Gericht urteilt gegen Jehovas Zeugen KdöR im Markenrechtsstreit mit JZ Help

Aktualisierung vom 28.09.2022:
Jehovas Zeugen in Deutschland K.d.ö.R. legen Berufung gegen das Urteil des LG Frankfurt vom 17.08.2022 ein.

17.08.2022
Das Landgericht Frankfurt urteilte am 17.08.2022 gegen Jehovas Zeugen KdöR im Markenrechtsstreit mit JZ Help. Die Klage von Jehovas Zeugen KdöR wurde abgewiesen. Jehovas Zeugen KdöR haben die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Wir danken allen, die uns durch ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden unterstützt haben, damit wir diesen Rechtsstreit erfolgreich führen konnten.

Entscheidungsgründe des Gerichts

Die Klägerin (Jehovas Zeugen KdöR) kann sich auf keine Marke nach § 4 MarkenG berufen. Die Klägerin ist nicht Inhaberin einer eingetragenen Marke. Auch ist sie nicht Inhaberin einer Benutzungsmarke nach § 4 Nr. 2 MarkenG, da Veraussetzung hierfür wäre, dass sie das Zeichen „JZ“ im geschäftlichen Verkehr genutzt hat und das Zeichen innerhalb beteiligter Verkehrskreise als Marke Verkehrsgeltung erworben hat.

[…] Ein Zeichen wird im geschäftlichen Verkehr benutzt, wenn die Benutzung im Zusammenhang mit einer auf einen wirtschaftlichen Vorteil gerichteten kommerziellen Tätigkeit […] dient […] Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Religionsgemeinschaft keine kommerzielle Tätigkeit ausführt […] Die Klägerin hat nicht vorgetragen mit dem Kongress Einnahmen generiert zu haben […]

Darüber hinaus liegt auch keine Verwechslungsgefahr oder Irreführung vor, denn der Verkehr wird nicht davon ausgehen, die von dem Beklagten (JZ Help) angebotenen Dienstleistungen würden von der Klägerin stammen.

[…] Mangels wirtschaftlicher Tätigkeit kommt es auf die Bekanntheit oder Verkehrsgeltung des Zeichens „JZ“ nicht an.

Zum Urteil des LG Frankfurt geht es hier.

Siehe auch Namensänderung in JZ Help,
Denn sie wissen, was sie tun – Wachtturmgesellschaft gegen „JZ.help“ (Richard Dawkins Foundation 15.12.2020) und Watchtower Society attackiert unseren Verein

ifw: Zeugen Jehovas machten falsche Angaben im Anerkennungsverfahren zur KdöR

Das ifw – Institut für Weltanschauungsrecht stellt in einem Kommentar fest, dass die Zeugen Jehovas im Anerkennungsverfahren zum Körperschaftsstatus (KdöR) falsche oder beschönigende Angaben gemacht haben. Die Verleihung des Körperschaftsstatus an die Zeugen Jehovas in den deutschen Bundesländern muss folglich rückgängig gemacht werden.

Die Giordano Bruno Stiftung hat den Kommentar des ifw in einer Meldung zum Thema «Aggressive Entfremdung von Gesellschaft und Staat» aufgegriffen und weist dort auch auf die Entwicklungen im europäischen Ausland hin.

In seinem Urteil vom 27.11.2020 stellte das Landgericht Hamburg fest, dass innerhalb der deutschen Zeugen Jehovas unstreitig „Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern einschließlich Verwandten vermieden werden soll.“ Für das Landgericht stellen die Praxis des Gemeinschaftsentzugs zusammen mit den weiteren „zahlreichen für die Mitglieder vorgegebenen Verhaltensweisen“, insbesondere der Ablehnung von Bluttransfusionen, die „notwendigen Anknüpfungstatsachen“ für die Einschätzung dar, dass die „aggressive Entfremdung von der Gesellschaft und dem Staat“ charakteristische Merkmale der Zeugen Jehovas seien.

So ist es nach Auffassung des Landgerichts „unstreitig, dass die Klägerin in ihren Schriften äußert, dass eine Frau keine Macht über ihren Körper habe, was gerade auch sexuelle Handlungen ohne bzw. gegen den Willen der Frau zuließe.“ Angesichts der strikten Ablehnung von Bluttransfusionen, Homo- und Transsexualität sowie der Lehren, dass Nicht-Zeugen „das Werk Satans und dem Untergang geweiht seien“ und somit „als grundsätzlich ‚böse‘ klassifiziert und herabgewertet“ werden, und „dass Frauen sich […] ihren Ehemännern unterordnen müssen und innerhalb der Versammlung bestimmte Positionen, wie z.B. die eines Ältesten, nicht bekleiden dürfen“, würden die notwendigen Anknüpfungstatsachen dafür vorliegen, die deutschen Zeugen Jehovas zulässigerweise als eine Bewegung zu bezeichnen, „welche die fundamentalen Menschenrechte missachtet“.

Im Zusammenhang mit den Zeugen Jehovas sind dieses Jahr bereits verschiedene Staaten aktiv geworden. So planen bzw. prüfen SchwedenNorwegen und Island die Streichung staatlicher Beiträge, weil die Religionsgemeinschaft gegen grundlegende Rechte ihrer Mitglieder verstoße. Lettland überprüft, ob die Zeugen Jehovas verfassungskonform sind. In den Niederlanden soll eine Untersuchung zum Thema Ächtung eingeleitet werden. 

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen wird untersucht

Pressemitteilung der Aufarbeitungskommission

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ruft Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf, von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu berichten.

Berlin, 19.05.2022 Weltweit sind Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas bekannt geworden. Der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurden ebenfalls Fälle aus der Vergangenheit gemeldet. Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hat bislang keine unabhängige Aufarbeitung gestartet. Darum muss davon ausgegangen werden, dass diese Berichte heute immer noch relevant sind. Die Schilderungen von ehemaligen Mitgliedern lassen zudem darauf schließen, dass es bei den Zeugen Jehovas spezifische Bedingungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen gibt, welche die Aufklärung und auch die Aufarbeitung erschweren. Bisher fehlen Kenntnisse über das Ausmaß sexuellen Kindesmissbrauchs in der Gemeinschaft in Deutschland.

Prof. Dr. Heiner Keupp, Mitglied der Kommission:

„Um mehr Wissen über sexuellen Kindesmissbrauch in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu erhalten, sind die persönlichen Erfahrungen von Betroffenen, aber auch von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen enorm wichtig. Darum möchten wir sie ermutigen, sich bei der Kommission zu melden und sich ihr anzuvertrauen.“

Wie können Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten?

Die Kommission bietet die Möglichkeit, in einer vertraulichen Anhörung in geschützter Atmosphäre über die Erfahrungen zu sprechen oder einen schriftlichen Bericht zu verfassen und ihr zu schicken. Alternativ zur vertraulichen Anhörung vor Ort kann das Gespräch online per Video durchgeführt werden.

Die Kommission geht mit allen Geschichten vertraulich um. Sie werden in pseudonymisierter Form von der Kommission ausgewertet und fließen in ihre Berichte ein.

