Offener Brief an „Jehovas Zeugen in Österreich“

Im Sinne der Kinderrechte:
Elf Forderungen anlässlich des Wachtturm-Opfergedenktages 2020

Anlässlich des internationalen Gedenktages für die Opfer der Wachtturm-Organisation wiesen Aktivisten unter dem Motto „Kinderrechte gelten für alle – auch für Kinder der Zeugen Jehovas!“ auf die schwierige Situation von Kindern in der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hin. Neben einer Kundgebung, die am Samstag, den 25. Juli 2020 im Zentrum Wiens am Stephansplatz stattfand, ging auch ein offener Brief an den Vorstand der Jehovas Zeugen in Österreich. Der Brief enthält elf Forderungen zur Respektierung der Kinderrechte bei den Zeugen Jehovas.

Erste Seite des offenen Briefes an den Vorstand der Jehovas Zeugen in Österreich.

In Österreich hat die Gemeinschaft der Jehovas Zeugen seit 2009 den Status einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft. In dieser Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nimmt sie Aufgaben öffentlichen Interesses wahr. Damit sind neben religiösen auch soziale, gesellschaftliche und kulturpolitische Aufgaben gemeint, die dem Gemeinwohl dienen. Außerdem genießen Jehovas Zeugen Österreich dadurch verschiedene Privilegien.

Die Erfahrung zeigt leider, dass die religiöse Praxis der Jehovas Zeugen Elemente beinhaltet, die mit diesem Anspruch in Konflikt stehen. Als Opferhilfeverein ist JZ Help täglich mit enormem Leid konfrontiert: An den Verein wenden sich Betroffene und Fachpersonen mit Berichten zu Formen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt innerhalb der religiösen Gemeinschaft. Besonders Kinder sind davon in hohem Maß betroffen.

Zuständigkeit: Das Kultusamt

In Österreich fallen die religiösen Interessen der Staatsbürger*innen dem Kultusamt zu. Religionsfreiheit umfasst einerseits Rechte, die Kirchen und Religionsgesellschaften bei der Religionsausübung haben, und andererseits die Individualrechte, die jede*r Bürger*in hat. Zu letzteren gehört das Recht, die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft frei zu wählen, diese wechseln oder auch gar keiner angehören. Problematisch wird es, wenn eine Religionsgemeinschaft praktiziert, dass jemand bei Austritt seine Familie und sein soziales Umfeld verliert – hier sehen wir das Individualrecht der Religionsfreiheit unterlaufen.

Das Kultusamt ist in Österreich die Anlaufstelle, wenn es um Anliegen der österreichischen Staatsbürger*innen im Zusammenhang mit gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaften, wie zum Beispiel der Jehovas Zeugen in Österreich, geht. (Jene liegen außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Bundesstelle für Sektenfragen, weshalb diese selbst bei häufigen Anfragen nicht tätig werden darf.) Probleme und negative Erfahrungen sollten daher dem Kultusamt mitgeteilt werden.


Jedes Kind der Welt hat ein Recht darauf, gesund und sicher aufzuwachsen, sein Potenzial zu entfalten, angehört und ernst genommen zu werden.

Konvention über die Rechte des Kindes

Die elf Forderungen im Überblick

  1. Aufhebung des Kontaktverbotes und Aufgabe der sozialen Ächtung
  2. Achtung des Individualrechtes der Religionsfreiheit
  3. Keine Verängstigung durch Vorstellungen wie Teufel, Dämonen und Harmagedon
  4. Keine Überforderung von Kindern durch die religiöse Praxis
  5. Keine soziale Ausgrenzung von Kindern
  6. Keine Stigmatisierung von politischer und gesellschaftlicher Partizipation
  7. Keine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung
  8. Keine Stigmatisierung von höherer Bildung oder Karriere
  9. Kein Blutverbot im medizinischen Bereich
  10. Klare Distanzierung von körperlicher Gewalt in der Erziehung
  11. Behandlung von sexueller Gewalt gegen Kinder als Verbrechen

Detailliertere Informationen zu den Forderungen:

Gericht bestätigt: Kritik an Jehovas Zeugen ist berechtigt

Medienmitteilung vom 8. Juli 2020

Wegweisendes Urteil rechtskräftig!

Zürcher Gericht bestätigt: Grundlegende Kritik an Jehovas Zeugen ist berechtigt
Die religiöse Praxis verstösst gegen elementare Rechte der Mitglieder
– Auch Kinder sind von Ächtung betroffen
Die Zwei-Zeugen-Regel begünstigt sexuelle Gewalt gegen Kinder

Zur vollständigen Medienmitteilung vom 8. Juli 2020

Pressestimmen

Frankfurter Rundschau (FR) – Artikel vom 22. Juli 2020
Ächtung und Wahrheit

Süddeutschen Zeitung – Artikel vom 16. Juli 2020
Zwischen Achtung und Ächtung

Beitrag bei Bruderinfo vom 11. Juli 2020
Schweizer Gericht bestätigt: Grundlegende Kritik an Jehovas Zeugen ist berechtigt

HPD-Interview mit Regina Spiess vom 10. Juli 2020
„Ein Staat darf Ächtung niemals dulden“

Frankfurter Allgemeine (FAZ) – Artikel vom 10. Juli 2020
Der Prüfstein des Astoßes

Deutschlandradio – Beitrag vom 9. Juli 2020
Opferverein wirft Zeugen Jehovas Verstoß gegen Menschenrechte und die Verfassung vor

HPD – Humanistischer Pressedienst – Beitrag vom 9. Juli 2020
Zürcher Gericht bestätigt: Grundlegende Kritik an Jehovas Zeugen ist berechtigt

Schweizer Radio SRF – Beitrag in der Nachrichtensendung Rendez-vous am Mittag vom 9. Juli 2020
Urteil im Mobbing-Fall gegen Zeugen Jehovas (Website SRF)
Urteil im Mobbing-Fall gegen Zeugen Jehovas (podcast.de)
Artikel bei SRF und Interview mit Sektenexperten (ohne Anmoderation)

