen Betroffenen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt in Institutionen, im familiären und sozialen Bereich sowie organisierten Strukturen ausgesetzt waren.

Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die der Kommission über sexuellen Kindesmissbrauch berichten möchten, können sich telefonisch (0800 4030040 – anonym und kostenfrei), per E-Mail oder Brief an die Kommission wenden. Weitere Informationen zur vertraulichen Anhörung – auch online per Video – und zum schriftlichen Bericht sowie alle Kontaktdaten finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas finden Sie hier.

weiterlesen

Pressestimmen

Zeugen Jehovas – „Von Männern dominiertes, nahezu totalitäres System“
Nicht wählen, keine Bluttransfusion, gesonderte Rechtsprechung. Die Zeugen Jehovas leben abgeschottet nach eigenen Regeln. Deswegen kann sexuelle und andere Gewalt gegen Minderjährige in der Gemeinschaft nur schwer aufgedeckt werden. Betroffene berichten aus einer Parallelwelt.
Welt, 24.06.2022

Vorwurf: Sexuelle Ausbeutung Zeugen Jehovas unter Missbrauchs-Verdacht
Schweigen, um die Sekte zu schützen. Eigene Gesetze machten es Opfern von Kindesmissbrauch in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas offenbar unmöglich, Gerechtigkeit zu erfahren. Pädophilen ebneten sie den Boden für Straftaten.
BZ Die Stimme Berlins, 27.05.2022

Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas: Kommission ruft zur Aufklärung auf
Interview mit Prof. Dr. Heiner Keupp (78), Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Frankfurter Rundschau, 21.05.2022

Aufarbeitungskommission untersucht sexuellen Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ruft Betroffene sowie Zeitzeugen auf, von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu berichten.
Magdeburger News, 20.05.2022

Missbrauch bei den Zeugen Jehovas: Kommission mit Aufruf an Betroffene
Opfer würden oft ausgegrenzt und als Lügner beschimpft
katholische.de, 20.05.2022

Deutschland – Missbrauch bei Zeugen Jehovas soll aufgearbeitet werden
Die deutsche Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will Missbrauch bei den Zeugen Jehovas aufarbeiten. Bisher gebe es keine unabhängige Aufarbeitung in der Glaubensgemeinschaft.
religion@orf.at, 19.05.2022

Missbrauch bei Zeugen Jehovas: Kommission will Fälle aufarbeiten
In Deutschland ruft nun die von der Bundesregierung eingerichtete Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs Betroffene auf, sich zu melden.
BR24, 19.05.2022

Missbrauchskommission nimmt Zeugen Jehovas in den Fokus
Merkur, 19.05.2022

„Sie haben mich für ihre Religion verkauft“ – Missbrauchsopfer bei Zeugen Jehovas beklagen fehlende Hilfe
Missbrauchs-Kommission bittet Opfer den Zeugen Jehovas, sich zu melden. Experten untersuchen, ob Strukturen der abgeschotteten Gemeinschaft Taten fördern.
Tagesspiegel, 19.05.2022

Sexualisierte Gewalt bei den Zeugen Jehovas: Kein Schutz für die Opfer
Missbrauch bei den Zeugen Jehovas hat eine riesige Dimension. Aus der abgeschlossenen Welt der Gläubigen dringt nur wenig nach draußen.
taz, 12.05.2022

Aussteiger der Zeugen Jehovas in Kriegszeiten

Kommentar von Esther Gebhard

Sich von einer Endzeitsekte, religiösen Randgruppierung oder religiösen Sondergemeinschaft zu lösen scheint – von außen betrachtet – befreiend zu wirken. Ein Mitglied kehrt der Gruppierung den Rücken und damit scheint alles wieder im Lot. Wunderbar!
Doch weit gefehlt! 