PRESSEKONTAKT

Kirsti Kriegel Pressesprecherin

Postanschrift:
Glinkastraße 24, 10117 Berlin Dienstsitz:
Kapelle-Ufer 2, 10117 Berlin

T +49 (0)3018 555 – 1571
F +49 (0)3018 555 – 41571 
kirsti.kriegel@ubskm.bund.de

www.aufarbeitungskommission.de
www.geschichten-die-zählen.de 
Twitter: @Aufarbeitung #GeschichtenDieZählen

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kern ihrer Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen und schriftliche Berichte von heute erwachsenen Betroffenen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt in Institutionen, im familiären und sozialen Bereich sowie organisierten Strukturen ausgesetzt waren.

Betroffene sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die der Kommission über sexuellen Kindesmissbrauch berichten möchten, können sich telefonisch (0800 4030040 – anonym und kostenfrei), per E-Mail oder Brief an die Kommission wenden. Weitere Informationen zur vertraulichen Anhörung – auch online per Video – und zum schriftlichen Bericht sowie alle Kontaktdaten finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas finden Sie hier.

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Pressestimmen

Vorwurf: Sexuelle Ausbeutung

Zeugen Jehovas unter Missbrauchs-Verdacht
Schweigen, um die Sekte zu schützen. Eigene Gesetze machten es Opfern von Kindesmissbrauch in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas offenbar unmöglich, Gerechtigkeit zu erfahren. Pädophilen ebneten sie den Boden für Straftaten.
BZ Die Stimme Berlins, 27.05.2022

Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas: Kommission ruft zur Aufklärung auf
Interview mit Prof. Dr. Heiner Keupp (78), Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Frankfurter Rundschau, 21.05.2022

Aufarbeitungskommission untersucht sexuellen Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ruft Betroffene sowie Zeitzeugen auf, von ihren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu berichten.
Magdeburger News, 20.05.2022

Missbrauch bei den Zeugen Jehovas: Kommission mit Aufruf an Betroffene
Opfer würden oft ausgegrenzt und als Lügner beschimpft
katholische.de, 20.05.2022

Deutschland – Missbrauch bei Zeugen Jehovas soll aufgearbeitet werden
Die deutsche Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will Missbrauch bei den Zeugen Jehovas aufarbeiten. Bisher gebe es keine unabhängige Aufarbeitung in der Glaubensgemeinschaft.
religion@orf.at, 19.05.2022

Missbrauch bei Zeugen Jehovas: Kommission will Fälle aufarbeiten
In Deutschland ruft nun die von der Bundesregierung eingerichtete Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs Betroffene auf, sich zu melden.
BR24, 19.05.2022

Missbrauchskommission nimmt Zeugen Jehovas in den Fokus
Merkur, 19.05.2022

„Sie haben mich für ihre Religion verkauft“ – Missbrauchsopfer bei Zeugen Jehovas beklagen fehlende Hilfe
Missbrauchs-Kommission bittet Opfer den Zeugen Jehovas, sich zu melden. Experten untersuchen, ob Strukturen der abgeschotteten Gemeinschaft Taten fördern.
Tagesspiegel, 19.05.2022

Sexualisierte Gewalt bei den Zeugen Jehovas: Kein Schutz für die Opfer
Missbrauch bei den Zeugen Jehovas hat eine riesige Dimension. Aus der abgeschlossenen Welt der Gläubigen dringt nur wenig nach draußen.
taz, 12.05.2022

Aussteiger der Zeugen Jehovas in Kriegszeiten

Kommentar von Esther Gebhard

Sich von einer Endzeitsekte, religiösen Randgruppierung oder religiösen Sondergemeinschaft zu lösen scheint – von außen betrachtet – befreiend zu wirken. Ein Mitglied kehrt der Gruppierung den Rücken und damit scheint alles wieder im Lot. Wunderbar!
Doch weit gefehlt! 

Sich von einer Glaubensgemeinschaft oder einem Kult zu lösen, bedeutet nicht automatisch frei zu sein. Frei von den Lehren und Prophezeiungen, den Ängsten und der Panik. Viele Menschen die aussteigen stecken weiterhin wegen der über viele Jahre erfolgten Indoktrination im alten Glauben fest und sind weiter im Glaubenskonstrukt der entsprechenden Gemeinschaft gefangen. 
So, wie das bei vielen ehemaligen Mitgliedern der Zeugen Jehovas der Fall ist. 


Darüber hinaus sehen sich diese mit den realen Konsequenzen ihres Ausstieges konfrontiert, wie z.B. dem Kontaktentzug zu allen Mitgliedern der Gemeinschaft, auch den eigenen Eltern, Geschwistern, Verwandten. Nicht zuletzt bleibt die irreale Angst vor der Endzeit und vor der Strafe Gottes, der man ja nur als Mitglied der ZJ entkommen könnte.
Von Ehemaligen, denen bei aktuellen Weltkrisen der kalte Angstschweiß ausbricht, weil diese als Vorboten der Endzeit gedeutet werden, hören wir oft.
Wir vom Verein vermuten eine hohe Dunkelziffer an Betroffenen.

Wie kommt das?

Sekten oder auch religiöse Randgruppierungen wie die Zeugen Jehovas arbeiten mit Techniken, die der amerikanische Kultspezialist Steven Hassan in seinem BITE-Modell zusammenfasst. 
Anhand manipulativer Techniken wird eine Sektenpersönlichkeit gezüchtet und das wahre, echte Ich beiseitegedrängt. Glaubenssätze, Programmierungen und Indoktrination sitzen dadurch tief verwurzelt und lassen sich nicht ohne weiteres ablegen. Man spricht auch vom Mindcontrol, der Bewusstseinskontrolle. Ein Mechanismus, der tiefer in die Persönlichkeit, in das Denken, Handeln und letztendlich auch Leben eines Mitgliedes eingreift, als es eine Gehirnwäsche vermag. 

In diesen Tagen des Krieges in der Ukraine denken wir ganz besonders an die schutzlosen Kinder in diesen Gemeinschaften, aber eben auch an jene Menschen, die zwar den Zeugen Jehovas den Rücken gekehrt haben oder ausgeschlossen wurden, aber noch immer gefangen sind in deren Glaubenskonstrukt. Wir denken an die Menschen, die nun in der Krise des Krieges und zeitgleich zu einer herrschenden Pandemie die Erfüllung einer Prophezeiung zu sehen glauben. Die Prophezeiung, nach der wir nun unsere letzten Tage erleben. Laut deren Interpretation der Bibel wird es Zeichen geben, die auf den kurz bevorstehenden Krieg Gottes hinweisen. Naturkatastrophen, Seuchen (Pandemie), Kriege. Jehova Gott wird mit seiner blutigen und grausamen Schlacht „Harmagedon“ dem jetzigen System ein Ende machen. Dieses Szenario versetzt viele ehemalige Mitglieder in Angst und Schrecken, den eigenen grausamen Tod vor Augen. Eine allzu reale Angst in einem unrealen Weltbild.

Warum kehren Ehemalige zu den Zeugen Jehovas zurück?