Neue Zürcher Zeitung (NZZ) – Artikel vom 9. Juli 2020
Die Zeugen Jehovas betreiben Mobbing, das bestätigt ein Zürcher Gericht – und bringt die Gemeinschaft damit auch in Deutschland in Verlegenheit

Richard Dawkins Foundation – Beitrag vom 9. Juli 2020
Wegweisendes Urteil rechtskräftig – Zürcher Gericht bestätigt: Grundlegende Kritik an Jehovas Zeugen ist berechtigt

Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne – FB-Post vom 8. Juli 2020
Einzigartiges Züricher Urteil zu Zeugen Jehovas auch in Deutschland wichtig.

kath.ch – Medienspiegel vom 8. Juli 2020
Wegweisendes Urteil rechtskräftig!

Aus jw.help wird jz.help

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Mit Gründung des Vereins JW Opfer Hilfe e.V. vor etwas über 2 Jahren haben wir uns hauptsächlich an Zeugen Jehovas und Betroffene dieser Gemeinschaft gewandt. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt entschieden, die Buchstaben JW auch in unserem Markenauftritt zu verwenden, da Insider die Buchstaben JW und JW.ORG sehr gut als Identifikation von Jehovas Zeugen erkennen.

Von Personen außerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas erhielten wir dagegen immer wieder Nachfragen, was JW denn bedeute und wir mussten erklären, dass die Buchstaben für den englischen Namen von Jehovas Zeugen „Jehovah’s Witnesses“ stehen.

Im letzten Jahr wurde dann unsere Marke jw.help von der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania attackiert und Widerspruch gegen die Marke und die Verwendung der Buchstaben JW im Vereinsnamen eingelegt. Aus unserer Sicht ist das Ansinnen der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania zwar rechtlich unbegründet, trotzdem möchten wir einen kostspieligen Rechtsstreit vermeiden. Wir wollen nicht unsere Zeit, Kraft und Mittel für die Verteidigung einer Marke einsetzen, sondern der Hilfe für Betroffene zukommen lassen.

Deshalb haben wir uns entschieden künftig als JZ Help aufzutreten. Unsere Sozialen Kanäle werden wir in den nächsten Tagen und Wochen umstellen. Die Marke JZ ist im deutschen Markenregister ohne Widerspruch eingetragen.

Leider kann es für Sie dazu kommen, dass ihre gespeicherten Links verloren gehen. Bitte denken Sie an die anschließende Aktualisierung.

Verschieben Jehovas Zeugen Geld, um Entschädigungszahlungen zu umgehen?

Übersetzung des Artikels
„Jehovah’s hiding money – sex-abuse victims attack evasive actions“
Australien, Sunday Mail – 14 Juni 2020 von Natalie O’Brien

Jehovas Zeugen verstecken Geld – Opfer von sexuellem Missbrauch greifen Ausweichmanöver an

Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas wird beschuldigt, Vermögenswerte verkauft und Bargeld ins Ausland transferiert zu haben, um Entschädigungszahlungen an australische Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch zu umgehen.

Den Behörden wird vorgeworfen, Angaben von Informanten nicht geprüft zu haben, wonach die Zeugen Jehovas ihr Geld möglicherweise schon vor dem 30. Juni, dem Stichtag für den Beitritt zum Nationalen Entschädigungsprogramm, versteckt haben.

Die Jehovas Zeugen werden von der „Australian Royal Commission“ (Kommission für institutionelle Gegenmaßnahmen bei sexuellem Kindesmissbrauch) mit 1800 potenziellen Opfern und mehr als 1000 mutmaßlichen Pädophilen, von denen 537 ein Schuldbekenntnis abgaben, genannt. Es scheint, dass die religiöse Organisation keinen einzigen Fall der Polizei gemeldet hat. Die schiere Anzahl der potentiellen Opfer und Täter übertrifft, gemessen an der Zahl der Mitglieder, die der katholischen Kirche und verpflichtet die Organisation zu einer finanziellen Entschädigung von möglicherweise 132 Millionen Dollar.

Doch die Zeugen Jehovas, die in Australien fast 68.000 Mitglieder zählen, haben sich nicht dazu geäußert, ob sie sich dem Entschädigungsprogramm (Redress Scheme) anschließen werden. Stattdessen haben sie begonnen, die Finanzen und Rechtsträger neu zu organisieren.

Seit der Ankündigung der Australian Royal Commission im Jahr 2012 haben die Zeugen Jehovas mit der Umstrukturierung ihrer Wohltätigkeitsorganisationen und Körperschaften begonnen. Aus einer Handvoll Wohltätigkeitsorganisationen erwuchsen 836 separate kleine religiöse Basis-Wohltätigkeitsorganisationen. 766 davon sind jetzt aktiv, nachdem sie am 3. Dezember 2012 auf der Website der Australian Charities and Not for Profits Commission (ACNC) registriert wurden. Kleine religiöse Basis-Wohltätigkeitsorganisationen sind nicht verpflichtet, finanzielle Angaben zu machen.

Nur eine Wohltätigkeitsorganisation (die Watchtower and Bible & Tract Society of Australia Ltd) hat Finanzberichte an die ACNC geliefert. Sie gab der UK International Bible Students Association IBSA (aufgelistet in den UK IBSA 2015 Konten) ein Darlehen von etwa 6 Millionen Dollar, ohne kurzfristige Rückzahlungspläne. Gegenüber der ACNC wies die Wohltätigkeitsorganisation über 150 Millionen Dollar an Einnahmen seit 2014 aus. Sie legte Finanzberichte vor, aus denen hervorgeht, dass sie in den Jahren 2018 und 2019 mit Verlust wirtschaftete, nachdem sie in den drei Jahren zuvor Überschüsse erzielt hatte. 