Sich von einer Glaubensgemeinschaft oder einem Kult zu lösen, bedeutet nicht automatisch frei zu sein. Frei von den Lehren und Prophezeiungen, den Ängsten und der Panik. Viele Menschen die aussteigen stecken weiterhin wegen der über viele Jahre erfolgten Indoktrination im alten Glauben fest und sind weiter im Glaubenskonstrukt der entsprechenden Gemeinschaft gefangen. 
So, wie das bei vielen ehemaligen Mitgliedern der Zeugen Jehovas der Fall ist. 


Darüber hinaus sehen sich diese mit den realen Konsequenzen ihres Ausstieges konfrontiert, wie z.B. dem Kontaktentzug zu allen Mitgliedern der Gemeinschaft, auch den eigenen Eltern, Geschwistern, Verwandten. Nicht zuletzt bleibt die irreale Angst vor der Endzeit und vor der Strafe Gottes, der man ja nur als Mitglied der ZJ entkommen könnte.
Von Ehemaligen, denen bei aktuellen Weltkrisen der kalte Angstschweiß ausbricht, weil diese als Vorboten der Endzeit gedeutet werden, hören wir oft.
Wir vom Verein vermuten eine hohe Dunkelziffer an Betroffenen.

Wie kommt das?

Sekten oder auch religiöse Randgruppierungen wie die Zeugen Jehovas arbeiten mit Techniken, die der amerikanische Kultspezialist Steven Hassan in seinem BITE-Modell zusammenfasst. 
Anhand manipulativer Techniken wird eine Sektenpersönlichkeit gezüchtet und das wahre, echte Ich beiseitegedrängt. Glaubenssätze, Programmierungen und Indoktrination sitzen dadurch tief verwurzelt und lassen sich nicht ohne weiteres ablegen. Man spricht auch vom Mindcontrol, der Bewusstseinskontrolle. Ein Mechanismus, der tiefer in die Persönlichkeit, in das Denken, Handeln und letztendlich auch Leben eines Mitgliedes eingreift, als es eine Gehirnwäsche vermag. 

In diesen Tagen des Krieges in der Ukraine denken wir ganz besonders an die schutzlosen Kinder in diesen Gemeinschaften, aber eben auch an jene Menschen, die zwar den Zeugen Jehovas den Rücken gekehrt haben oder ausgeschlossen wurden, aber noch immer gefangen sind in deren Glaubenskonstrukt. Wir denken an die Menschen, die nun in der Krise des Krieges und zeitgleich zu einer herrschenden Pandemie die Erfüllung einer Prophezeiung zu sehen glauben. Die Prophezeiung, nach der wir nun unsere letzten Tage erleben. Laut deren Interpretation der Bibel wird es Zeichen geben, die auf den kurz bevorstehenden Krieg Gottes hinweisen. Naturkatastrophen, Seuchen (Pandemie), Kriege. Jehova Gott wird mit seiner blutigen und grausamen Schlacht „Harmagedon“ dem jetzigen System ein Ende machen. Dieses Szenario versetzt viele ehemalige Mitglieder in Angst und Schrecken, den eigenen grausamen Tod vor Augen. Eine allzu reale Angst in einem unrealen Weltbild.

Warum kehren Ehemalige zu den Zeugen Jehovas zurück?