Überleben und auf Erden in paradiesischen Zuständen leben dürfen nur jene, die „Seiner“ einzig wahren Religion und Organisation auf Erden treu waren. Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas sind überzeugt davon, diese Auserwählten zu sein. Wer sich von ihnen abwendet, wird von der Gemeinschaft als „Ungeziefer“ tituliert und ist dem Tode geweiht. 
Noch immer im fest indoktrinierten Glauben daran, dass diese Lehren der Wahrheit entsprechen, empfinden Ausgestiegene oft Todesangst. Fest überzeugt davon, jeden Moment von Gott bestraft und getötet zu werden, zu verbrennen, erschlagen oder in einer Erdspalte verschlungen zu werden.
Es sei denn, man kehrt noch rechtzeitig um. Das durch die Organisation aufgebaute Angstszenario ist grausam und wirkt. Leider! 
Verstärkt durch Rückholversuche der in der Glaubensgemeinschaft verbliebenen Angehörigen, durch Statusbildchen in den sozialen Medien und Messengerdiensten:
Komm zurück zu Jehova!
Es wird jeden Moment so weit sein!
Manch ehemaliges Mitglied setzt nun alles daran, auf den letzten Meter in die vermeintlich rettende Organisation zurückzukehren, um das nackte Leben zu retten. 
Einen weiteren Vorteil hätte die Rückkehr zu Jehova: Die bis dahin ächtenden Angehörigen in der Gemeinschaft wenden sich dem Zurückkehrenden mit offenen Armen zu und dürfen nach der Wiederaufnahme des Sünders wieder Kontakt zu ihm pflegen.
Es ist ein perfides System, Anhängerschaften durch Angst abhängig zu machen, allein zum Nutzen einer Organisation, in der Regel zum Nutzen einzelner Führer der Sekten. Ein gemeines Vorgehen, das für so manchen psychischen „Schaden“ bei den involvierten Menschen verantwortlich ist.

Was hilft Betroffenen?

Betroffenen bleibt die schwierige Aufgabe, sich kritisch mit der Religion und seinem bisherigen Glauben auseinanderzusetzen.
Im besten Fall um feststellen zu dürfen, dass das Gelernte nicht der so hoch gepriesenen Wahrheit entspricht, sondern dass man manipuliert wurde. Für die egoistischen Zwecke einer selbsternannten göttlichen Organisation. Eine sicherlich schmerzhafte, aber auf Dauer heilsame Erkenntnis. Hilfen zu dieser Erkenntnis können wissenschaftliche Abhandlungen oder Berichte von Ausgestiegenen sein, die sich bereits seit Jahren kritisch und sachlich mit der Thematik befassen. 
Von der Organisation werden die Autoren „Küchenhelfer Satans“ genannt.

Fühlst du dich angesprochen? 
Empfindest du Furcht aufgrund der aktuellen Weltlage? 
Todesangst und Panik?

Damit bist du nicht alleine!

Wir arbeiten eng mit Betroffenen zusammen und hören tagtäglich von ihrer Not. 
Wenn du Hilfe brauchst, dann wende dich gerne an unseren Verein. Wir unterstützen durch Beratung und vermitteln Kontakte zu anderen Betroffenen, die sich in Gruppen stützen und füreinander da sind. Das Angebot ersetzt keine Therapie, ist aber ein erstes Auffangnetz.
Wir stellen fest, dass sich in diesen Aussteigergruppen mehr und mehr Zeugen Jehovas einreihen, die das Konstrukt hinter ihrer Religion durchblickt haben und Gleichgesinnte suchen. Dabei allerdings, um den Schein für den Moment noch zu wahren, in der Glaubensgemeinschaft bleiben.
Auch, um nicht ihre Familien durch die Ächtungspraxis zu verlieren, Eltern, Großeltern, Kinder, Geschwister und Freunde.
Wer weiss? Vielleicht ist einer der Glaubensbrüder und -schwestern aus deinem Königreichssaal bereits einer von ihnen? 

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Aufarbeitungskommission – Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas

Aufarbeitungskommission veröffentlich Überblick zu den Zeugen Jehovas

Weltweit sind in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas Fälle von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen bekannt geworden. Die staatlichen Kommissionen einiger Länder wie Australien und England/Wales haben bereits Aufarbeitungsprojekte durchgeführt. In Ländern wie etwa den Niederlanden wurden wissenschaftliche Untersuchungen begonnen. Betroffene, die Mitglieder der Zeugen Jehovas waren, haben sich auch an die deutsche Kommission gewandt und von sexuellem Kindesmissbrauch innerhalb der Gemeinschaft und deren Umgang mit Betroffenen berichtet.
Den Überblick der Kommission finden Sie hier.

Weitere Infos zu diesem Themenschwerpunkt sind hier zu finden.

Niederlande und Island gehen gegen Jehovas Zeugen vor

Niederländische Abgeordnete wollen gegen Ächtung bei den Zeugen Jehovas vorgehen

Bericht in der NL-Times vom 18. März 2022

Der Sitz des Vorsitzenden in der Tweede Kamer – Credit: photo: JanKranendonk / DepositPhotos

Niederländische Abgeordnete wollen verhindern, dass Zeugen Jehovas Abtrünnige ächten

Eine Parlamentsmehrheit will eine Untersuchung darüber einleiten, wie die Zeugen Jehovas mit Menschen umgehen, die den Glauben verlassen wollen. Sie befürchten, dass die Religionsgemeinschaft mit emotionaler Erpressung versucht, Menschen bei sich zu halten, berichtet Pointer nach einem Gespräch mit den Abgeordneten.

Wenn jemand die Zeugen Jehovas verlässt, fordert die Gemeinschaft alle Mitglieder auf, diese Person zu „meiden“ – sie dürfen nie wieder Kontakt zu ihr haben.

Nach Ansicht von VVD, D66, SP und PvdA kann dies bei den Betroffenen zu ernsthaften psychischen Beschwerden führen. Es könne auch als Drohung eingesetzt werden, um Menschen davon zu überzeugen, die Gemeinschaft nicht zu verlassen. „Das ist eine Form der Nötigung. Es scheint in gewisser Weise auch eine Drohung zu sein“, sagte die VVD-Abgeordnete Ylysse Ellian in der Sendung.

Die Parlamentarier fordern die Regierung auf, diese Praxis zu untersuchen und zu prüfen, ob dieses Druckmittel verboten werden kann. 

Auch Island erwägt die Streichung von staatlichen Geldern an die Zeugen Jehovas

Bericht in der Zeitung The Reykjavík Grapevine vom 16. März 2022, Text von Andie Sophia Fontaine

Island streicht den Zeugen Jehovas möglicherweise die Zuschüsse für religiöse Organisationen 

Photo von Silje Bergum Kinsten/norden.org

Die Nachrichtensendung Kompás zeigte ehemalige Mitglieder der Zeugen Jehovas in Island, die über psychischen Missbrauch und die Ausgrenzung durch ihre Familien berichteten, nachdem sie aus dem Glauben ausgetreten waren. Nun berichtet Vísir, dass die Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten und Bildung darüber nachdenkt, ob die Religionsgemeinschaft von der staatlichen Finanzierung ausgeschlossen werden soll oder nicht.