Whistleblower meldeten, dass Jehovas Zeugen seit 2012 angeblich für mehr als 24 Millionen Dollar Grundstücke verkauft haben sollen. 

Als sie kontaktiert wurden, antworteten die Jehovas Zeugen: „Wir haben Ihre Anfrage geprüft, da jedoch die Fragen auf sachlichen Ungenauigkeiten und falschen Annahmen zu beruhen scheinen, lehnen wir die Beantwortung höflich ab“. Die Zeugen Jehovas wurden gebeten, die Ungenauigkeiten und falschen Annahmen darzulegen, antworteten aber nicht.

Zwei Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas, Lara Kaput und Steven Unthank, die die Website SaySorry.org gegründet haben, hatten erfolglos versucht, die Behörden, die Finanzaufsicht „Austrac“ und die australische Bundespolizei zu alarmieren – dies aufgrund wachsender Befürchtungen, die Religionsgemeinschaft versuche sich ihren Verpflichtungen gegenüber den Opfern zu entziehen. 

Ein Sprecher von Austrac und der AFP sagte, dass die Behörden weder bestätigen noch dementieren wollen, dass sie möglicherweise bestimmte Maßnahmen ergreifen.

„Die Zeugen Jehovas haben sich nicht nur geweigert, dem nationalen Wiedergutmachungsprogramm beizutreten, sondern scheinen auch sicherzustellen, dass sie nicht über die erforderlichen Mittel für eine finanzielle Wiedergutmachung verfügen“, sagte Frau Kaput. „Die Behörden haben uns wirklich im Stich gelassen.“

Senatorin Anne Ruston, Ministerin für Familien und soziale Dienste, sagte, ab dem 1. Juli werde die Bundesregierung „Institutionen beim Namen nennen, anprangern und finanzielle Sanktionen, wie die Aberkennung des Wohltätigkeitsstatus in Erwägung ziehen“, wenn sie dem Programm nicht beitreten würden.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

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Entschädigungsfond für Missbrauchsopfer in Australien

In einer Meldung von  28.02.2019 hat die australische Regierung mehr als 100 Institutionen aufgelistet – darunter auch Jehovas Zeugen –, die sich bisher nicht dem nationalen Entschädigungsfond für Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch angeschlossen haben. Die Regierung setzt nunmehr eine letzte Frist und droht finanzielle Strafen und den Verlust der Gemeinnützigkeit an.

Der Verwaltungsausschuss des australischen Entschädigungsfonds (Ministers‘ Redress Scheme Governance Board) hat seinen Standpunkt bekräftigt, dass es inakzeptabel ist, wenn Institutionen, die die Fähigkeit haben, dem Fond beizutreten, dies nicht tun. Der Ausschuss setzt sich dafür ein, dass so viele Betroffene von institutionellem sexuellem Kindesmissbrauch wie möglich Zugang zu Schadensersatz bekommen.

Institutionen, die in der Royal Commission oder in einem beim Fond eingegangenen Antrag genannt werden, müssen bis spätestens 30. Juni 2020 eine klare schriftliche Erklärung abgeben, in der sie ihre Absicht darlegen, dem Fond beizutreten. Von diesen Institutionen wird erwartet, dass sie dem Fond so bald wie möglich, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 2020 beitreten. Dieser zusätzliche Zeitraum spiegelt die maximale Zeit wider, die für den Abschluss des Eingliederungsprozesses benötigt wird, und berücksichtigt die veränderte Kapazität vieler Institutionen aufgrund der Coronavirus-Pandemie (COVID-19).

Es gibt keine Entschuldigung für Institutionen, die seit vielen Monaten wissen, dass sie in einem Entschädigungsantrag namentlich genannt wurden, aber den Beitritt verweigert haben. Wenn bis zum 30. Juni 2020 eine Institution ihre Absicht, dem Fond beizutreten, nicht signalisiert hat, werden sie unverzüglich vom Fond in Übereinstimmung mit den Rechtsvorschriften öffentlich benannt, und die Justiz wird weitere entsprechende Maßnahmen in Erwägung ziehen. 

Dazu können finanzielle Sanktionen der Regierungen von Staaten, Territorien oder des Commonwealth, sowie Änderungen des Wohltätigkeitsstatus einer Organisation gehören. Die namentliche Bekanntgabe von Organisationen ist notwendig, um sicherzustellen, dass Personen, die Zugang zum Hilfsprogramm haben wollen, den Status der entsprechenden Institutionen kennen. Die Minister haben ebenfalls vereinbart, dass der Fond, wenn es nach Ablauf der Frist vom 30. Juni 2020 einen Antrag erhält, in dem eine bisher nicht namentlich genannte, nicht teilnehmende Institution gemeldet wird, mit dieser Institution Kontakt aufnimmt und ihr sechs Monate Zeit zum Beitritt gegeben wird. 

Sollte diese Institution dem Programm nicht innerhalb der sechs Monate beitreten, wird die Institution in Übereinstimmung mit den Rechtsvorschriften öffentlich bekannt gegeben, und die Gerichte können andere angemessene Sanktionen erlassen. Dadurch erhalten Überlebende, die Opfer eines Missbrauchs in einer noch nicht namentlich genannten Einrichtung wurden, die Gewissheit, dass sie ihren Antrag zu einem späteren Zeitpunkt stellen können. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass die Organisationen den Beitrittsprozess nicht in die Länge ziehen können, was den Betroffenen noch mehr Schaden hätte zufügen können.

Darüber hinaus wird es Institutionen, die bereits an dem Fond teilnehmen, erlaubt sein, nach dem Stichtag des 30. Juni 2020 weitere Institutionen zu ihren teilnehmenden Gruppen hinzuzufügen.