Überleben und auf Erden in paradiesischen Zuständen leben dürfen nur jene, die „Seiner“ einzig wahren Religion und Organisation auf Erden treu waren. Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas sind überzeugt davon, diese Auserwählten zu sein. Wer sich von ihnen abwendet, wird von der Gemeinschaft als „Ungeziefer“ tituliert und ist dem Tode geweiht. 
Noch immer im fest indoktrinierten Glauben daran, dass diese Lehren der Wahrheit entsprechen, empfinden Ausgestiegene oft Todesangst. Fest überzeugt davon, jeden Moment von Gott bestraft und getötet zu werden, zu verbrennen, erschlagen oder in einer Erdspalte verschlungen zu werden.
Es sei denn, man kehrt noch rechtzeitig um. Das durch die Organisation aufgebaute Angstszenario ist grausam und wirkt. Leider! 
Verstärkt durch Rückholversuche der in der Glaubensgemeinschaft verbliebenen Angehörigen, durch Statusbildchen in den sozialen Medien und Messengerdiensten:
Komm zurück zu Jehova!
Es wird jeden Moment so weit sein!
Manch ehemaliges Mitglied setzt nun alles daran, auf den letzten Meter in die vermeintlich rettende Organisation zurückzukehren, um das nackte Leben zu retten. 
Einen weiteren Vorteil hätte die Rückkehr zu Jehova: Die bis dahin ächtenden Angehörigen in der Gemeinschaft wenden sich dem Zurückkehrenden mit offenen Armen zu und dürfen nach der Wiederaufnahme des Sünders wieder Kontakt zu ihm pflegen.
Es ist ein perfides System, Anhängerschaften durch Angst abhängig zu machen, allein zum Nutzen einer Organisation, in der Regel zum Nutzen einzelner Führer der Sekten. Ein gemeines Vorgehen, das für so manchen psychischen „Schaden“ bei den involvierten Menschen verantwortlich ist.

Was hilft Betroffenen?

Betroffenen bleibt die schwierige Aufgabe, sich kritisch mit der Religion und seinem bisherigen Glauben auseinanderzusetzen.
Im besten Fall um feststellen zu dürfen, dass das Gelernte nicht der so hoch gepriesenen Wahrheit entspricht, sondern dass man manipuliert wurde. Für die egoistischen Zwecke einer selbsternannten göttlichen Organisation. Eine sicherlich schmerzhafte, aber auf Dauer heilsame Erkenntnis. Hilfen zu dieser Erkenntnis können wissenschaftliche Abhandlungen oder Berichte von Ausgestiegenen sein, die sich bereits seit Jahren kritisch und sachlich mit der Thematik befassen. 
Von der Organisation werden die Autoren „Küchenhelfer Satans“ genannt.

Fühlst du dich angesprochen? 
Empfindest du Furcht aufgrund der aktuellen Weltlage? 
Todesangst und Panik?

Damit bist du nicht alleine!

Wir arbeiten eng mit Betroffenen zusammen und hören tagtäglich von ihrer Not. 
Wenn du Hilfe brauchst, dann wende dich gerne an unseren Verein. Wir unterstützen durch Beratung und vermitteln Kontakte zu anderen Betroffenen, die sich in Gruppen stützen und füreinander da sind. Das Angebot ersetzt keine Therapie, ist aber ein erstes Auffangnetz.
Wir stellen fest, dass sich in diesen Aussteigergruppen mehr und mehr Zeugen Jehovas einreihen, die das Konstrukt hinter ihrer Religion durchblickt haben und Gleichgesinnte suchen. Dabei allerdings, um den Schein für den Moment noch zu wahren, in der Glaubensgemeinschaft bleiben.
Auch, um nicht ihre Familien durch die Ächtungspraxis zu verlieren, Eltern, Großeltern, Kinder, Geschwister und Freunde.
Wer weiss? Vielleicht ist einer der Glaubensbrüder und -schwestern aus deinem Königreichssaal bereits einer von ihnen? 

weiterlesen

Aufarbeitungskommission – Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas

Aufarbeitungskommission veröffentlich Überblick zu den Zeugen Jehovas

Weltweit sind in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas Fälle von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen bekannt geworden. Die staatlichen Kommissionen einiger Länder wie Australien und England/Wales haben bereits Aufarbeitungsprojekte durchgeführt. In Ländern wie etwa den Niederlanden wurden wissenschaftliche Untersuchungen begonnen. Betroffene, die Mitglieder der Zeugen Jehovas waren, haben sich auch an die deutsche Kommission gewandt und von sexuellem Kindesmissbrauch innerhalb der Gemeinschaft und deren Umgang mit Betroffenen berichtet.
Den Überblick der Kommission finden Sie hier.

Weitere Infos zu diesem Themenschwerpunkt sind hier zu finden.