Zwar gibt es in Island eine Nationalkirche, doch hat nach isländischem Recht jede rechtmäßig eingetragene religiöse Organisation im Land Anspruch auf eine gewisse staatliche Finanzierung. International wurde über weit verbreitete Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas berichtet, wobei psychologischer und sexueller Missbrauch sowie die Praxis, Mitglieder, die sich nicht an die kirchlichen Gebote halten, zu meiden und sie oft von ihren Familien zu trennen, im Detail beschrieben wurden.

Vor diesem Hintergrund beschloss Norwegen, das ein ähnliches nationales Religionssystem wie Island hat, Anfang dieses Jahres, die Zeugen Jehovas von der staatlichen Finanzierung auszuschließen. Infolge der Kompás-Berichterstattung glaubt Bryndís Haraldsdóttir, die Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Religionsfinanzierung, dass es an der Zeit sein könnte, den Status der Religionsgemeinschaft in Island zu überdenken.

„Das gibt uns sicherlich zu denken, und man kann sich durchaus fragen, ob es Anlass zu einer Reaktion im rechtlichen Sinne gibt“, sagte sie gegenüber der Presse. „Ich finde, dass in den Berichten [der Frauen in der Kompás-Episode] mehr oder weniger detailliert von Gewalt die Rede ist, die gesetzlich verboten ist, und niemand sollte damit durchkommen, dass er die Menschenrechte verletzt oder anderen Gewalt zufügt, selbst wenn dies aus religiösen Gründen geschieht. Das ist einfach gegen isländisches Recht.“

Bryndís räumt zwar ein, dass die Abschaffung der staatlichen Finanzierung ein erheblicher Eingriff wäre, nennt aber Norwegen als Beispiel für Länder, die diesen Weg gehen. In der Zwischenzeit ermutigt sie die Öffentlichkeit, das Jugendamt zu alarmieren, wenn sie den Verdacht haben, dass ein Kind Missbrauch erlebt, insbesondere wenn es den Zeugen Jehovas angehört.

Siehe auch:

Keine staatlichen Zuschüsse mehr für Zeugen Jehovas – Schweden ändert Rechtsgrundlage

Norwegen – verlieren Jehovas Zeugen den Status als Religionsgemeinschaft?

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Keine Angst vor der Angst:

Über einen hilfreichen Umgang mit überwältigenden Gefühlen

Der Ukraine-Krieg triggert wie zuvor schon die Corona-Krise bei vielen ehemaligen Zeugen Jehovas Ängste. Schon kleine Kinder werden bei den Zeugen Jehovas mit verstörenden Bildern und Erzählungen vor der großen Endschlacht Gottes in Harmagedon verängstigt. Besonders in Krisenzeiten kommen bei manchen ehemaligen Zeugen Jehovas diese Angst wieder hoch – zusätzlich zu der Angst, die sie mit vielen Menschen angesichts des Krieges teilen. In dieser Handreichung gibt Birgit Kluge (Heilpraktikerin für Psychotherapie und Beraterin bei JZ Help) Hilfestellungen für einen hilfreichen Umgang mit überwältigenden Gefühlen.

Alle Gefühle sind sinnvoll – auch Angst. Ohne Angst würde ich wahrscheinlich die roten Beeren der Eibe essen, weil sie so lecker aussehen. Oder schnurstracks über die 4-spurige Straße laufen, wenn ich meine Freundin auf der anderen Seite sehe. Oder mein großes Messer einfach irgendwie aus der Schublade fischen – ganz gleich, ob ich nun die Klinge oder den Griff erwische. 

Angst wird aktiviert von tief liegenden Gehirnstrukturen (u. a. von der Amygdala), die unser Überleben sichern wollen. Unsere Amygdala prüft ständig, ob irgendwo eine Gefahr ist. Wenn sie den kleinsten Hinweis auf eine Gefahr erkennt, dann startet sie ein Überlebensprogramm. Das Motto ist ab jetzt: Überleben ist wichtiger als Wohlbefinden. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Das Gehirn fokussiert jetzt ausschließlich auf die Bedrohung.
  • Es blendet alle anderen Wahrnehmungen aus (z. B. Freude, Schönes oder Genuss)
  • Es aktiviert den ganzen Körper für einen möglichen Kampf oder eine Flucht. Muskeln werden angespannt.  Wir empfinden Angst und Stress.
  • Wenn das nichts hilft, ist die letzte Lösung Kollaps oder Erstarrung: Wir schaffen gar nichts mehr, fühlen uns allein, depressiv, hoffnungslos.
  • Dieses Überlebensprogramm stammt aus einer Zeit, als Gefahren akut und direkt unser Leben bedrohten (wilde Tiere, feindliche Überfälle oder Naturkatastrophen). So etwas passiert heute selten. 

Medien und destruktive Gruppen, die den Weltuntergang vorhersagen, nutzen diesen Automatismus unseres Gehirns aber zu ihrem Vorteil aus: Sie wissen, dass unser Gehirn ängstigenden Nachrichten größte Aufmerksamkeit schenken muss. Daher produzieren sie möglichst viel davon, weil es ihnen nutzt (Medien machen damit Geld, destruktive Gruppen bekommen Anhänger). Je mehr solcher Katastrophen-Meldungen wir jedoch konsumieren, desto ängstlicher, gestresster und depressiver werden wir. In diesem Zustand sind wir gar nicht mehr in der Lage, irgendwelche hilfreichen Schritte zu unternehmen, um für unsere eigene Sicherheit zu sorgen.

Wie kannst du dich aus dieser Zwickmühle befreien? 

Hier findest du ein paar Vorschläge, wie du dein Gehirn so für dich nutzen kannst, dass es dir dein Leben leichter macht – satt schwerer:

  1. Just the facts: Nutze den logischen Teil deines Gehirns.
  2. Prüfe, worüber du Kontrolle hast – und worüber nicht.
  3. Entscheide dich, nach deinen Werten zu handeln.
  4. Hilf deinem Körper, sich zu beruhigen.

Just the facts – Nutze den logischen Teil deines Gehirns

Frage dich zuerst: Bin ich im Moment persönlich in akuter Gefahr?

Wenn jetzt relativ sicher bist, dann reagiert deine Amygdala gerade reflexhaft auf ein Überangebot von Schreckensnachrichten.  Das hilft dir aber nicht, gute Lösungen zu finden. Daher braucht es bewusste Anstrengungen für einen Ausgleich. 