Diese Maßnahmen stellen sicher, dass möglichst viele Hinterbliebene von institutionellem sexuellem Kindesmissbrauch über den 30. Juni 2020 hinaus Zugang zu Entschädigungen haben, während gleichzeitig gewährleistet wird, dass jene Institutionen, die ihre Pflicht gegenüber den Betroffenen nicht erfüllt haben, indem sie sich dem Fond nicht beigetreten sind, zur Verantwortung gezogen werden.

Der Beitritt zum Fond zeugt von einer starken organisatorischen Führung und dem Engagement, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Der Ausschuss fordert alle relevanten Institutionen auf, sich so bald wie möglich auf dem Fond beizutreten.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

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Zeugen Jehovas „weigerten sich, Einzelheiten des sexuellen Missbrauchs durch Kirchenältesten offenzulegen“

Quelle: birminghammail.co.uk, 12.04.2020- Übersetzung durch jw.help

Clifford Whiteley, 73, wurde wegen Straftaten inhaftiert, aber das Gericht teilte der Kirche mit, er habe sich geweigert, Einzelheiten darüber preiszugeben, was er ihnen erzählte.

Eine Gruppe der Zeugen Jehovas weigerte sich, der Polizei zu helfen, nachdem ein pädophiler Ältester ihnen gegenüber seine Taten gestanden hatte. 

Clifford Whiteley, 73, hatte den Kindesmissbrauch in einem Zweig der Gemeinde in West Midlands zugegeben, nachdem er den Missbrauch vor mehr als zehn Jahren verübt hatte. Dem Gericht wurde bekannt, dass sich die Gruppe angeblich weigerte, Einzelheiten dieses Geständnisses der Polizei gegenüber offenzulegen – auf Grund des Datenschutzes.

Nach seiner Verhaftung durch die Polizei leugnete Whiteley zunächst seine Taten, bevor er sagte: „Mein Leben ist jetzt vorbei. Jehovas Zeugen können nicht lügen. Gott wird mich richten.“ Whiteley aus Ball Fields, Great Bridge, Tipton, wurde zu neun Jahren Haft vom Birmingham Crown Gericht verurteilt.

Er hatte sich zuvor des sexuellen Übergriffs auf ein Kind sowie drei weiterer schwerer Sexualdelikte schuldig bekannt. Bei der Urteilsverkündung sagte ihm Richter Paul Farrer: „Sie haben Ihre Religion benutzt, um Ihr Opfer davon zu überzeugen, dass es sich an Ihrem Fehlverhalten mitschuldig gemacht hat und haben versucht es auf diese Weise zum Schweigen zu bringen, was Ihnen leider viele Jahre gelungen ist.“

Das Gericht erfuhr, dass das Opfer bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen war, während der Angeklagte ein Ältester in einer Gemeinde in West Midlands war. Die Staatsanwältin Kathryn Orchard sagte, das Opfer habe versucht, die Vergehen „auszublenden“. Doch nachdem sie enthüllt hatte, was mit ihr geschehen war, kam es zu einem Treffen mit weiteren Verantwortlichen der Religionsgemeinschaft, bei dem Whiteley die Anschuldigungen dementierte.

Frau Orchard berichtete, dass die Zeugen Jehovas ebenfalls eigene Untersuchungen eingeleitet hätten und der Angeklagte gestanden habe. Aber es wurde reklamiert, dass die Gruppe sich weigerte Details der Aussagen von Whiteley preiszugeben als die Polizei die Verantwortlichen danach fragte. Frau Orchard zufolge hatte der Angeklagte auch keine Fragen der Polizei beantwortet.

Aber es wurde behauptet, als die Polizei später nach den Details von Whiteley fragte, weigerte sich die Gruppe, sie preiszugeben.

Der Richter wies darauf hin, dass das Opfer schwere psychische Schäden erlitten habe und dass diese dauerhaft seien. Die Verteidigerin, Sharon Bailey, sagte, Whiteley habe eine Reihe von gesundheitlichen Problemen, die sich mit der Zeit verschärfen würden. Sie erklärte, er sei nicht dafür verantwortlich gewesen, dass die Zeugen Jehovas sich weigerten, sein Geständnis preiszugeben. Das war eine Entscheidung, die angeblich aus Datenschutzgründen getroffen wurde.

Älteste der Zeugen Jehovas weigern sich mit den Strafbehörden zusammenzuarbeiten. Das ist jedoch kein Einzelfall, sondern genau so vorgegeben in den Anweisungen an die Ältesten im Religionsrecht.

Weitere Information zum Thema „Kindesmissbrauch“ sind hier zu finden.

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Jehovas Zeugen & Corona: Indoktrination statt Fürsorge

Weltweit. Anstatt die Mitglieder zur Nächstenliebe und Befolgung biblischer Maßstäbe aufzufordern, wie z.B. „nach Witwen und Waisen in ihrer Drangsal zu sehen“ (Jakobus 1:27), steht die Mitgliederwerbung und Indoktrination an erster Stelle.

Überall rücken Menschen näher zusammen und sind besorgt umeinander. Selbst in den sonst anonym gewordenen Großstädten ist eine Welle der Solidarität zu spüren. Es wird kosten- und selbstlos Hilfe geboten. Beispiele finden sich an Haustüren, schwarzen Brettern, Litfaßsäulen, Ampel- und Laternenmasten, in sozialen Netzwerken, usw. Ein Anruf genügt und fremde Menschen gehen kostenlos und in Vorkasse für Hilfsbedürftige einkaufen.

Quelle: rbb24.de

Während sich in der Gesellschaft immer neue Formen der Solidarität und Hilfe finden lassen, sind Jehovas Zeugen besorgt, Mitglieder zu verlieren. Es wird verstärkt darauf fokussiert, Mitglieder online zu erreichen, so dass sie der Indoktrination weiterhin zugänglich bleiben. Diese erfolgt über Ansprachen und in Vorträgen auf deren Internetseite (jw.org) und die Apps.