Niederlande und Island gehen gegen Jehovas Zeugen vor

Niederländische Abgeordnete wollen gegen Ächtung bei den Zeugen Jehovas vorgehen

Bericht in der NL-Times vom 18. März 2022

Der Sitz des Vorsitzenden in der Tweede Kamer – Credit: photo: JanKranendonk / DepositPhotos

Niederländische Abgeordnete wollen verhindern, dass Zeugen Jehovas Abtrünnige ächten

Eine Parlamentsmehrheit will eine Untersuchung darüber einleiten, wie die Zeugen Jehovas mit Menschen umgehen, die den Glauben verlassen wollen. Sie befürchten, dass die Religionsgemeinschaft mit emotionaler Erpressung versucht, Menschen bei sich zu halten, berichtet Pointer nach einem Gespräch mit den Abgeordneten.

Wenn jemand die Zeugen Jehovas verlässt, fordert die Gemeinschaft alle Mitglieder auf, diese Person zu „meiden“ – sie dürfen nie wieder Kontakt zu ihr haben.

Nach Ansicht von VVD, D66, SP und PvdA kann dies bei den Betroffenen zu ernsthaften psychischen Beschwerden führen. Es könne auch als Drohung eingesetzt werden, um Menschen davon zu überzeugen, die Gemeinschaft nicht zu verlassen. „Das ist eine Form der Nötigung. Es scheint in gewisser Weise auch eine Drohung zu sein“, sagte die VVD-Abgeordnete Ylysse Ellian in der Sendung.

Die Parlamentarier fordern die Regierung auf, diese Praxis zu untersuchen und zu prüfen, ob dieses Druckmittel verboten werden kann. 

Auch Island erwägt die Streichung von staatlichen Geldern an die Zeugen Jehovas

Bericht in der Zeitung The Reykjavík Grapevine vom 16. März 2022, Text von Andie Sophia Fontaine

Island streicht den Zeugen Jehovas möglicherweise die Zuschüsse für religiöse Organisationen 

Photo von Silje Bergum Kinsten/norden.org

Die Nachrichtensendung Kompás zeigte ehemalige Mitglieder der Zeugen Jehovas in Island, die über psychischen Missbrauch und die Ausgrenzung durch ihre Familien berichteten, nachdem sie aus dem Glauben ausgetreten waren. Nun berichtet Vísir, dass die Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten und Bildung darüber nachdenkt, ob die Religionsgemeinschaft von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossen werden soll oder nicht.

Zwar gibt es in Island eine Nationalkirche, doch hat nach isländischem Recht jede rechtmäßig eingetragene religiöse Organisation im Land Anspruch auf eine gewisse staatliche Finanzierung. International wurde über weit verbreitete Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas berichtet, wobei psychologischer und sexueller Missbrauch sowie die Praxis, Mitglieder, die sich nicht an die kirchlichen Gebote halten, zu meiden und sie oft von ihren Familien zu trennen, im Detail beschrieben wurden.

Vor diesem Hintergrund beschloss Norwegen, das ein ähnliches nationales Religionssystem wie Island hat, Anfang dieses Jahres, die Zeugen Jehovas von der staatlichen Finanzierung auszuschließen. Infolge der Kompás-Berichterstattung glaubt Bryndís Haraldsdóttir, die Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Religionsfinanzierung, dass es an der Zeit sein könnte, den Status der Religionsgemeinschaft in Island zu überdenken.

„Das gibt uns sicherlich zu denken, und man kann sich durchaus fragen, ob es Anlass zu einer Reaktion im rechtlichen Sinne gibt“, sagte sie gegenüber der Presse. „Ich finde, dass in den Berichten [der Frauen in der Kompás-Episode] mehr oder weniger detailliert von Gewalt die Rede ist, die gesetzlich verboten ist, und niemand sollte damit durchkommen, dass er die Menschenrechte verletzt oder anderen Gewalt zufügt, selbst wenn dies aus religiösen Gründen geschieht. Das ist einfach gegen isländisches Recht.“

Bryndís räumt zwar ein, dass die Abschaffung der staatlichen Finanzierung ein erheblicher Eingriff wäre, nennt aber Norwegen als Beispiel für Länder, die diesen Weg gehen. In der Zwischenzeit ermutigt sie die Öffentlichkeit, das Jugendamt zu alarmieren, wenn sie den Verdacht haben, dass ein Kind Missbrauch erlebt, insbesondere wenn es den Zeugen Jehovas angehört.