Für diesen Ausgleich hast du viele Möglichkeiten: 

  • Du kannst bewusst entscheiden, wieviel Zeit du für Katastrophen-Berichte verwenden willst: Wieviel Zeit reicht dir, damit du ausreichend informiert bist – aber nicht überwältigt wirst? Lass nicht deine Amygdala über deinen Nachrichtenkonsum entscheiden. Entscheide mit deinem logischen Verstand.
  • Wähle aus, in welcher Form du Nachrichten konsumieren willst: Bewegte Bilder mit Ton sind eindrücklicher als Text. Probiere aus, was dir hilft, ruhig zu bleiben.
  • Wähle einen günstigen Zeitpunkt für Nachrichten. Schlechte Nachrichten als erste oder letzte Aktion eines Tages ist in der Regel ungünstig.
  • Teile deinen Entschluss, Schreckensnachrichten zu begrenzen auch den wichtigen Menschen in deinem Umfeld mit. Falls sie auf deine Bitte nicht reagieren, solltest du Maßnahme treffen, um dich zu schützen. 
  • Du kannst auch bewusst nach guten Nachrichten suchen, z. B. unter „Good news“ im Internet. 
  • Oder du tauschst dich mit Nachbarn und Arbeitskollegen darüber aus, was konkret getan werden kann, um etwas zu verbessern – dabei erfährst du nämlich auch gleich, was schon alles getan wird. Das ändert die Perspektive.
  • Oder du schreibst in einem Dankbarkeitstagebuch die schönen Momente deines Tages auf. Schildere deine guten Erlebnisse dabei möglichst lebendig. Dann hast du nach einiger Zeit eine wahre Fundgrube von Wohlfühl-Erlebnissen, die dir an schlechten Tagen wieder Mut machen. 
  • Wenn deine Amygdala überreagiert, hilft alles, was den Fokus etwas wegbringt von den beängstigenden Nachrichten. Diese werden damit nicht ignoriert – aber dein System kommt wieder in eine gesunde Balance.

Was aber, wenn die alte Angst hochkommt, dass Armageddon jetzt doch kommen könnte? 

Da diese Angst aus dem emotionalen Teil deines Gehirns kommt, kann dir logisches Denken helfen. Schreib dazu deine Gedanken auf, damit sie vom Kopf aufs Papier kommen. Hier ein paar Ideen dazu:

  • Warum warst du bisher überzeugt, dass Zeugen Jehovas mit Armageddon unrecht haben? Was spricht aus deiner Sicht gegen Armageddon?
  • Zeugen Jehovas behaupten, seit 1914 wird alles immer schlimmer. Das sei ein Zeichen des nahenden Endes. Wird wirklich alles immer schlimmer? Google das mal.
  • Zeugen Jehovas behaupten, das Ende komme erst, wenn allen Menschen gepredigt worden sei. Problem: In den Ländern, in denen nicht oder kaum gepredigt wird, steigt die Bevölkerungszahl seit Jahren explosionsartig.  Was sagt das dann über das Ende aus? 
  • Weißt du, wann die Leitung der Zeugen Jehovas schon sehr konkret auf Armageddon hingewiesen hat?  Recherchiere mal zu den Daten 1914, 1925, 1975 und dem Begriff „Generation 1914“. Was schließt du aus den früheren Voraussagen?
  • Im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, sagte Stephen Lett, wir leben jetzt „in der Schlussphase der letzten Tage, zweifellos in der Schlussphase der Schlussphase – kurz vor dem letzten Tag der letzten Tage.“ Damals war die Angst der Menschen riesig. Mittlerweile sind 2 Jahre vergangen. Mit vereinten Anstrengungen wurde der Pandemie weitestgehend der Schrecken genommen. Und der von Stephen Lett angesprochene Zeithorizont scheint längst überschritten – ohne dass Armageddon kam. Was schließt du daraus?
  • Was könnte deiner Meinung nach der Grund sein, warum die Leitung der Zeugen Jehovas auf Katastrophen fokussiert? Schreib all deine Ideen dazu auf, tausch dich mit anderen Betroffenen aus, oder wende dich an unsere Berater. 

Sich selbst Klarheit verschaffen, hilft gegen überbordende Angst.

Prüfe, worüber du Kontrolle hast – und worüber nicht.

Das ist meine absolute Lieblingsaktion: Mach dir klar, worauf du Einfluss hast. 

Lass uns das mal am Beispiel „Krieg in der Ukraine“ ausprobieren.

Dazu brauchst du ein Blatt Papier, das du in zwei Spalten teilst

  • 1. Spalte: Schreib alles auf, worüber du keine Kontrolle hast, z. B. 
  • was Putin tut oder sagt 
  • was in den Nachrichten kommt 
  • was die Zeugen Jehovas dazu sagen, z. B. „Armageddon ist nahe.“ 
  • die Energiepreise
  • 2. Spalte: Schreib alles auf, worüber du Kontrolle hast (und hier wird es interessant):
  • wieviel Nachrichten ich höre/sehe
  • Leute, die mir Angst machen, auf WhatsApp blockieren
  • eine Balance mit erfreulichen Dingen im Alltag schaffen
  • Geflüchteten helfen
  • Geld spenden
  • politisch Einfluss nehmen, z. B. durch Proteste
  • meinen Energieverbrauch senken
  • Gespräche in eine andere Richtung lenken
  • Mich um die Menschen kümmern, die mir wichtig sind
  • Meinen Körper gut behandeln, damit ich mit ihm etwas tun kann

Das sind alles nur Beispiele, die mir eingefallen sind. Jetzt bist du dran: 

Schreibe deine eigene Liste von Dingen, auf die du Einfluss hast.

Entscheide dich, nach deinen Werten zu handeln

Unsere Amygdala, die Medien und die Zeugen Jehovas werden deine Aufmerksamkeit immer wieder in Richtung Katastrophenmeldungen lenken. Das ist nicht zu ändern. Wenn du das merkst, kannst du bewusst etwas unternehmen. Frage dich:

  • Worum geht es in meinem Leben eigentlich?
  • Was ist mir wichtig? Meine Familie? Freunde? Meine eigene Entwicklung? Lernen? Ein kreatives oder soziales Projekt?  Oder ganz etwas anderes?
  • Was sind meine wichtigsten Werte?
  • Stell dir vor, du sitzt irgendwann mit 80 Jahren in einem gemütlichen Sessel und erzählst deinen Lieben von deinem Leben. Was willst du dann erzählen?
  • Welchen kleinen Schritt in diese Richtung kannst du jetzt tun?

Richte deine Aufmerksamkeit immer wieder darauf, was dir wichtig ist – und nutze deine Zeit dafür, statt in Grübeleien zu versinken. Mach kleine Schritte, die sich an deinen Werten orientieren. 

Hilf deinem Körper, sich zu beruhigen.

Weiter oben habe ich erwähnt, dass Angst und Stress deinen Körper beeinflussen. Du atmest schneller und flacher. Dein Herz schlägt schneller und dein Blutdruck steigt. Deine Muskeln spannen sich an – ganz besonders im Bereich Nacken und Rücken. Die Verdauung wird erstmal gestoppt … Dein Alarmzentrum, die Amygdala, hat also Auswirkungen auf deinen Körper.

Umgekehrt ist es aber genauso: Dein Körper kann die Amygdala auch beruhigen. Da Körper und Gehirn so eng zusammenarbeiten, kann ein entspannter Körper dein Gehirn zu dem Schluss kommen lassen: „Wenn der Körper so entspannt ist, muss ja wohl alles in Ordnung sein. Dann kann ich mich jetzt auch beruhigen.“ 

Was kannst du tun, um deinen Körper zur Beruhigung zu nutzen?