Hier ein Ausschnitt aus den neusten Nachrichten der Jehovas Zeugen:

Quelle: https://www.jw.org/de/neu-auf-unserer-website/

In diesen Texten ist z.B. Folgendes zu lesen:

In Rom zum Beispiel lebt eine 94-jährige Schwester, die sich 1952 taufen ließ. Schon vor der Pandemie konnte sie das Haus nicht mehr verlassen und auch nicht an den Zusammenkünften ihrer Versammlung teilnehmen. Sie sah sich das Programm auf JW Stream an. Jetzt, wo die Ältesten ihrer Versammlung die Zusammenkünfte per Videokonferenz durchführen, kann sie wieder die Brüder und Schwestern ihrer eigenen Versammlung hören und sehen.

Es irritiert, dass in diesem Beispiel ganz grundlegende Bedürfnisse dieses Gemeindemitglieds gar nicht zur Sprache kommen: Die zunehmende Einsamkeit, wenn Besuche nicht mehr möglich sind, die Frage, ob möglicherweise die Angehörigen Unterstützung brauchen, vielleicht sollten sie selbst das Haus ja auch nicht mehr verlassen? Wie immer, wenn es bei der Wachtturm-Organisation um angebliche Hilfe oder vermeintlichen Trost geht, steht nicht der betroffene Mensch im Zentrum, sondern die Organisation.
Natürlich kann man sich gut vorstellen, dass diese alte Dame sich gefreut haben mag, Menschen aus ihrer Versammlung in der Videokonferenz zu sehen. Nur fragt man sich, wo wohl all diese Brüder und Schwestern bisher gewesen sind.

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Die Corona-Krise und die Folgen für Zeugen Jehovas-Betroffene

Menschen mit Zeugen Jehovas-Vergangenheit sind auf die Katastrophe, auf Harmagedon hinsozialisiert worden. Wenn eine reale Krise auftritt, erleben die meisten noch stärkere Ängste als andere. Hier findest du Fakten gegen Ängste! Und ein paar Gedanken dazu, wie die aktuelle Situation (ehemalige) Zeugen Jehovas zusätzlich betreffen kann.

Hilfreiche Fakten

Die Corona-Krise stellt eine enorme Herausforderung dar: Für die Älteren unter uns und jene mit gesundheitlichen Belastungen kann eine Erkrankung sehr gefährlich sein, alle müssen wir uns neu organisieren und viele von uns fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz – wir erleben eine absolute Ausnahmesituation. Viele (ehemalige) Zeugen Jehovas dürften sie jedoch als noch krisenhafter erleben.

Hast Du Angst?

  • … dass das Coronavirus SARS-CoV-2 und die damit verbundene COVID-19-Pandemie („Seuche“), eine Bestätigung ist, dass wir in den letzten Tage leben (Lukas 21:11; 2. Timotheus 3:1-5)?
  • … dass Lebensmittelknappheit ein Zeichen für die letzten Tage ist (Matthäus 24:7; Lukas 21:11; Offenbarung 6:5, 6)?
  • … COVID-19 eine Bestätigung ist, dass der apokalyptische Reiter des fahlen Pferdes unterwegs ist (Offenbarung 6:8)

Hier einige Fakten!

Vier Beispiele, die verdeutlichen, dass wir weder in den letzten Tagen noch in einer schlechter werdenden Welt leben:

  1. Hungersnöte
  2. Armut
  3. Naturkatastrophen
  4. Allgemeine (Verschlechterung der) Lebensbedingungen

1. Hungersnöte: 

Es gibt weder eine über die Jahre zunehmende Lebensmittelknappheit noch zunehmende Hungersnöte.

Hungersnöte seit den 1860ern und Anzahl der Verstorbenen

Kernaussage

  • Hungersnöte kommen und gehen. Keineswegs lässt sich seit den 1860ern – und schon gar nicht seit 1914 – ein Anstieg nachweisen. Im Gegenteil, insbesondere im Verhältnis zur Entwicklung der Weltbevölkerung, zeigt sich ein eindeutiger Rückgang an Hungersnöten.
Jährliche Sterberate aufgrund von Hungersnöten

Kernaussage

  • Hungersnöte kommen und gehen. Keineswegs lässt sich seit den 1860ern – und schon gar nicht seit 1914 – eine Zunahme der jährlichen Sterblichkeit nachweisen. Im Gegenteil, es zeigt sich ein eindeutiger Rückgang der Sterberate!

Was sagen hingegen Jehovas Zeugen?

…DER REITER DES SCHWARZEN PFERDES

[…] Dieser Reiter steht für Hunger. […]

Gibt es Beweise dafür, dass der Reiter des schwarzen Pferdes seit 1914 unterwegs ist? Absolut! Man schätzt die Zahl der Hungertoten im 20. Jahrhundert auf 70 Millionen! In einem Bericht hieß es: „Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.“ In einem anderen Bericht hieß es, dass „805 Millionen Menschen — rund jeder Neunte der Weltbevölkerung — im Zeitraum von 2012 bis 2014 chronisch unterernährt waren“. Trotz vieler aufrichtiger Bemühungen, die Lage zu verbessern, stürmt der Reiter des schwarzen Pferdes unaufhaltsam weiter.“

 Die vier Reiter der Apokalypse: Wer sind sie? (JW.ORG)
Die 4 Reiter der Apokalypse
Quelle: JW.ORG
  • Falsch: Es scheint, der Reiter des schwarzen Pferdes hat sich mächtig vergaloppiert. 😊

2. Armut

Wahrnehmung und Realität stimmen nicht überein. Die Realität zeigt eindeutig: Armut nimmt weltweit ab.

Die öffentliche Wahrnehmung hinsichtlich der Änderung globaler Armut

Kernaussage

  • Laut Wahrnehmung (insbesondere in „reichen“, „westlichen“ Staaten) hat der Anteil der Menschen in extremer Armut in den letzten 20 Jahren zugenommen. Allerdings: dies ist FALSCH.
  • Die konträre Realität zur mehrheitlichen Wahrnehmung zeigt sich in der nächsten Abbildung.
Anzahl der Menschen in Armut

Kernaussage

  • Die weltweite Armut hat absolut und insbesondere in Relation zur Weltbevölkerung stark abgenommen.