Siehe auch:

Keine staatlichen Zuschüsse mehr für Zeugen Jehovas – Schweden ändert Rechtsgrundlage

Norwegen – verlieren Jehovas Zeugen den Status als Religionsgemeinschaft?

weiterlesen

Keine Angst vor der Angst:

Über einen hilfreichen Umgang mit überwältigenden Gefühlen

Der Ukraine-Krieg triggert wie zuvor schon die Corona-Krise bei vielen ehemaligen Zeugen Jehovas Ängste. Schon kleine Kinder werden bei den Zeugen Jehovas mit verstörenden Bildern und Erzählungen vor der großen Endschlacht Gottes in Harmagedon verängstigt. Besonders in Krisenzeiten kommen bei manchen ehemaligen Zeugen Jehovas diese Angst wieder hoch – zusätzlich zu der Angst, die sie mit vielen Menschen angesichts des Krieges teilen. In dieser Handreichung gibt Birgit Kluge (Heilpraktikerin für Psychotherapie und Beraterin bei JZ Help) Hilfestellungen für einen hilfreichen Umgang mit überwältigenden Gefühlen.

Alle Gefühle sind sinnvoll – auch Angst. Ohne Angst würde ich wahrscheinlich die roten Beeren der Eibe essen, weil sie so lecker aussehen. Oder schnurstracks über die 4-spurige Straße laufen, wenn ich meine Freundin auf der anderen Seite sehe. Oder mein großes Messer einfach irgendwie aus der Schublade fischen – ganz gleich, ob ich nun die Klinge oder den Griff erwische. 

Angst wird aktiviert von tief liegenden Gehirnstrukturen (u. a. von der Amygdala), die unser Überleben sichern wollen. Unsere Amygdala prüft ständig, ob irgendwo eine Gefahr ist. Wenn sie den kleinsten Hinweis auf eine Gefahr erkennt, dann startet sie ein Überlebensprogramm. Das Motto ist ab jetzt: Überleben ist wichtiger als Wohlbefinden. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Das Gehirn fokussiert jetzt ausschließlich auf die Bedrohung.
  • Es blendet alle anderen Wahrnehmungen aus (z. B. Freude, Schönes oder Genuss)
  • Es aktiviert den ganzen Körper für einen möglichen Kampf oder eine Flucht. Muskeln werden angespannt.  Wir empfinden Angst und Stress.
  • Wenn das nichts hilft, ist die letzte Lösung Kollaps oder Erstarrung: Wir schaffen gar nichts mehr, fühlen uns allein, depressiv, hoffnungslos.
  • Dieses Überlebensprogramm stammt aus einer Zeit, als Gefahren akut und direkt unser Leben bedrohten (wilde Tiere, feindliche Überfälle oder Naturkatastrophen). So etwas passiert heute selten. 

Medien und destruktive Gruppen, die den Weltuntergang vorhersagen, nutzen diesen Automatismus unseres Gehirns aber zu ihrem Vorteil aus: Sie wissen, dass unser Gehirn ängstigenden Nachrichten größte Aufmerksamkeit schenken muss. Daher produzieren sie möglichst viel davon, weil es ihnen nutzt (Medien machen damit Geld, destruktive Gruppen bekommen Anhänger). Je mehr solcher Katastrophen-Meldungen wir jedoch konsumieren, desto ängstlicher, gestresster und depressiver werden wir. In diesem Zustand sind wir gar nicht mehr in der Lage, irgendwelche hilfreichen Schritte zu unternehmen, um für unsere eigene Sicherheit zu sorgen.

Wie kannst du dich aus dieser Zwickmühle befreien? 