Hier findest du ein paar meiner Favoriten (es gibt natürlich noch viel mehr):

  • Vielen hilft bewusstes Atmen. Atme dabei ruhig ein und etwas länger aus. Versuche, in einen gleichmäßigen und weichen Rhythmus zu kommen, bleibe einige Minuten in diesem Rhythmus, bevor du wieder wie gewohnt atmest. Hat sich etwas verändert?
  • Achtsame Bewegung oder Berührung kann auch helfen: Yoga, Tai chi, Qi gong, Massage, Umarmungen, ein warmes Bad, ein Tier streicheln …
  • Es hilft, wenn wir physische Unterstützung spüren, z.B. wahrnehmen, wie unsere Füße tatsächlich auf dem Boden stehen, wie uns der Stuhl trägt, auf dem wir sitzen, oder wie eine Stuhllehne unseren Rücken stützt. Solche Übungen findest du auf YouTube unter den Begriffen „Grounding“ oder „Erdung“.
  • Eine andere Übung zur Selbstberuhigung nutzt all unsere Sinneskanäle. Sie ist unter dem Begriff „5-4-3-2-1 Übung“ zu finden. Der beruhigende Effekt all dieser Körperübungen wird durch Wiederholung verstärkt.
  • Natur ist für viele besonders beruhigend – ganz gleich ob am Wasser, im Wald, am Strand, in den Bergen oder ganz woanders. Was wirkt auf dich besonders ausgleichend?
  • Es gibt Meditationen und Musik, die entspannend wirken. Du findest z. B. auf YouTube eine Menge davon. Ob es dich beruhigt, hängt viel von deinen eigenen Erfahrungen ab (z.B.: Erinnert es dich an schöne oder negative Erlebnisse? Empfindest du es als manipulativ? Kommt dir irgendwas „komisch“ vor? Hast du das Gefühl, die Kontrolle über dich zu behalten? Magst du die Stimme oder den Klang? Welche Gedanken gehen dir dabei durch den Kopf?) Probier einfach aus, was sich für dich stimmig anhört – und nimm dein Bauchgefühl ernst.
  • Natürlich hilft uns auch alles, was unserem Körper sowieso guttut: genug Schlaf, genug Wasser trinken, frisches Obst, Gemüse, wenig Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel … Dazu fällt dir bestimmt eine ganze Menge ein.

Du hast hier einige Überlegungen und Tipps rund um das Thema „Angst“ gelesen. 

Nimm dir jetzt noch einen Augenblick Zeit, um selbst aktiv zu werden.

  • Was war für dich am nützlichsten?
  • Was willst du ausprobieren?
  • Wann machst du das?

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, dein Leben aktiv zu gestalten.

Wenn du Unterstützung oder Begleitung brauchst, kannst du dich gerne an das Beratungsteam von JZ Help wenden. Sie wissen aus eigener Erfahrung und/oder Gesprächen mit AussteigerInnen, dass die Auseinandersetzung mit unserer Angst einfach zur Ablösung von einer destruktiven Gruppe dazu gehört. Je nachdem, wie stark dich deine Angst im Leben einschränkt, kann auch eine therapeutische Begleitung sinnvoll sein.

Weitere Hilfsangebote finden Sie hier.

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Kinder der Zeugen Jehovas in Kriegszeiten

Kommentar von Esther Gebhard

Seit Donnerstag, 24. Februar 2022 ist unsere Welt eine Andere, als die, die sie am Abend zuvor noch war. Vor unserer europäischen Haustüre zettelte der Autokrat Putin einen vernichtenden Krieg gegen die Menschen in der Ukraine an. Wir hoffen, dass dieser Wahnsinn ein schnelles Ende findet und wir wieder in friedlicheren Zeiten leben können.

Wünschen sich wirklich alle Menschen Weltfrieden?

In Endzeitsekten wird dem Ende unserer Welt entgegengefiebert. Ein Krieg vor der Haustüre Europas, in Zeiten einer noch dazu herrschenden Pandemie scheinen Beweise dafür zu sein, dass Gott sehr bald in Form einer grausamen und blutigen Schlacht gegen die Menschheit eingreifen wird. Im Anschluss wird „Er“ ein Paradies auf Erden errichten, in dem eine kleine Gruppe Überlebender in Frieden und ohne Krankheiten für immer leben werden. Natürlich bekommen nicht alle Menschen das Ticket ins Paradies. Nur jene, die der einzig wahren Religion, der einzig wahren Organisation Gottes auf Erden angehören. Die Zeugen Jehovas sind überzeugt davon, diese Auserwählten zu sein.

Die Mitglieder der Zeugen Jehovas glauben sich auf den Krieg Gottes, den sie Harmagedon nennen, vorbereitet. Seit Gründung ihrer Glaubensgemeinschaft im 19. Jahrhundert in Amerika durch den ehemaligen Adventistenprediger C. T. Russell wurde immer wieder spekuliert, wann das Ende kommt.
Seit jeher sind die Publikationen der Wachtturmgesellschaft deshalb voll mit Artikeln und eindrücklichen Bildern, die Gottes große und grausame Schlacht beschreiben. Ein Zeuge Jehovas ist überzeugt davon, dass dieser Moment jeden Augenblick über die Menschheit hereinbrechen wird. Und das seit nun fast 140 Jahren. Aber selbst ein getaufter Zeuge Jehovas kann sich nie sicher sein, ob er Gnade in Gottes Augen findet und ins Paradies errettet wird. Denn „seine“ Anforderungen sind hoch. Viel predigen, noch mehr spenden, bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Jehova sprechen, ob es das Gegenüber möchte oder nicht. Und gemäß der Bibel leben, der Bibel der Wachtturmgesellschaft.
Wird Jehova anerkennen, dass du es dir wirklich verdient hast, seine blutige Schlacht zu überleben und ins Paradies zu kommen? Beherrscht dich die Angst, nie genug für seine Organisation getan zu haben? Damit bist du nicht allein!

Die Organisation übt Druck auf ihre Anhängerschaft aus

Sich diesem Druck auszusetzen oder eben nicht ist die Entscheidung derjenigen Erwachsenen, die sich der Gemeinschaft bewusst zuwenden. So unverständlich dies auch auf uns Außenstehende wirken mag. Ein erwachsener Mensch trägt die Verantwortung für sein Denken, Handeln und sein Leben selbst.
Jedoch beschränkt sich dieser Druck und das „Einschwören“ auf die eigenen Lehren nicht auf die Erwachsenen, auch vor Kindern wird nicht Halt gemacht. Kaum auf der Welt, werden sie bereits im Kinderwagen zu den Versammlungen geschoben, um dort von nun an der Dauerbeschallung von Gottes Schlacht, Blutvergießen und Tod ausgesetzt zu sein. Spezielle Publikationen für Kinder sollen diese zu gottesfürchtigen Menschen – oder besser zu Hörigen der Lehren der Gemeinschaft – züchten. Und ja, sie fürchten sich! Die Kinder fürchten, nie gut genug zu sein in den Augen Jehovas. Sie fürchten Satan, seine Dämonen und ihren eigenen Tod. Sie fürchten den Ausschluss aus dem zukünftigem Paradies, oft nur, weil sie vielleicht mal geflunkert haben, mit dem falschen Spielzeug spielten oder mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft. Die möglichen Strafen hierfür sind allgegenwärtig, in den Geschichten der Ältesten, der Mitbrüder und -schwestern, der Publikationen und in der eigenen angestachelten Fantasie!
Und das sind keine Kinderfantasien, die es herabzulächeln oder zu verharmlosen gilt. Es ist ein als Wahrheit verkauftes Szenario im Mikrokosmos der Zeugen Jehovas. Es ist deren brutale Realität! Ein Paralleluniversum. Auch in den beheizten, warmen Kinderzimmern der nicht von Krieg betroffenen Kinder außerhalb der Kriegszonen existiert Todesangst. Ausgelöst durch die vermittelten, irrealen Endzeitbilder und verstärkt durch die Realität in Zeiten von Krisen, wie wir sie momentan eine erleben.
Und all das wird unter dem Deckmäntelchen der Religionsfreiheit toleriert?