3. Naturkatastrophen und Seuchen

Entgegen diverser Verlautbarungen, dass Erdbeben & Co. zunehmen: Dies ist eindeutig falsch!

Die Entwicklung von Pandemien (Seuchen)
COVID-19 Pandemie: Stand 07.04.2020

Kernaussage

  • Seuchen / Pandemien kommen und gehen seit hunderten von Jahren. Wir müssen sie ernst nehmen. Wissenschaft trägt dazu bei, sie zu erforschen und uns zu schützen.
Jährliche globale Sterblichkeit aufgrund von Naturkatastrophen

Kernaussage

  • Die Sterblichkeitsrate ist seit Beginn des letzten Jahrhunderts eindeutig rückläufig.
Anzahl der Tode verursacht durch Erdbeben

Kernaussage

  • Erdbeben sind singuläre Ereignisse. Ein Trend bzgl. Zu- oder Abnahme lässt sich nicht nachweisen.

Was sagen Jehovas Zeugen?

Die Antwort der Bibel

Die Bibel beschreibt Ereignisse und Zustände, an denen der „Abschluss des [gegenwärtigen] Systems der Dinge“ — auch bekannt als „Ende der Welt“ — zu erkennen wäre (Matthäus 24:3, Einheitsübersetzung). Die Bibel nennt diese Periode „Zeit des Endes“ oder auch „letzte Tage“ (Daniel 8:19; 2. Timotheus 3:1). Hier einige herausstechende Merkmale der Endzeit:
[…]
– schwere Erdbeben (Lukas 21:11)
– Seuchen und Epidemien (Lukas 21:11)
[…]

Was ist das Zeichen der “letzten Tage”? (JW.ORG)
  • Nichts deutet auf obige Annahmen hin!
Weltweite Sterberate durch Naturkatastrophen

Kernaussage

  • Naturkatastrophen verzeichnen viele Tote. Eine Tendenz hinsichtlich Verschlechterung seit den letzten Jahrzehnten lässt sich nicht erkennen. Im Gegenteil! Verbesserungen der Lebensbedingungen (siehe 4.Allgemeine Lebensbedingungen), Hygiene, stabilere Wohnhäuser und, und, und… tragen dazu bei.
Sterblichkeit durch Naturkatastrophen i.V.z. allg. Sterblichkeit

Kernaussage

  • So schlimm Tode durch Naturkatastrophen sind. Die Anzahl im Vergleich zu allgemeiner Sterblichkeit schwankt zwischen 0 bis 0,4%!

4. Allgemeine Verschlechterung der Lebensbedingungen

Nichts deutet auf eine Verschlechterung der Welt, hingegen ALLES auf eine Verbesserung (Statistische Schwankungen und Einzelschicksale bedeuten nicht das Gegenteil)

Global Ungleichheit der Lebensbedingungen (bei gleichzeitiger Entwicklung über die Zeit; 1800 – bis heute)

Kernaussage

  • Es gibt nach wie vor starke globale Unterschiede der Lebensbedingungen, ABER: in allen Bereichen haben sich die Zustände seit 1800 kontinuierlich enorm verbessert.
Ursachen der Sterblichkeit

Kernaussage

  • Muss wirklich insbesondere die Anzahl der Toten durch Naturkatastrophen (Natural disasters) herausgestellt werden?
    Naturkatastrophen stehen an letzter Steller in obiger Grafik!
Bevölkerungsanteil mit Zugang zu Grundbedürfnissen

Kernaussage

  • Die Lebensbedingungen der Menschen verbessern sich kontinuierlich. Wir leben global gesehen in einer stetig besseren Welt.
Entwicklung der Lebenszeit seit Beginn der Neuzeit

Kernaussage

  • Ist der globale Anstieg der allgemeinen Lebenserwartung nicht durchaus positiv?

Menschen mit Zeugen Jehovas-Vergangenheit sind vulnerabler

Zeugen Jehovas werden auf das Weltende hinsozialisiert. Ihr Lebenszweck ist Harmagedon zu überstehen, die große Endschlacht, in der Jehova die Ungläubigen aber auch die Nicht-genügend-Gläubigen vernichtet.

Sozialisationsziel Weltende

Harmagedon, so die Doktrin, steht unmittelbar bevor, es ist so nah, dass sich höhere Bildung für junge Menschen nicht mehr lohnt und Gläubige stattdessen möglichst viele Menschen «retten» sollen. Für die religiöse Praxis wenden Zeugen Jehovas 17.5 Stunden pro Woche auf – neben Beruf und Familie. Mit anderen Worten: Zeugen Jehovas leben in einem permanenten Ausnahmezustand, die Krisensituation ist sozusagen ihr Default-Modus. Das kommt nicht von ungefähr.

Schon ganz kleine Kinder werden mit Bildern vom Untergang, von Tod und Zerstörung verängstigt. Die Hauptbotschaft von Wachtturm-Medien ist: Sei folgsam, damit du überlebst. Oder anders ausgedrückt: Wenn Du nicht gehorchst, stirbst Du fürchterlich. Oder du verlierst alle Menschen, die du liebst. Und das ist keine leere Drohung. Jedes Zeugen Jehovas-Kind hat erlebt, dass Menschen verschwinden: ein Geschwister, ein Onkel oder gar ein Elternteil, mit denen jeder Kontakt abgebrochen wurde. Zeugen Jehovas-Kindern wird Angst regelrecht ankonditioniert. Angst ist die Grundlage des Glaubens an die Vernichtung und die Folge davon.