Hier findest du ein paar Vorschläge, wie du dein Gehirn so für dich nutzen kannst, dass es dir dein Leben leichter macht – satt schwerer:

  1. Just the facts: Nutze den logischen Teil deines Gehirns.
  2. Prüfe, worüber du Kontrolle hast – und worüber nicht.
  3. Entscheide dich, nach deinen Werten zu handeln.
  4. Hilf deinem Körper, sich zu beruhigen.

Just the facts – Nutze den logischen Teil deines Gehirns

Frage dich zuerst: Bin ich im Moment persönlich in akuter Gefahr?

Wenn jetzt relativ sicher bist, dann reagiert deine Amygdala gerade reflexhaft auf ein Überangebot von Schreckensnachrichten.  Das hilft dir aber nicht, gute Lösungen zu finden. Daher braucht es bewusste Anstrengungen für einen Ausgleich. 

Für diesen Ausgleich hast du viele Möglichkeiten: 

  • Du kannst bewusst entscheiden, wieviel Zeit du für Katastrophen-Berichte verwenden willst: Wieviel Zeit reicht dir, damit du ausreichend informiert bist – aber nicht überwältigt wirst? Lass nicht deine Amygdala über deinen Nachrichtenkonsum entscheiden. Entscheide mit deinem logischen Verstand.
  • Wähle aus, in welcher Form du Nachrichten konsumieren willst: Bewegte Bilder mit Ton sind eindrücklicher als Text. Probiere aus, was dir hilft, ruhig zu bleiben.
  • Wähle einen günstigen Zeitpunkt für Nachrichten. Schlechte Nachrichten als erste oder letzte Aktion eines Tages ist in der Regel ungünstig.
  • Teile deinen Entschluss, Schreckensnachrichten zu begrenzen auch den wichtigen Menschen in deinem Umfeld mit. Falls sie auf deine Bitte nicht reagieren, solltest du Maßnahme treffen, um dich zu schützen. 
  • Du kannst auch bewusst nach guten Nachrichten suchen, z. B. unter „Good news“ im Internet. 
  • Oder du tauschst dich mit Nachbarn und Arbeitskollegen darüber aus, was konkret getan werden kann, um etwas zu verbessern – dabei erfährst du nämlich auch gleich, was schon alles getan wird. Das ändert die Perspektive.
  • Oder du schreibst in einem Dankbarkeitstagebuch die schönen Momente deines Tages auf. Schildere deine guten Erlebnisse dabei möglichst lebendig. Dann hast du nach einiger Zeit eine wahre Fundgrube von Wohlfühl-Erlebnissen, die dir an schlechten Tagen wieder Mut machen. 
  • Wenn deine Amygdala überreagiert, hilft alles, was den Fokus etwas wegbringt von den beängstigenden Nachrichten. Diese werden damit nicht ignoriert – aber dein System kommt wieder in eine gesunde Balance.

Was aber, wenn die alte Angst hochkommt, dass Armageddon jetzt doch kommen könnte? 

Da diese Angst aus dem emotionalen Teil deines Gehirns kommt, kann dir logisches Denken helfen. Schreib dazu deine Gedanken auf, damit sie vom Kopf aufs Papier kommen. Hier ein paar Ideen dazu:

