Norwegen: Zeugen Jehovas fühlen sich nach Urteil diskriminiert

BEZIRKSGERICHT OSLO
Die ehemaligen Zeugen Jehovas, Jan Frode Nilsen und Rakel Fjelltvedt, sind erleichtert, dass das Bezirksgericht zugunsten des Staates entschieden hat. Die Zeugen Jehovas erwägen eine Berufung.

Große Erleichterung nach Urteilsverkündung

Rakel Lima Fjelltvedt ist eine ehemalige Zeugin Jehovas. Sie wurde aus der Religionsgemeinschaft ausgeschlossen, nachdem sie beschlossen hatte, aus ihr auszutreten. Heute hat sie kaum noch Kontakt zu ihrer Familie. Sie lebt in Pollestad in der Gemeinde Klepp mit ihrem Sohn Matheo und ihren beiden Hunden.

„Die Zeugen Jehovas sind gigantisch. Man kann sich klein fühlen, aber mit dem Staat ist man ein bisschen größer und stärker“, sagt Rakel Lima Fjelltvedt, ehemalige Zeugin Jehovas.

Artikel von Ingvild Sandnes Kessel, Journalistin und Tove Bø, Leiterin der Sicherheitsabteilung
Veröffentlicht: 04/03/2024 17:09 Zuletzt aktualisiert: 04/03/2024 21:47
Übersetzt von JZ Help e.V.

Der Staat wird vom Osloer Bezirksgericht im Fall der Zeugen Jehovas freigesprochen. „Für uns ist das eine unglaublich große Erleichterung. Der Fall war für alle Beteiligten sehr emotional“, sagte ein gerührter Jan Frode Nilsen gegenüber Vårt Land. Er ist ein ehemaliges Mitglied der Zeugen Jehovas und war einer von mehreren, die vor dem Osloer Bezirksgericht aussagten, wie er aus seiner früheren Religionsgemeinschaft ausgeschlossen wurde.

Urteil wie erwartet!

Er ist von dem Urteil des Bezirksgerichts nicht überrascht: „Es ist wie erwartet. Die Sache ist juristisch gesehen felsenfest, und zwar von Anfang bis Ende“, sagt Nilsen.

Rakel Lima Fjelltvedt (Foto: Caroline Teinum Gilje)

Rakel Lima Fjelltvedt (26) stimmt Jan Frode Nilsen zu.
Fjelltvedt gehörte ebenfalls zu den ehemaligen Zeugen, die in dem Prozess über ihre Erfahrungen mit den Zeugen Jehovas sprachen. Es ist jetzt drei Jahre her, dass sie die Religionsgemeinschaft verlassen hat: „Es scheint ein sehr gründliches Urteil zu sein. Ich bin erleichtert, dass sie das hervorgehoben haben, was meiner Meinung nach in der Ausgrenzungspraxis problematisch war, und das Ausmaß der sozialen Kontrolle.“
Rakel Lima Fjelltvedt wurde aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen, nachdem sie selbst beschlossen hatte, aus ihr auszutreten. Heute hat sie nur noch minimalen Kontakt zu ihrer Familie.
Sie lebt in Pollestad in der Gemeinde Klepp mit ihrem Sohn Matheo und ihren beiden Hunden.

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RNZ-Untersuchung enthüllt 11 mutmaßliche Sexualstraftäter, die bei den Zeugen Jehovas aktiv sind

Die Zeugen Jehovas haben eine Reihe von Pädosexuellen in ihren Reihen, von denen die meisten Menschen in der Kirche nichts wissen.

Neu bei „Radio New Zealand“

Online-Artikel in der RNZ – Radio New Zealand vom 14.08.2023
Von Anusha Bradley


Übersetzt von JZ Help

Die Zeugen Jehovas haben eine Reihe von Pädosexuellen in ihren Reihen, von denen die meisten Menschen in der Kirche nichts wissen.
(Anm. JZ Help: Pädosexualität bezeichnet ein strafbares Verhalten, Pädophilie eine sexuelle Ausrichtung. Aus diesem Grund wird von Pädosexuellen und nicht wie im englischen Artikel von Pädophilen gesprochen.)