Diesen Kindern gelten meine heutigen Zeilen

Kinder sind die verwundbarsten und verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Kinder brauchen unseren Schutz. Diesen Schutz auch innerhalb von Sekten zu gewährleisten ist die längst überfällige Aufgabe von Entscheidungsträger:innen und Politiker:innen. Ich rufe Sie auf, diesen schrecklichen Missständen ein Ende zu setzen. Sehen Sie nicht länger weg! Handeln Sie! Schützen Sie diese Kinder! Akzeptieren Sie keine Kindeswohlgefährdung! Wiegeln Sie Lehrinhalte und Erziehungsmethoden von religiösen Sondergemeinschaften, Randgruppierungen, Religionen und Sekten nicht lapidar als „Religionsfreiheit“ ab. Diese Kinder sind nicht frei. Sie sind gefangen in einer künstlich geschaffenen Blase und in großer Not! Sie haben die Entscheidung für ein solches Leben nicht für sich selbst getroffen, sondern werden alternativlos in diesem Konstrukt erzogen und geprägt. In vielen Fällen werden sie psychische Schäden davontragen. Solche, wie wir sie in Opferhilfevereinen immer wieder feststellen müssen, denn dort begegnen wir diesen gezeichneten Seelen.

Alle Kinder haben ein Recht auf ein kindgerechtes Aufwachsen und Leben, frei von seelischen Qualen.
Sie haben ein Recht auf Schutz. Es ist auch Ihre Aufgabe, sie zu schützen! Handeln Sie bitte und handeln sie schnell!

Wir alle sind in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Bei den Frauen, Kindern und Männern, die jetzt die Grausamkeiten eines Krieges erleben müssen. Bei den Menschen, die sich auf der Flucht befinden.
Ein jeder einigermaßen empathische Mensch ist zutiefst betroffen und schockiert und empfindet tiefes Mitgefühl. Viele beten, der Krieg möge schnellstmöglich enden und wieder friedliche Zustände einkehren.
Dabei denke ich ganz besonders auch an die Kinder der ukrainischen Zeugen Jehovas, die nun in Bunkern ausharren müssen. Mit der Bibel in der Hand und der Angst vor Gottes blutiger Schlacht im Herzen. Angst vor dem eigenen qualvollen Sterben, Angst davor, zusehen zu müssen, wie geliebte Menschen (Schulfreunde, Spielkollegen, Verwandte – die keine Zeugen Jehovas sind) von Gott grausam getötet werden, wie sie verbrennen oder erschlagen werden.
Angst vor Vernichtung, Angst vor dem Tod.
Was für eine Seelenqual!

Als wäre das Szenario des tatsächlichen Krieges nicht schlimm genug!

Ich möchte laut schreien! HÖRT AUF DAMIT!


Eltern und Kinder im Krieg: Ukrainische Eltern schicken Kinder mit Aufkleber mit Blutgruppe zur Schule.
Eltern und Kinder bei Zeugen Jehovas: Eltern sollen Kindern die sog. Blutkarte mitgeben, weil Bluttransfusionen verboten sind.

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Norwegen – verlieren Jehovas Zeugen den Status als Religionsgemeinschaft?

Könnten Anerkennung als Religionsgemeinschaft verlieren: Eine symbolträchtige Entscheidung

vartland – Kan miste registreringen som trossamfunn: – En symboltung avgjørelse
Übersetzung von JZ Help

ZEUGEN JEHOVAS: Gerade wurde den Zeugen Jehovas wegen ihrer ausgrenzenden Praxis staatliche Subventionen verweigert. Jetzt will die Staatsverwalterin prüfen, ob es Hinweise gibt, die auch bezüglich der Anerkennung als Religionsgemeinschaft von Bedeutung sind.

Jehovas Zeugen betreiben den Königreichssaal.  Foto: Terje Pedersen / NTB
Folgen: Wenn die Landesverwalterin die Registrierung der Zeugen Jehovas als Religionsgemeinschaft verweigert, kann dies mehrere praktische Konsequenzen für die Religionsgemeinschaft haben. 
– Grundsätzlich können wir darüber informieren, dass die Registrierung nach dem Gesetz bestimmte Rechte verleiht, wie z. B. dass die Gemeinschaft das Recht auf Eheschließung, einen eigenen Begräbnisplatz und staatliche Subventionen beantragen kann, sagt Nyhus. (Terje Pedersen/NTB)

Von Caroline Teinum Gilje, Journalistin

15.02.2022 05:29

Einer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft die Registrierung zu entziehen, sei eine symbolische Entscheidung, sagt Ingrid Rosendorf Joys, Generalsekretärin des Kooperationsrates der Religions- und Weltanschauungsgesellschaften (STL).

Im vergangenen Monat wurde bekannt, dass die Staatsverwalterin* den Zeugen Jehovas staatliche Zuschüsse für 2021 wegen ihrer Ausgrenzungspraxis verweigert. Nun riskiert die Religionsgemeinschaft eine weitere Ohrfeige. Die Staatsverwalterin wird auch prüfen, ob Jehovas Zeugen als Religionsgemeinschaft registriert werden können.

Das Ministerium für Kinder- und Familienangelegenheiten hat zuvor Warnungen von ehemaligen Zeugen Jehovas wegen Ausschluss und Ächtung von Mitgliedern erhalten. Im Frühjahr 2021 verschickte das Ministerium daher eine zweiteilige Anordnung: Die Staatsverwalterin solle prüfen, ob die Angaben in den Warnungen möglicherweise für die Beantragung staatlicher Zuschüsse von Zeugen Jehovas relevant seien. Außerdem baten sie um eine Einschätzung, ob die Angaben für die Registrierung der Religionsgemeinschaft wichtig sind.

Auf dieser Grundlage entschied sich die Staatsverwalterin für die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens, in dem sie die eigenen Aussagen und Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas zum Thema Ausschluss überprüfte. „Bei dieser Überprüfung hat der Staatsverwalterin mehrere Verstöße gegen das Religionsgemeinschaftsgesetz aufgedeckt“, schrieb die Staatsverwalterin, als im Januar bekannt wurde, dass Jehovas Zeugen staatliche Zuschüsse verweigert werden.


Registrierung – Der Verlust der Registrierung auf diese Weise kann den Ausschlussgrad erhöhen. Wohin das konkret langfristig führen wird, wissen wir nicht, sagt Ingrid Rosendorf Joys, Generalsekretärin des Kooperationsrates der Religions- und Weltanschauungsgesellschaften. (Erlend Berge)

Ob Jehovas Zeugen die Voraussetzungen für die Eintragung von Religionsgemeinschaften erfüllen, ist nach Angaben der Staatsverwalterin noch nicht abschließend geklärt.