  • Warum warst du bisher überzeugt, dass Zeugen Jehovas mit Armageddon unrecht haben? Was spricht aus deiner Sicht gegen Armageddon?
  • Zeugen Jehovas behaupten, seit 1914 wird alles immer schlimmer. Das sei ein Zeichen des nahenden Endes. Wird wirklich alles immer schlimmer? Google das mal.
  • Zeugen Jehovas behaupten, das Ende komme erst, wenn allen Menschen gepredigt worden sei. Problem: In den Ländern, in denen nicht oder kaum gepredigt wird, steigt die Bevölkerungszahl seit Jahren explosionsartig.  Was sagt das dann über das Ende aus? 
  • Weißt du, wann die Leitung der Zeugen Jehovas schon sehr konkret auf Armageddon hingewiesen hat?  Recherchiere mal zu den Daten 1914, 1925, 1975 und dem Begriff „Generation 1914“. Was schließt du aus den früheren Voraussagen?
  • Im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, sagte Stephen Lett, wir leben jetzt „in der Schlussphase der letzten Tage, zweifellos in der Schlussphase der Schlussphase – kurz vor dem letzten Tag der letzten Tage.“ Damals war die Angst der Menschen riesig. Mittlerweile sind 2 Jahre vergangen. Mit vereinten Anstrengungen wurde der Pandemie weitestgehend der Schrecken genommen. Und der von Stephen Lett angesprochene Zeithorizont scheint längst überschritten – ohne dass Armageddon kam. Was schließt du daraus?
  • Was könnte deiner Meinung nach der Grund sein, warum die Leitung der Zeugen Jehovas auf Katastrophen fokussiert? Schreib all deine Ideen dazu auf, tausch dich mit anderen Betroffenen aus, oder wende dich an unsere Berater. 

Sich selbst Klarheit verschaffen, hilft gegen überbordende Angst.

Prüfe, worüber du Kontrolle hast – und worüber nicht.

Das ist meine absolute Lieblingsaktion: Mach dir klar, worauf du Einfluss hast. 

Lass uns das mal am Beispiel „Krieg in der Ukraine“ ausprobieren.

Dazu brauchst du ein Blatt Papier, das du in zwei Spalten teilst

  • 1. Spalte: Schreib alles auf, worüber du keine Kontrolle hast, z. B. 
  • was Putin tut oder sagt 
  • was in den Nachrichten kommt 
  • was die Zeugen Jehovas dazu sagen, z. B. „Armageddon ist nahe.“ 
  • die Energiepreise
  • 2. Spalte: Schreib alles auf, worüber du Kontrolle hast (und hier wird es interessant):
  • wieviel Nachrichten ich höre/sehe
  • Leute, die mir Angst machen, auf WhatsApp blockieren
  • eine Balance mit erfreulichen Dingen im Alltag schaffen
  • Geflüchteten helfen
  • Geld spenden
  • politisch Einfluss nehmen, z. B. durch Proteste
  • meinen Energieverbrauch senken
  • Gespräche in eine andere Richtung lenken
  • Mich um die Menschen kümmern, die mir wichtig sind
  • Meinen Körper gut behandeln, damit ich mit ihm etwas tun kann

Das sind alles nur Beispiele, die mir eingefallen sind. Jetzt bist du dran: 

Schreibe deine eigene Liste von Dingen, auf die du Einfluss hast.

Entscheide dich, nach deinen Werten zu handeln

Unsere Amygdala, die Medien und die Zeugen Jehovas werden deine Aufmerksamkeit immer wieder in Richtung Katastrophenmeldungen lenken. Das ist nicht zu ändern. Wenn du das merkst, kannst du bewusst etwas unternehmen. Frage dich:

  • Worum geht es in meinem Leben eigentlich?
  • Was ist mir wichtig? Meine Familie? Freunde? Meine eigene Entwicklung? Lernen? Ein kreatives oder soziales Projekt?  Oder ganz etwas anderes?
  • Was sind meine wichtigsten Werte?
  • Stell dir vor, du sitzt irgendwann mit 80 Jahren in einem gemütlichen Sessel und erzählst deinen Lieben von deinem Leben. Was willst du dann erzählen?
  • Welchen kleinen Schritt in diese Richtung kannst du jetzt tun?

Richte deine Aufmerksamkeit immer wieder darauf, was dir wichtig ist – und nutze deine Zeit dafür, statt in Grübeleien zu versinken. Mach kleine Schritte, die sich an deinen Werten orientieren. 

Hilf deinem Körper, sich zu beruhigen.