Eine RNZ-Untersuchung hat ergeben, dass 11 aktive Zeugen Jehovas wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt sind oder schwerwiegende Anschuldigungen gegen sie erhoben wurden. Die meisten Mitglieder der Religionsgemeinschaft scheinen keine Ahnung zu haben, wer die Täter sind.
(Anm. JZ Help: In Neuseeland gibt es ein sog. Child Sex Offender Register. Verurteilte Täter oder Täterinnen können darin für einen definierten Zeitraum auch nach Verbüßen der Strafe aufgeführt werden.)

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„ETWAS BÖSES“

„Die letzten Worte meiner Mutter, als ich zur Tür hinausging, waren:
‚Ich liebe Jehova mehr als dich!'“

Was passiert, wenn Menschen von den Zeugen Jehovas geächtet werden.

Ein Onlineartikel, erschienen bei „Radio New Zeeland“ am 10. August 2023
Von Investigativ-Reporterin Anusha Bradley
Übersetzt von JZ Help


WARNUNG: In dieser Geschichte geht es um schwere psychische Probleme, Depressionen und Suizid.


„Ich hatte den Ruf, eine sehr fleißige, besonnene, kritische Schwester in der Gemeinde zu sein … und dann wurde ich buchstäblich über Nacht zu etwas Bösem, etwas Schmutzigem, etwas, vor dem man Angst haben musste.“
*

Für Rachel Jackson ist binnen zwei Wochen alles vorbei.
Nach 22 Jahren bei den Zeugen Jehovas spürt sie, wie sich ihre gesamte Identität innerhalb von zwei Wochen auflöst, nachdem sie Zweifel an der Religion gestand.

Warum, so hatte sie gefragt, werden nur wir Armageddon überleben? Es gibt so viele andere gute Menschen. Warum nicht auch sie?
Sie begann, die Leitende Körperschaft der Religion, die als Sprachrohr Gottes gilt, in Frage zu stellen.

„Ich wurde von jemandem aus der Versammlung gemeldet“, sagt Rachel. „Ich sagte etwas zu ihr, woraufhin sie sehr wütend auf mich wurde und mich bei den Ältesten der Versammlung anzeigte.“
Zwei Älteste versuchten sie umzustimmen, aber ohne Erfolg. Sie sagten ihr, sie solle austreten oder rausgeschmissen werden – ‚disfellowshipped‘ [ausgeschlossen, Anm. JZ Help]- sagt sie.

Aber Rachel, die vom Katholizismus konvertiert war, weigerte sich. Ein Komitee [Ausschuss] der Ältesten wurde gebildet, um zu entscheiden, was mit ihr geschehen sollte. „Ich traf mich mit drei Ältesten und sie warfen mir Abtrünnigkeit vor, weil ich nicht akzeptierte, dass die leitende Körperschaft die Männer sind, die Jehova nutzt.“ Sie sagt, ihr wurde gesagt, dass ihr Ausschluss in zwei Wochen der Gemeinde mitgeteilt würde.

„Zwei Wochen später lösten sich alle meine Freundschaften der letzten 25 Jahre in Rauch auf.“ Niemandem wurde gesagt, warum Rachel ausgeschlossen wurde, aber alle mieden sie.


In der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas darf mit keinen Personen gesprochen werden, welche die Kirche verlassen oder aus ihr ausgeschlossen werden. Sie werden ausgestoßen, um ihr Leben ohne die wichtige Unterstützung derjenigen fortzusetzen, die weiterhin Zeugen sind.

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„Wir haben einen Schredder gekauft“

Zeugen Jehovas sollen Aufzeichnungen über sexuellen Missbrauch einer Teenagerin vernichtet haben.

