Kindesmissbrauch Kanada

Anklage im Fall der Missbrauchsvorwürfe gegen einen Ex-Zeugen Jehovas aus Quebec, Kanada.
2017 hatte das kanadische Radio über schwere Vorwürfe von Kindesmissbrauch innerhalb der Zeugen Jehovas in Kanada berichtet. In diesem Fall ist es nun zur Anklage gekommen.

Deutsche Übersetzung durch JZ Help e.V.:

Ex-Jehovas Zeuge wird wegen neuen Kindesmissbrauchs-Vorwürfen in Mont-Laurier, Quebec, angeklagt

Michel Courtemanche, 63, wurde freigesprochen, nachdem er 1996 eines der mutmaßlichen Opfer missbraucht hatte.

Pasquale Turbide – Radio-Kanada – Posted: 14. Februar 2019 4:30 AM ET | Zuletzt aktualisiert: 14. Februar

Bildlegende: Carolle Poudrier erzählte dem investigativen Programm Enquête von Radio-Kanada von angeblichem sexuellen Missbrauch durch Michel Courtemanche, und zwar über einen Zeitraum von mehreren Monaten als sie 11 Jahre alt war. (Jasmin Simard/Radio-Kanada)

Ein ehemaliger Zeuge Jehovas aus Mont-Laurier, Quebec, steht vor neuen Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen in seiner Versammlung in den 1980er Jahren – 23 Jahre nachdem er von dem sexuellen Missbrauch und unsittlichem Verhalten gegenüber einem der mutmaßlichen Opfer freigesprochen worden war.

Michel Courtemanche, 63, wird wegen dreifacher sexueller Übergriffe angeklagt. Bei einem davon geht es um sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen und bei einem um unsittliches Verhalten. Er wird am 18. März in Mont-Laurier, 240 Kilometer nordwestlich von Montreal, vor Gericht erscheinen, um sich zu diesen fünf Anklagepunkten zu äußern.

Es ist das zweite Mal, dass Courtemanche im Zusammenhang mit einer Klage des mutmaßlichen Hauptopfers, Pénélope Herbert, vor Gericht steht.

Link auf früheren Artikel – Die Polizei von Quebec untersucht mögliche Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in der Versammlung der Zeugen Jehovas: 
https://www.cbc.ca/…/quebec-jehovahs-witnesses-allegations-…

Im Jahr 2017 erzählte Herbert dem investigativen Programm Enquête von Radio-Kanada, dass sie gerade 11 Jahre alt war, als sie anfing, Courtemanches Kinder zu babysitten, während er eine Bibelstudiengruppe leitete.

Sie berichtete Enquête, dass ihr angeblicher Angreifer damit begann, sie an der Brust und den Genitalien zu berühren. Die Angriffe eskalierten, was mit 14 Jahren zu Geschlechtsverkehr führte.

„Er kam vorbei, um meine Eltern zu besuchen und über Nacht zu bleiben“, erinnerte sich Herbert, heute 44 Jahre alt, unter Tränen. „In diesen Nächten kam er in mein Zimmer. Ich rede von Vergewaltigung, Nacht für Nacht.“

Verpfuschte polizeiliche Ermittlungen

Laut Enquête haben Herberts Eltern eine interne Klage bei der Versammlung wegen der behaupteten Übergriffe auf ihre Tochter eingereicht.

Der Älteste, ein Freund von Courtemanche, soll Herbert nicht angehört haben, um die Details ihrer Beschwerde zu erfahren, wie es die Regeln der Gemeinschaft der Jehovas Zeugen in solchen Angelegenheiten vorschreiben würden.

Ernüchtert darüber, wie die Zeugen Jehovas mit ihrer Klage umgegangen waren, wandte sich Herbert 1995 mit ihre Anschuldigungen an die Polizei.

Courtemanche wurde angeklagt, aber ein Jahr später freigesprochen, nach einer, so manche Leute gegenüber Enquête, verpfuschten polizeilichen Untersuchung, bei der keine Zeugen befragt worden waren.

Courtemanche blieb nach seinem Freispruch Zeuge Jehovas, wurde aber 2014 schließlich ausgeschlossen, wie Enquête herausfand, nachdem zwei weitere Frauen interne Klagen erhoben hatten, in denen sie angaben, er habe sie als Minderjährige missbraucht.

Angebliche Opfer treffen sich

Bildlegende: Pénélope Herbert und Carolle Poudrier trafen sich 2015 und wandten sich nach einem Erfahrungsaustausch erneut an die Sûreté du Québec in Mont-Laurier, um 2017 Klage gegen Michel Courtemanche einzureichen. (Jasmin Simard/Radio-Kanada)

Fast 20 Jahre nach Courtemanches Freispruch traf sich Herbert mit Carolle Poudrier, die ihr berichtete, dass auch sie zweimal von Courtemanche sexuell missbraucht worden sei, einige Jahre vor den angeblichen Übergriffen auf Herbert.

Poudrier war damals 11 Jahre alt, aber sie sagt, dass sie sich noch genau daran erinnert, was ihr angeblicher Angreifer ihr gesagt hat.

„Er hockte sich neben mich und sagte mir: „Weißt du, du darfst nichts sagen, denn dein Vater, er wäre nicht glücklich. Du bist jetzt ein großes Mädchen, also wäre er nicht glücklich, dass du auf mir sitzt.“

„Ich sagte ihm: „Ich werde ihm nichts sagen.““

Poudrier gibt an, dass auch sie sich 1983 in der Gemeinde ihrer Versammlung in Terrebonne, nördlich von Montreal, an die Behörden wandte.

Es scheint, dass diese Informationen nie an die Leiter der Versammlung Mont-Laurier weitergegeben wurden, zu der Courtemanche und Herbert, damals ein Kind, gehörten.

Nachdem Poudrier und Herbert die Geschichte ihrer Erfahrungen ausgetauscht hatten, wandten sich die erwachsenen Frauen erneut an die Sûreté du Québec in Mont-Laurier, um 2017 Beschwerden einzureichen.

Andere Vorfälle führen zu neuen Anschuldigungen

Courtemanche kann von Gesetzes wegen nicht ein zweites Mal wegen angeblicher Verbrechen angeklagt werden, von denen er 1996 freigesprochen worden war.

Als Herbert jedoch zur Polizei zurückkehrte und anfing, die Chronologie der Übergriffe, die sie erlitten hatte, durchzugehen, erinnerte sie sich an zwei Vorfälle, von denen sie vergessen hatte, der Polizei zu erzählen, als sie vor 24 Jahren zum ersten Mal eine Beschwerde einreichte.

„OK, das sind zwei Dinge, mit denen wir vielleicht weitermachen können“, sagte der Ermittler zu ihr.

Diese beiden Vorfälle – einer, der sich in Laval ereignet hat, und ein zweiter, der in Montreal stattfand – bilden die Grundlage für die neuen Anklagen, die nach einer 18-monatigen Untersuchung durch die Sûreté du Québec erhoben wurden.