–  Der Fall werde noch bearbeitet, sagt Hege Skaanes Nyhus, Abteilungsleiterin bei der Staatsverwaltung in Oslo und Viken.


Zeugen Jehovas

  • Jehovas Zeugen sind eine Religionsgemeinschaft. Sie glauben, dass die Bibel von Gott (Jehova) geschrieben wurde, mit der Hilfe von Schreibern unter Gottes Anleitung. Daher wird die Bibel als das unfehlbare und vertrauenswürdige Wort Gottes und der einzig notwendige Leitfaden in allen Belangen des Lebens verstanden.
  • Jehovas Zeugen wurden in den 1870er Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet, zunächst als Bibelstudiengruppe. Schließlich entwickelten sie sich unter der Führung von Charles Taze Russell (1852-1916) zu einer Religionsgemeinschaft.
  • Laut eigenen Statistiken waren Jehovas Zeugen bis 2020 in 240 Ländern aktiv und hatten 8 424 185 Mitglieder (aktive Verkündiger) in 120 387 Versammlungen. Dazu kommen Kinder und andere, die keine aktiven Prediger sind.
    Quelle: Store norske leksikon und jw.org

Können Vorteile verlieren

Die Ablehnung, Zeugen Jehovas als Religionsgemeinschaft zu registrieren, kann praktische Folgen für die Glaubensgemeinschaft haben.

– Grundsätzlich kann man sagen, dass die Registrierung nach dem Gesetz bestimmte Rechte verleiht. So kann die Gemeinschaft z. B. das Recht auf Eheschließung, einen eigenen Begräbnisplatz und staatliche Subventionen beantragen, sagt Nyhus.

Zudem könne eine Registrierungsverweigerung eine große Symbolwirkung haben, so die Generalsekretärin von STL.

– Der Verlust der Registrierung auf diese Weise kann den Grad der Ausgrenzung erhöhen. Wozu das konkret langfristig führen wird, wissen wir nicht, sagt Ingrid Rosendorf Joys.

Anders sieht es in Fällen aus, in denen Religionsgemeinschaften aus praktischen Gründen die Registrierung verweigert wird, dabei verweist sie auf folgendes Beispiel:

Um registriert werden zu können, muss eine religiöse oder weltanschauliche Gemeinschaft mindestens 50 Mitglieder haben. Unterschreitet eine Religionsgemeinschaft diese Grenze, verliert sie die Registrierung. Dabei geht es um die Form. Aber bei den Zeugen Jehovas gehe es um den Inhalt der religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaft, sagt sie.

Joys weist darauf hin, dass Religionsgemeinschaften ihre Tätigkeit auch ohne Registrierung fortsetzen können, aber dadurch eine Reihe von Vorteilen verlieren, etwa die Möglichkeit, Stipendien auszulösen, sowie das Recht zu heiraten.

– Ist es schon einmal vorgekommen, dass einer religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaft auf dieser Grundlage die Registrierung entzogen wurde?

– Ich glaube nicht, dass es irgendeiner Konfession passiert ist, höchstens während des Zweiten Weltkriegs. Davor müssen wir wohl bis ins Jahr 1814 zurückgehen und in die Zeit des Dissensgesetzes. Da gab es einige Konfessionen, die außerhalb der guten Gesellschaft standen.

Berufung mitgeteilt 

Nach Angaben der Staatsverwalterin müssen entsprechend der Anordnung des unabhängigen Ministeriums vom vergangenen Frühjahr die Registrierungsbedingungen der Zeugen Jehovas überprüft werden. Nach dem neuen Religionsgemeinschaftsgesetz, das am 1. Januar vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, müssen alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften innerhalb von zwei Jahren erneut einen Antrag auf Registrierung stellen.

Im Januar wurden Jehovas Zeugen u. a. auf der Grundlage von § 6 KKG Zuwendungen verweigert, was die Landesverwalterin wie folgt begründete:

„Die Glaubensgemeinschaft lässt auch den Ausschluss von getauften Minderjährigen zu. Das bedeutet, dass Kinder ausgeschlossen werden können, wenn sie gegen die Regeln der Religionsgemeinschaft verstoßen. Wir glauben, dass dies eine negative soziale Kontrolle ist und die Rechte von Kindern verletzt. Ungetaufte Kinder, die gegen die Regeln der Religionsgemeinschaft verstoßen, können sozialer Isolation ausgesetzt sein. Dies wird auch als negative soziale Kontrolle und Verletzung der Kinderrechte wahrgenommen. Eine solche Behandlung von Kindern verstößt gegen § 6 KKG.“

§ 4 des Religionsgemeinschaftsgesetzes besagt, dass Religionsgemeinschaften „die Registrierung verweigert oder die Registrierung zurückgenommen werden kann, wenn eine oder mehrere der Voraussetzungen für die Verweigerung der Erteilung in § 6 vorliegen“.

Jehovas Zeugen haben angekündigt, in dem Fall beim Ministerium für Kinder- und Familienangelegenheiten vorzusprechen, und sie geben unter anderem an, dass „ihr Glaube und ihre religiösen Praktiken die Rechte und Freiheiten anderer uneingeschränkt respektieren“.

*Aufgabe einer/s Statsforvalters ist es, die Beschlüsse der Regierung und des Nationalparlaments Storting in den Fylkern (Verwaltungsregionen) durchzusetzen. Die Staatsverwalterin von Oslo und Viken ist die Politikerin Valgerd Svarstad Haugland.


Zum Artikel „Keine staatlichen Mittel mehr für Jehovas Zeugen in Norwegen“ geht es hier.

Auch Schweden will den Zeugen Jehovas staatliche Subventionen verweigern aufgrund der strengen Regeln, die im Gegensatz zu den Grundwerten der Gesellschaft stehen.

Informationen zur rechtlichen Stellung von Jehovas Zeugen in Deutschland und Österreich finden Sie hier.

Eine Übersicht zu Rechtssachen rund um Zeugen Jehovas finden Sie hier.

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Mitglied der Zeugen Jehovas verliert gegen JZ Help vor Gericht

Ein Zeuge Jehovas verbreitet auf YouTube hanebüchene Anschuldigungen gegen den OpferhilfeVerein JZ Help und ist dabei letztendlich nur der lange Arm eines destruktiven Kults.

Hintergrund des Verfahrens war ein Zeuge Jehovas, der seit 2020 auf seinem YouTube-Kanal haltlose Verleumdungen und Behauptungen zum Verein JZ Help und etlicher seiner Mitglieder verbreitete, darunter ein Sammelsurium an kriminellen Zuschreibungen, die dazu geeignet waren, die Reputation des Vereins massiv zu beschädigen. Der Verein initiierte daher bereits 2020 die rechtliche Auseinandersetzung mit besagter Person und obsiegte gerichtlich nicht unerwartet in diesem eindeutigen Fall.

Weitere Informationen finden Sie hier:
hpd, 11.02.2022, Mitglied der Zeugen Jehovas verliert vor Gericht