Laut Anklage wurde eine Frau im Alter von 15 Jahren von anderen Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft sexuell missbraucht.
Ein Bericht von David Gambacorta vom 9. Juli 2023 im „The Philadelphia Inquirer“.
Übersetzt von JZ Help

Sarah Brooks wurde als Zeugin Jehovas erzogen. Als Teenager in York wurde sie zwei Jahre lang von zwei anderen Mitgliedern der Organisation sexuell missbraucht und dann gemieden, weil sie über ihren Missbrauch gesprochen hatte.

Sie brauchte jemanden, der sie rettet.

Als Sarah Brooks 15 Jahre alt war und 2003 mit ihrer Familie in York lebte, begannen zwei Erwachsene in ihrem Leben sie sexuell zu missbrauchen. Es waren Menschen, von denen sie dachte, sie könne ihnen vertrauen – Glaubensbrüder der Zeugen Jehovas.

Der Missbrauch dauerte mehr als ein Jahr an, bis Sarah zusammenbrach und sich ihren Eltern anvertraute. Diese alarmierten die Ältesten im Königreichssaal, in dem die Familie ihre Gottesdienste abhielt. Die Ältesten sind das Äquivalent zu Pfarrern.
Sarah hatte das getan, was man Kindern beibringt, wenn ihnen jemand wehtut. Und dann wurde ihr Trauma noch schlimmer.

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Hinweis JZ Help
Sollten Sie unter Folgen von Missbrauch leiden, können Sie hier Hilfe suchen!
Beratungsangebote allgemein
Hilfe bei sexuellem Kindesmissbrauch

Anklagen gegen weitere fünf Personen im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas in Pennsylvania

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2023 bei NBC Philadelphia
Ein Bericht von Maryclaire Dale – Übersetzt von JZ Help

Ein großes Geschworenengericht in Pennsylvania, das den sexuellen Missbrauch von Kindern in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas untersucht, hat fünf weitere Personen wegen Vergewaltigung oder Belästigung von Kindern bereits im Alter von 4 Jahren angeklagt – die jüngsten Entwicklungen in einer laufenden Untersuchung, die 14 Verdächtige identifiziert hat. 

Die Generalstaatsanwältin von Pennsylvania, Michelle Henry, sagte auf einer Pressekonferenz am Freitag, dass das Fehlverhalten zwar Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückliege, aber „das Trauma für die Opfer andauere“

Henry ging nicht auf den Umgang der Organisation mit den Beschwerden ein, sagte aber, die Ermittlungen würden fortgesetzt. 

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Hamburg

10. März 2023

Mit großer Bestürzung haben wir von der Tragödie in Hamburg erfahren. Wir sind zutiefst betroffen und sprechen den Angehörigen der Opfer, den körperlich wie auch psychisch schwer verletzten Menschen von Herzen unser Mitgefühl aus.
In dieser schweren Zeit sind wir in Gedanken bei ihnen.

Im Namen des gesamten Teams von JZ.help

+++ Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige / Stand 14. März 2023 +++

Telefon: 0800 000 7558

eMail: opferbeauftragter@soziales.hamburg.de


Medienmitteilung vom 19./20.07.2022

Zeugen Jehovas missachten fundamentale Rechte!
Gedenkaktion: Betroffene berichten.

Die Zeugen Jehovas missachten fundamentale Rechte, die Folgen sind für Betroffene verheerend. Darauf machen anlässlich des Gedenkanlasses für die Opfer der Wachtturm-Organisation Aktivist:innen weltweit sowie der im DACH-Raum tätige Verein JZ Help aufmerksam. Mit der „Aktion Loslassen“ vom 16. bis 23. Juli teilen Aussteiger:innen ihre Erfahrungen über soziale Medien. Sie treten mit anderen Ehemaligen in einen Austausch und geben gegenüber Journalist:innen Auskunft. [Lesen Sie die Fortsetzung hier…]