In der Versammlung, im Heimbibelstudium oder bei Sommer-Kongressen – es geht permanent um das bevorstehende Weltende, seit mehr als 140 Jahren. Jede reale Krise wird genutzt um klarzumachen, dass wir in den letzten Tagen leben, gar in den letzten der letzten Tage, so Lett im jüngsten Broadcasting-Beitrag. Reale Krisen scheinen Jahrzehnte geistiger Ausgangssperre zu legitimieren. Und es gab viele Krisen und fürchterliche Kriege – aber kein Weltende. Weder 1914, noch 1925, noch 1975, noch per Jahrtausendende, noch nach dem Tod der 1914 Geborenen.

Stephen Lett, Mitglied der Leitenden Körperschaft der Jehovas Zeugen erklärt angesichts der COVID-19 Pandemie, „wir leben zweifellos in der Schlussphase der Schlussphase, kurz vor dem letzten Tag der letzten Tage“.

Seit der Corona-Krise prangt auf der Website der Organisation ein angsteinflößendes Bild der vier apokalyptischen Reiter und es heißt, die Prophezeiung über den Reiter des fahlen Pferdes, der «für Seuchen und Todesursachen» stehe, würden sich erfüllen. Das ist falsch, wie oben ausgeführt wurde.

Bilder von Krankheit und Ansteckung im Sprachgebrauch

Richtig scheint jedoch zu sein, dass für die Wachtturm-Organisation die Corona-Krise eine besonders «gute» Krise ist. Nicht nur, weil die vielen Skandale um Kindesmissbrauch und die aktuellen Untersuchungen dazu in den Hintergrund treten. Sondern auch, weil extreme Sekten häufig über zwei Sektenmerkmale verfügen:
1. Die extreme Beschränkung der Zeit bis zum Weltende. Damit kann man Menschen besonders gut unter Druck setzen und ängstigen.
2. Bilder von Krankheit und Ansteckung. Die aktuelle Pandemie kann von der Wachtturm-Organisation nicht nur als «Zeichen» für die letzten Tage herangezogen werden. Sie verkörpert vielmehr das verseuchte Sündige oder ansteckende Böse, von dem Zeugen Jehovas täglich gewarnt werden.

Das Bild einer großflächigen ansteckenden Erkrankung aktiviert in (ehemaligen) Zeugen Jehovas unvergleichlich mehr negative Bilder, Vorstellungen, Assoziationen und Gefühle als bei anderen Menschen. Es gibt Dutzende von Sprachbildern im Sprachgebrauch der Wachtturm-Organisation rund um Ansteckung und Krankheit. Allein schon der Begriff «Welt» hat, so wie darüber gesprochen wird, etwas Toxisches. Es ist schwer über «Weltmenschen» nachzudenken, ohne leicht zu frösteln, während einem beim Begriff «Abtrünnige» kalte Schauer über den Rücken laufen.

Extreme sektenhafte Gruppen arbeiten mit (Sprach-)Bildern, denen sich Menschen nur schwer entziehen können und instrumentalisieren damit ursprüngliches emotionales Erleben: Alle Menschen fürchten sich vor Krankheit, niemand mag fauliges Essen. So gibt es denn in der Wachtturm-Literatur unzählige Bilder wie das des faulen Apfels, der die anderen Äpfel ansteckt und natürlich für sündiges Verhalten steht, das ansteckend sein soll. Über Abtrünnigkeit wird gesprochen, als wäre sie eine hochansteckende Krankheit, welche zum Tode führt. Abtrünnige werden nicht nur verächtlich behandelt, sondern oft auch wie Todkranke, die sterben werden, beschrieben.

Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten.

Du kannst keinen Umgang mit Menschen pflegen, die schlechte Gewohnheiten haben, ohne dass du nachteilig beeinflusst wirst. Die biblischen Grundsätze werden sich auch an dir bewahrheiten. Wie ein fauler Apfel gute Äpfel, zwischen denen er liegt, mit der Zeit ansteckt, so werden Personen, die mit schlechten Menschen Umgang pflegen, von diesen angesteckt. Man kann Gott keine Lüge nachweisen; sein Wort ist Wahrheit. – Joh. 17:17.

Erwachet! vom 8. August 1971, S. 27

Ausgeschlossene/Abtrünnige als geistig Kranke

Angenommen, ein Arzt schärft dir ein, dich strikt von einer Person fernzuhalten, die an einer ansteckenden, tödlichen Krankheit leidet. Dir wäre völlig klar, was der Arzt dir sagen will, und du würdest dich gewissenhaft daran halten. Über Abtrünnige sagt die Bibel, dass sie „geistig krank“ sind und andere mit ihrem treulosen Gedankengut infizieren wollen (1. Tim. 6:3, 4). Jehova, der beste „Arzt“, rät uns dringend, jeden Kontakt mit ihnen zu meiden. Uns ist klar, was er damit meint. Fragen wir uns: Bin ich fest entschlossen, konsequent auf seine Warnung zu hören?

Wachtturm vom 15. Juli 2011, S. 16

Ausgehend von diesen Bildern muss man schließen, dass bei Zeugen Jehovas permanenter Seuchen-Alarm herrscht: Sünde ist ansteckend und kann viele infizieren. Für Sündeinfizierte wird totale Isolation gefordert, welche sogar ein Grußverbot umschließt. Es gibt für solchermaßen Abgesonderte auch keinerlei Hilfe oder Mitgefühl, in jedem Fall gilt: strikte Meidung. Mit diesen Angesteckten oder gar Todkranken gibt es auch keine Solidarität, denn sie haben den Tod verdient.

Diese Bilder und diese Erfahrungen machen es nicht einfacher, in einer wirklichen Krise Vertrauen zu haben, dass alles gut kommt, dass Solidarität jene auffangen wird, die es nötig haben. Vielmehr ist es absolut verständlich, dass viele (ehemalige) Zeugen Jehovas in der aktuellen Situation großen Stress und Ängste erleben. Auch wenn man die eigene neuronale Vernetzung nicht einfach löschen kann, kann man sie doch verändern, wenn man darüber nachdenkt oder darüber spricht. Das macht man ja auch in einer Psychotherapie, einer Selbsthilfe-Gruppe oder im Austausch mit anderen Betroffenen. Und selbstverständlich sind dabei auch Fakten hilfreich.