Weiter oben habe ich erwähnt, dass Angst und Stress deinen Körper beeinflussen. Du atmest schneller und flacher. Dein Herz schlägt schneller und dein Blutdruck steigt. Deine Muskeln spannen sich an – ganz besonders im Bereich Nacken und Rücken. Die Verdauung wird erstmal gestoppt … Dein Alarmzentrum, die Amygdala, hat also Auswirkungen auf deinen Körper.

Umgekehrt ist es aber genauso: Dein Körper kann die Amygdala auch beruhigen. Da Körper und Gehirn so eng zusammenarbeiten, kann ein entspannter Körper dein Gehirn zu dem Schluss kommen lassen: „Wenn der Körper so entspannt ist, muss ja wohl alles in Ordnung sein. Dann kann ich mich jetzt auch beruhigen.“ 

Was kannst du tun, um deinen Körper zur Beruhigung zu nutzen?

Hier findest du ein paar meiner Favoriten (es gibt natürlich noch viel mehr):

  • Vielen hilft bewusstes Atmen. Atme dabei ruhig ein und etwas länger aus. Versuche, in einen gleichmäßigen und weichen Rhythmus zu kommen, bleibe einige Minuten in diesem Rhythmus, bevor du wieder wie gewohnt atmest. Hat sich etwas verändert?
  • Achtsame Bewegung oder Berührung kann auch helfen: Yoga, Tai chi, Qi gong, Massage, Umarmungen, ein warmes Bad, ein Tier streicheln …
  • Es hilft, wenn wir physische Unterstützung spüren, z.B. wahrnehmen, wie unsere Füße tatsächlich auf dem Boden stehen, wie uns der Stuhl trägt, auf dem wir sitzen, oder wie eine Stuhllehne unseren Rücken stützt. Solche Übungen findest du auf YouTube unter den Begriffen „Grounding“ oder „Erdung“.
  • Eine andere Übung zur Selbstberuhigung nutzt all unsere Sinneskanäle. Sie ist unter dem Begriff „5-4-3-2-1 Übung“ zu finden. Der beruhigende Effekt all dieser Körperübungen wird durch Wiederholung verstärkt.
  • Natur ist für viele besonders beruhigend – ganz gleich ob am Wasser, im Wald, am Strand, in den Bergen oder ganz woanders. Was wirkt auf dich besonders ausgleichend?
  • Es gibt Meditationen und Musik, die entspannend wirken. Du findest z. B. auf YouTube eine Menge davon. Ob es dich beruhigt, hängt viel von deinen eigenen Erfahrungen ab (z.B.: Erinnert es dich an schöne oder negative Erlebnisse? Empfindest du es als manipulativ? Kommt dir irgendwas „komisch“ vor? Hast du das Gefühl, die Kontrolle über dich zu behalten? Magst du die Stimme oder den Klang? Welche Gedanken gehen dir dabei durch den Kopf?) Probier einfach aus, was sich für dich stimmig anhört – und nimm dein Bauchgefühl ernst.
  • Natürlich hilft uns auch alles, was unserem Körper sowieso guttut: genug Schlaf, genug Wasser trinken, frisches Obst, Gemüse, wenig Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel … Dazu fällt dir bestimmt eine ganze Menge ein.

Du hast hier einige Überlegungen und Tipps rund um das Thema „Angst“ gelesen. 

Nimm dir jetzt noch einen Augenblick Zeit, um selbst aktiv zu werden.

  • Was war für dich am nützlichsten?
  • Was willst du ausprobieren?
  • Wann machst du das?

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, dein Leben aktiv zu gestalten.

Wenn du Unterstützung oder Begleitung brauchst, kannst du dich gerne an das Beratungsteam von JZ Help wenden. Sie wissen aus eigener Erfahrung und/oder Gesprächen mit AussteigerInnen, dass die Auseinandersetzung mit unserer Angst einfach zur Ablösung von einer destruktiven Gruppe dazu gehört. Je nachdem, wie stark dich deine Angst im Leben einschränkt, kann auch eine therapeutische Begleitung sinnvoll sein.

Weitere Hilfsangebote finden Sie hier.

weiterlesen