Auf den Punkt gebracht

Abschließend einen Ausschnitt aus der der berühmten Rede von Konrad Franke, in der er das Weltende im Jahr 1975 vorhersagt, gefolgt von einer Sequenz zum Thema Lügen aus einem der berüchtigten WT-Kinderfilme. Danach eine Episode aus einer Rede von Thomas Fiala und schließlich, sozusagen als Fazit, eine Nummer des Kabarettisten Volker Pispers.


Pressestimmen

Richard Dawkins Foundation
Zeugen Jehovas und Corona-Harmagedon – Die Folgen für Zeugen Jehovas-Betroffene

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen EZW
Wie die Leitung von Jehovas Zeugen mit der Corona-Krise umgeht

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Offener Brief an Jehovas Zeugen / Kindesmissbrauch

Als Opferschutz- und Hilfsorganisation fordern wir die lückenlose und systematische Aufklärung und Aufarbeitung der im Raum stehenden Vorwürfe, Kindesmissbrauch vertuscht und Opfer nicht adäquat behandelt und geschützt zu haben.

Wir fordern, die Aufarbeitung mit Hilfe externer Experten/innen anhand des Leitfadens der Aufarbeitungskommission der Bundesregierung Deutschlands vorzunehmen und damit den Schutz der Kinder und die Entschädigung für Opfer in den Fokus zu nehmen.

An
Jehovas Zeugen KdöR / Zweigbüro Zentraleuropa
Vorstand

Am Steinfels 1 
65618 Selters/Taunus 

Sehr geehrte Herren,

aus Anlass der im Auftrag der Niederländischen Regierung zum Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen veranlassten Untersuchung wenden wir uns an Sie.  

Neben dem bedrückenden Bericht aus den Niederlanden gibt es weitere Untersuchungsergebnisse, wie z.B. von der Royal Commission in Australien, die weltweit auf deutliche Missstände bei Jehovas Zeugen in der Behandlung von Kindesmissbrauch hinweisen. Auch uns liegen 50 Berichte Betroffener zu dieser Problematik vor.

Als Opferschutz- und Hilfsorganisation fordern wir die lückenlose und systematische Aufklärung und Aufarbeitung der im Raum stehenden Vorwürfe, Kindesmissbrauch vertuscht und Opfer nicht adäquat behandelt und geschützt zu haben. Auch wenn in jüngster Zeit einige Verbesserungen in Ihrem Religionsgesetz eingeführt wurden, reichen diese bei weitem nicht aus. 

Deshalb fordern wir Sie auf, die Aufarbeitung jetzt mit Hilfe externer Experten/innen anhand des Leitfadens der Aufarbeitungskommission der Bundesregierung Deutschlands vorzunehmen und damit den Schutz der Kinder und die Entschädigung für Opfer in den Fokus zu nehmen. Gerne bieten wir hierzu unsere Hilfe und Expertise an.

Da Sie sich in Ihrem Religionsgesetz vorgeblich auf die Bibel stützen, möchten wir Sie im Sinne der Opfer, die zum Tatzeitpunkt verletzliche Kinder waren, auf folgenden Bibelspruch hinweisen:
„In dem Maße, wie ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan.“ Matth. 25:40 (NWÜ)

Über eine positive Antwort würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen 

Udo Obermayer
Vorstandsvorsitzender
JW Opfer Hilfe e.V.

Pressestimmen

Offener Brief des Vereins JW Opfer – Sexueller Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas
Humanistischer Pressedienst hpd, 31.01.2020

Sexueller Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas – auch in Deutschland ein Problem
Richard Dawkins Foundation, 30.01.2020

Weitergehende Informationen

Pressemitteilung vom 20.01.2020

Problemfelder – sexueller Kindesmissbrauch

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Bericht zum Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen im Auftrag der Niederländischen Regierung

Die Untersuchung zum Kindesmissbrauch bei Jehovas Zeugen wurde durch die Niederländische Regierung in Auftrag gegeben. Jehovas Zeugen haben versucht, die Veröffentlichung des Berichts gerichtlich zu stoppen.

Am 23.01.2020 berichtet die Niederländischen Tageszeitung AD über die Untersuchung zu sexuellem Missbrauch bei den Zeugen Jehovas durch die Universität Utrecht. Hier finden Sie die übersetzte Zusammenfassung des Berichts.

Die Übersetzung des gesamten Berichts ist automatisch mit deepl erstellt und bietet einen Überblick trotz sicher einiger Fehler in der Übersetzung.
Sexueller Missbrauch und Bereitschaft zur Anzeige innerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas

Zur Originalseite mit Link zum Originalbericht auf niederländisch geht es hier.

Inzwischen wollen Jehovas Zeugen gegen den Bericht gerichtlich vorgehen wie rtv drenthe am 23.01.2020 schreibt (deutsche Übersetzung).

Pressestimmen

Universität Utrecht stellt Bericht vor  – Jahrelanger Missbrauch der Zeugen Jehovas gerichtlich bestätigt
Tagesspiegel, 23.01.2020

In den Niederlanden ist ein Bericht über sexuellen Missbrauch bei den Zeugen Jehovas veröffentlicht worden. Das wurde von einem Gericht entschieden. Die Gemeinschaft hatte sich gegen eine Veröffentlichung gewehrt.
religion.orf.at, 24.01.2020

Wir sind weiterhin besorgt darüber, dass die Zeugen Jehovas den Ernst des Problems immer noch nicht erkennen. Das zusammenfassende Verfahren zur Verhinderung der Veröffentlichung des Berichts unterstreicht unsere Besorgnis.
Reclaimed Voices, Presseerklärung

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